Zunächst durften sich die Organisatoren der Protestaktion freuen: Fast hundert Menschen waren ihrem kurzfristigen Aufruf gefolgt, am Freitag gegen eine Veranstaltung der Jungen Union Coburg-Stadt (JU) mit Hans-Georg Maaßen im "Leise am Markt" zu protestieren. Ab 18 Uhr machten verschiedene Redner ihrem Unmut über den ehemaligen Verfassungsschützpräsidenten Luft - und warteten gespannt auf das Eintreffen des umstrittenen Gasts. "Im Moment ist er noch im Hotel und isst", verkündete ein Redner - und lag damit komplett daneben. Denn Hans-Georg Maaßen war bereits - völlig unbemerkt - vor 18 Uhr zum Veranstaltungsort gebracht worden und hatte dort noch etwas zum Essen gereicht bekommen.

In einem Gespräch mit dem Coburger Tageblatt betonte Maaßen zunächst, wie sehr er sich über die Einladung der JU gefreut habe. Denn zum einen sei er bereits zweimal als Tourist in Coburg gewesen. Zum anderen habe er schöne Erinnerungen an seine eigene Zeit bei der Jungen Union. Überhaupt finde er es gut, wenn sich junge Menschen politisch engagieren. Denn: "Auf die Jugend kommt es an!"

Maaßen vermisst Toleranz

Und wie findet er das Engagement der Demonstranten, unter denen sich ebenfalls junge Menschen befinden? "Ich akzeptiere es, dass es Leute gibt, die nicht meine Meinung teilen - aber ich erwarte, dass diese Leute auch meine Meinung akzeptieren", sagte Maaßen. Doch leider mangele es den meisten an Toleranz.

"Eine Demokratie muss verschiedene Positionen ertragen", betonte das CDU-Mitglied Maaßen und ergänzte mit Blick auf seine Partei: "Ich möchte, dass die Union wieder eine Volkspartei wird, die alle Flügel bedient."

In seiner Rede beschäftigte sich Maaßen mit der Inneren Sicherheit. Als er 2012 Verfassungsschutzpräsident wurde, habe es in Deutschland 3800 Salafisten gegeben - als er 2018 aus seinem Amt scheiden musste, waren es 11000. "Das ist eine tolle Entwicklung", meinte Maaßen ironisch, "besser als der DAX."

Auch die Zahl der potenziellen islamistischen Terroristen sei kontinuierlich gestiegen, und zwar auch aufgrund des unkontrollierten Zuzugs von Asylsuchenden. "Das muss aufhören", forderte Maaßen, "wir müssen die Lage wieder in den Griff bekommen."

Maaßen erklärte, dass er sich "Sorgen um Deutschland" mache und dass er sich dabei keineswegs wie ein "Geisterfahrer" fühle. Viele Menschen würden ähnlich denken.

Der Maaßen-Rede lauschte außer Maximilian Forkel und Kurt Knoch (beide JU sowie CSU/JC-Fraktion) auch Stadtrat Hans-Herbert Hartan (CSU). Unter den Demonstranten wurden die Stadträte Martin Lücke, Dominik Sauerteig (beide SPD), Wolfgang Weiß (Grüne) und René Hähnlein (Linke) gesichtet. Besonders deutliche Worte fand Lücke für die Veranstaltung. Er sprach von einer "Schande" und einem "Skandal". Der "Klamauk-Maxi", wie er den JU-Vorsitzenden Maximilian Forkel nannte, habe "eine Grenze überschritten". Die Einladung für Maaßen stelle eine "gezielte Provokation" dar, die nur das Ziel habe, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Lückes Kommentar dazu: "Pfui Teufel!"

Ina Sinterhauf zeigte sich bestürzt darüber, dass nunmehr auch Regierungsparteien die Gesellschaft spalten würden - bislang hätten das nur die Parteien am rechten Rand getan.

"Warum lädt Maximilian Forkel so jemanden wie Maaßen in unser vielfältiges Coburg ein", fragte Toni Münster von den Jusos und sprach von einer "Schande für eine demokratische Partei und ihre Nachwuchsorganisation".

Maximilian Forkel wies diese Vorwürfe von sich. "Wir von der Jungen Union wollen Sachverhalte kritisch hinterfragen und uns danach eine Meinung bilden", sagte er in seiner Begrüßung zur Veranstaltung mit Maaßen. Leider falle es so manchem Stadtrat leichter zu demonstrieren als gemeinsam zu diskutieren. "Es ist legitim, eine andere Meinung zu haben", sagte Forkel und in einer Demokratie müsse es möglich sein, über verschiedene Meinungen zu diskutieren.

Bei der Veranstaltung mit Hans-Georg Maaßen in Coburg trat die Werte-Union als Mitveranstalter auf. Bei ihr handelt es sich um eine Bündelung rechtskonservativer Kräfte innerhalb der CDU/CSU.