Seit den 1920er Jahren trug das Coburger Bürglaßschlösschen Gelb. Fast 100 Jahre später geht die Stadt Coburg farbtechnisch wieder mehr zurück zu den Wurzeln: Derzeit wird das Gebäude saniert und neu gestrichen - in Cremeweiß, wie Sibylle Fugmann, Architektin im Coburger Hochbauamt, berichtet. Die Fenstereinfassungen, Ecknutungen und auch die Säulen vor dem Portal erhalten Natursteinfarbe.

"Wir wollten weg vom Wittelsbacher Gelb", erklärt Sibylle Fugmann im Gespräch mit dem Tageblatt. Ein Restaurator hatte nachgeforscht, in welchen Farben das Bürglaßschlösschen im Laufe der Jahrhunderte schon gestrichen war. In einer Art Probebohrung durch die diversen Putzschichten sei er auf zwei unterschiedliche Lagen gelber Farbe gestoßen. Die ältere der beiden dürfte um 1920 aufgetragen worden sein, die jüngere datiere aus der Nachkriegszeit, etwa aus den 60er Jahren, erläutert Fugmann. Vor 1920 sei die Fassade auf jeden Fall heller gewesen, "mehr in Richtung weiß".

Daran orientiert sich nun auch die neue Farbgebung. Das Cremeweiß, eine Mischung aus etlichen Farbkonzentraten, werde oft im denkmalpflegerischen Bereich verwendet, sagt die Architektin. Es habe auch alternative Überlegungen gegeben, wobei die Fenstereinfassungen und Ecknutungen heller gewesen wären und die Fassade ein wenig dunkler, eher in Richtung Rosa gegangen wäre. Aber dem Denkmalschutz habe die Kombination aus Cremeweiß und Sandstein gefallen, so Fugmann.

Derzeit wird an den beiden Seiten zum Landestheater und zum Biergarten hin gearbeitet. Ende Juli wird das Gerüst umgesetzt, dann sind die anderen beiden Seiten an der Reihe. Da der Betrieb, sprich Hochzeiten, auch während der Renovierung weitergeht, wolle man so wenig wie möglich stören. Bis Ende Oktober soll alles fertig sein.

Was die Schäden an der Fassade angeht, sei die Stadt zwar auf böse Überraschungen gefasst gewesen, die seien aber zum Glück bisher weitgehend ausgeblieben, sagt Fugmann. Im Sandstein, aus dem das Erdgeschoss besteht, haben Regen und Witterung mit der Zeit Risse verursacht, die geschlossen werden mussten. Im Obergeschoss, das in Fachwerk gebaut ist, war an einer Ecke das Holz morsch. Es wurde ersetzt.
Beim Blumenschmuck vor dem Portal wird es übrigens eine kleine Änderung geben: Rings um die Säulen werde man mit der Bepflanzung künftig etwas Abstand halten, sagt Sibylle Fugmann. Schließlich soll der frische, helle Anstrich nicht gleich wieder durch Erdspritzer verschmutzt werden.