Für eine Ausstellung im Kunstverein kehrt Jessica Maria Toliver in ihre Heimatstadt Coburg zurück. "Diesen Raum finde ich super", sagt die Künstlerin und kniet auf dem Boden des Studios im Souterrain des Kunstvereins.


Mit ihren Arbeiten lässt sich die Künstlerin, die seit vielen Jahren freischaffend in Schwere lebt, oft ganz bewusst auf Räume ein. Die zentralen Arbeiten, die von diesem Samstag an für gut zwei Monate zu sehen sein werden, sind denn auch eigens für den Ausstellungspavillon am Rande des Hofgartens entstanden.

Erinnerung an Seerosenteich

Der Studioraum hat bei ihr Assoziationen an einen Swimmingpool geweckt. Konsequenterweise bewegt sich ihre künstlerische Fantasie in diesem Fall im nassen Element. "Teich" hat sie ihre großformatige Installation aus schwarz durchgefärbten und geölten sogenannten mitteldichten Faserplatten (MDF) genannt, die die Mitte des Raumes einnimmt. Die Erinnerung an einen Seerosenteich mit seinen überlappenden Pflanzen will sie mit den leicht gegeneinander verschobenen Platten lebendig werden lassen.

Faszinierende "Skizzenschnitte"

Eine ganz spezielle Form des Scherenschnitts hat Jessica Maria Toliver zu ihrem Markenzeichen entwickelt. "Skizzenschnitte" nennt sie ihre Technik. Am Anfang steht dabei eine Skizze, die sie in wenigen Minuten auf das Papier wirft. Dann aber folgt "der lange Prozess des Ausschneidens mit dem Skalpell", beschreibt sie ihre Vorgehensweise, die zu verblüffenden Ergebnissen führt: "Dadurch entsteht der Eindruck des Gewebeartigen."


Auch für eine weitere Arbeit hat sie sich vom Ausstellungsgebäude des Kunstvereins inspirieren lassen. "Underwater tusculum" nennt sie eine dreiteilige Folge von Skizzenschnitten, für die sie Anregungen gewonnen hat vom Sockel der allegorischen Skulptur, die im Untergeschoss steht. Der bewusste völlige Verzicht auf Farbigkeit verleiht ihren Arbeiten einen bisweilen spröden und zugleich geheimnisvollen Eindruck.



Aus dem Leben einer Künstlerin


Ausstellungs-Tipp Jessica Maria Toliver "Underwater tusculum - Scherenschnitte" Eröffnung: Samstag, 16 Uhr, Pavillon des Kunstvereins Coburg.Einführung: Joachim Goslar; musikalische Umrahmung: Leonhard Dering (bis 23. August).
Jessica Maria Toliver erhielt im Jahr 2008 den Kunstförderpreis der Stadt Coburg. 1976 in Coburg geboren, besuchte sie die Fachoberschule für Gestaltung in Dortmund (1997 bis 1999). Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Schwerte.