Wer im Coburger Land vorbildlich ein altes Baudenkmal saniert, hat eine Eiserne Rose verdient: Die Auszeichnung für die gelungene Rettung historischer Bausubstanz wurde am Freitag gleich drei Mal vergeben: an Doris Röske und Siegfried Moser in Drossenhausen, Ellen und Walter Ludwig Strohmaier in Rossach sowie an Gabriele und Ingo Rickhaus in Seßlach. Die Anerkennung solle andere Bürger motivieren, gerade ortsbildprägende Gebäude zu renovieren, sagte Landrat Michael Busch (SPD).

Seit 1976, als der Landkreis Coburg die besondere Rose zum ersten Mal verlieh, liegt Seßlach fest auf der Reiseroute des Kreisbeirats "Das schönere Dorf, die schönere Stadt". Dieses Mal galt es, den Einsatz von Ingo und Gabriele Rickhaus für den Erhalt eines wertvollen alten Gebäudes zu würdigen. Erneut, denn zuvor hatte das Ehepaar bereits für den "Pörtnerhof" die Auszeichnung erhalten.
"Die Familie Rickhaus hat großen Anteil daran, dass die Eiserne Rose Stammgast in Seßlach ist", bestätigte Bürgermeister Martin Mittag (CSU). Und der Landrat ergänzte, dass solche Beispiele dafür sorgen, "dass Seßlach als Kleinod erhalten bleibe."


Sinnvolle Neunutzung

Als das Ehepaar Ende 2013 das zweigeschossige Walmdachhaus mit Fachwerkobergeschoss, Freitreppe und Hofdurchfahrt in der Pfarrgasse 106 erwarb, stand das Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert bereits zehn Jahre leer. Zuvor befand sich das Ackerbürger-Anwesen, zu dem auch die gegenüberliegende Stadtschmiede gehörte, über zwei Jahrhunderte im Besitz der Familie Fuchs. Die neuen Eigentümer ließen es von Bauingenieur Martin Burgsmüller grundlegend sanieren und behutsam in ein Gästehaus für den "Pörtnerhof" umbauen. "Es gelang mustergültig, denkmalpflegerische Belange mit heutigen Anforderungen an Komfort zu verbinden", lobte Professor Johannes Körner "die gelungene komplizierte OP". Mit Feingefühl hätten die Bauherren die Schwächen eines leerstehenden Hauses beseitigt, dessen "super Qualität" belassen und neue Qualitäten hinzugefügt: Wärmedämmung, Brandschutz, moderne Haustechnik und Heizung seien ebenso wie die Bäder "besonders sorgfältig in den Bestand integriert" worden. Um das originale barocke Treppenhaus aus Holz zu erhalten, wurde im Hof eine Stahlwendeltreppe eingebaut. Im ehemaligen Stall entstand das "Sandsteinzimmer", ein behindertengerechtes Appartement.

Für Kröner, der als Architekt und Bausachverständiger dem Beirat angehört, haben Ingo und Gabriele Rickhaus "neben dem gut geführten Gasthaus einen zweiten Fixpunkt geschaffen". Das Haus "liege goldrichtig" und passe ins Stadtgefüge. "Toll, was daraus geworden ist", ergänzte Beiratsvorsitzende Christine Heider bei der Übergabe der Eisernen Rose. Der Bürgermeister bescheinigte dem Ehepaar Rickhaus eine Vorbildfunktion, "wegen ihrer Liebe zum Detail und zu unserer schönen Altstadt".

Buschs Hoffnung auf viele Nachahmer könnte sich rasch erfüllen: Wie Ingo Rickhaus berichtete, macht sein Beispiel nicht nur in Seßlach Schule. Potenzielle Bauherren hätten sich bereits ratsuchend an ihn gewandt. "Wir wollen und werden immer wieder Aushängeschild sein", frohlockte Mittag.


Zweiter Anlauf glückte

Bereits vor fünf Jahren war das Bauernhaus von Ellen Strohmaier und Professor Walter Ludwig Strohmaier, Am Kirchhof 3, in Rossach von der Jury begutachtet worden. Und obwohl sich die Mitglieder schon damals von Besonderheiten wie dem "liegenden Dachstuhl", den gefelderten Türen mit reichen Beschlägen und dem üppigen Rahmenstuck beeindruckt zeigten, scheiterte eine Würdigung des Schopfwalm-Hauses mit Laube aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Beanstandet wurden diverse Verkleidungen und negative Veränderungen der jüngeren Vergangenheit. Dazu waren die Besitzverhältnisse 2010 noch ungeklärt. Inzwischen haben die neuen Besitzer in nur 18 Monaten wertvolle Bauteile mit Sorgfalt restauriert und ergänzt, "mit viel Gespür", wie Heider ihnen bescheinigte. Professor Strohmaier recherchierte obendrein die Baugeschichte und dokumentierte alle Befunde während der Instandsetzung. "Eine historisch bedeutsame Hofanlage wurde für das Ortsbild sorgfältig erhalten und gleichzeitig für die neue Nutzung als komfortables Wohnhaus hervorragend instandgesetzt", hob die Jury lobend hervor.


Thüringer Einfluss

Das verschieferte Bauernhaus von Doris Röske und Siegfried Moser findet sich Am Brunnen 11 im Meederer Ortsteil Drossenhausen. Nicht nur die Schiefer-Verkleidung des Hauses aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch die zweigeschossige Borlaube ("Bollaum") stehen beispielhaft für den deutlich thüringischen Einfluss auf die Architektur im nördlichen Landkreis. Für den Beirat ist dieses Objekt "ein geglücktes Beispiel, wie mit begrenzt verfügbaren Mitteln, zunehmender Erfahrung und handwerklichen Fertigkeiten eine heutigen Bedürfnissen gerechte Wohnform auf gefährdeter historischer Bausubstanz geschaffen werden kann."
Vor rund 40 Jahren stand das damals desolate Frackdachhaus, ein Wohnstallgebäude mit querstehender Scheune, zum Verkauf. Die Grundstücke wurden mit einer größeren Hofanlage zusammengelegt. Nach und nach wurde es in der Folgezeit von seinen wechselnden Bewohnern in Eigenleistung repariert. "Zusammen mit einer Reihe ähnlich qualitätsvoller Bauernhäusern wurde hier ein hervorragendes Ensemble erhalten und belebt", stellte Professor Kröner fest. Heider nannte das einfache und ursprüngliche Haus "ortsbildprägend".


Drei von elf

Insgesamt hatte der Beirat elf Objekte begutachtet. Erstmalig wurden 2015 drei Baudenkmäler prämiert: Die Anwesen in Seßlach und Drossenhausen sind in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege eingetragen. Das Rossacher Bauernhaus findet sich in der Liste der Baudenkmäler des Landkreises Coburg. "Wir wollen keine leer stehenden Häuser auszeichnen, sondern Häuser, die mit Leben erfüllt werden", beschrieb Vorsitzende Heider eines der Hauptkriterien für die Verleihung der Eisernen Rose.