Beckmann hat endgültig genug - genug von diesem Leben, das längst schon kein Leben mehr ist. Nach drei Jahren Stalingrad ist er wieder nach Hause gekommen und in der Fremde gelandet. Denn sein Platz im ehelichen Bett ist besetzt - neu vergeben. Tot sein will Beckmann, tot sein das ganze Leben lang.

Doch daraus wird nichts. "Ich will dein armseliges bisschen Leben nicht" sagt die Elbe ganz prosaisch zu dem verhinderten Selbstmörder, der frierend ins Wasser gesprungen ist, in den Fluten aber den Tod nicht findet, den er gesucht hat.

Wolfgang Borcherts Schauspiel "Draußen vor der Tür" - was hat es knapp ein Dreivierteljahrhundert nach seiner Entstehung - einem Publikum in Corona—Zeiten noch zu sagen? Zum Spielzeit-Auftakt in der Coburger Reithalle ist das 1947 uraufgeführte Stück in einer sehr konzentrierten Lesart zu erleben.

Text konsequent gestrafft

Borcherts Geschichte des Heimkehrers Beckmann, den in der Heimat schon längst niemand mehr vermisst hat, ist in diesem Stück derart unmissverständlich erzählt, dass sich natürlich die Frage stellt, was das Theater diesem Text eigentlich noch hinzufügen kann.

Das Regie-Duo Fabian Appelshäuser und Antonia Leitgeb, das im Programmheft als Theaterkollektiv "conform" firmiert, gelingt es, mit sparsamen äußeren Mitteln nahe am konsequent gestrafften Text zu bleiben und dennoch nicht hängen zu bleiben am Etikett Heimkehrerdrama. Appelshäuser und Leitgeb, die gemeinsam auch für die sehr reduzierte Ausstattung auf fast durchgängig leerer Bühne verantwortlich zeichnen, zeigen Beckmann nicht vordergründig als heimkehrenden Soldaten, sondern vielmehr als einen Menschen, der generell nirgendwo mehr dazu gehört.

Intensive Ausdruckskraft

Tobias Bode, seit September neu im Ensemble des Landestheaters, spielt diesen Beckmann mit fatalistischem Ernst und intensiver Ausdruckskraft. In wechselnden weiteren Rollen: Juliane Schwabe, Frederik Leberle, Marina Schmitz und Nils Liebscher. Dem Künstler-Quartett gelingt eine einfühlsam differenzierte, dabei prägnant charakterisierte Darstellung.

"Draußen vor der Tür" - in dieser eindringlichen Inszenierung auch heute noch ein Schauspiel, das das Publikum spürbar in Bann zieht.