Frankens Einzelhandel ist mit großen Erwartungen in die Adventszeit gestartet. Die haben sich zumindest in den ersten drei Wochen nicht so ganz erfüllt, wie der Sprecher des Handelsverbands Bayern (HBE) auf Anfrage unserer Zeitung einräumte: "Wir hatten ein leichtes Plus erwartet, liegen aber unter dem Vorjahresniveau", sagte HBE-Sprecher Bernd Ohlmann kurz vor dem vierten Adventssonntag. Allerdings erwartete er für die laufende Woche noch einmal einen Schub: "Immer mehr kaufen ihre Geschenke auf den letzten Drücker. Gerade Bücher oder Parfum sind dann gefragt."

Eine Aussage, die Hartmut Abel, Geschäftsleiter der Galeria-Kaufhof-Filiale in Coburg, bestätigen kann: "Der Großteil kauft relativ spät ein." Verglichen zum Vorjahr dauere der Advent zwei Einkaufstage länger. Der Schlussspurt verschiebe sich deshalb entsprechend. Schon am Donnerstag (22. Dezember) sei das Haus gut voll gewesen. "Das muss auch am Freitag und Samstag noch so sein."

Die großen Kaufhäuser haben aber nicht nur die Tage vor Weihnachten im Blick, sondern auch die zwischen den Jahren. Auch da erwartet Abel aus Erfahrung gute Umsätze: Zum einen würden zum Fest viele Gutscheine verschenkt, die dann eingelöst würden. Außerdem locken Aktionen: "Traditionell sind zwischen den Jahren Haushalt- und Heimtexwochen. Das wird von den Kunden honoriert und auch erwartet."

HBE-Sprecher Ohlmann verwies auch auf die Online-Konkurrenz, die dem stationären Handel zu schaffen mache: "Jeder zehnte Euro wird aktuell im Internet ausgegeben." Konzerne wie Kaufhof versuchen, das Geld in die eigenen Kassen zu lenken. Die Coburger Filiale sei "bundesweit ganz vorne", was die Verknüpfung mit dem Internet-Geschäft angehe, sagt Abel: Kunden können zuhause bestellen und die Päckchen an die Heimatadresse schicken lassen. Sie können die Ware aber auch ins Geschäft liefern lassen oder vom Geschäft aus bestellen. Das werde häufig genutzt bei Marken, die in Coburg nicht vorrätig sind oder bei Sonderangeboten, berichtet Abel.


Kleine Händler zufriedener

"Es läuft durchmischt", lautet das Fazit von Coburgs Citymanager Jörg Hormann über das bisherige Adventsgeschäft. Viele kleine Einzelhändler seien sehr zufrieden gewesen ("die machen seit Wochen keine Mittagspause"), die großen Geschäfte würden auf den Vorweihnachtsendspurt setzen. Heiko Wend, Geschäftsleiter der Coburger Wöhrl-Filiale, spricht hingegen von einem zufriedenstellenden Verlauf des Dezembergeschäfts. "Wir waren beim Umsatz und der Kundenfrequenz besser als im Vorjahr." Dazu tragen seiner Ansicht nach die speziellen Adventsaktionen der Kette bei, die täglich bei einer anderen Produktgruppe Rabatte gewähren. Solche Aktionen gebe es überall, sagt auch Hartmut Abel vom Kaufhof. "Wir werden da vom Markt eingeholt."

"Für den Kunden manchmal nicht ganz nachvollziehbar, aber so ist leider das Business", sagt auch Heiko Wend. Rabattaktionen würden Kunden locken. "Wenn es keine Aktion gibt, trocknet das Geschäft aus."

Generell sehe er den Einzelhandel in Coburg gut aufgestellt, sagt Wend "Auch wenn manche Unternehmen aufgeben, kommen in Coburg immer relativ schnell neue Nachmieter. Da kenne ich andere Städte in dieser Größenordnung, die sehen um einiges desaströser aus als Coburg. Man darf nicht immer alles schlecht reden."

Zumindest scheinen die Coburger offen zu sein für neues: "Die beiden Pop-up-Shops sind super angekommen", berichtet Jörg Hormann: In der Spitalgasse verkauften junge Gestalter aus der Region ihre Produkte, in der Ketschengasse öffnete eine Töpferwerkstatt aus Ahorn nur fürs Weihnachtsgeschäft. "Die mussten nachproduzieren!" berichtet Hormann.


Nur im Advent geöffnet

In der "Guten Stube 2" in der Spitalgasse wurden die Macherinnen vom Kundenzuspruch "positiv überrascht", berichtet Alisa Ehrlicher. "Viele sagen, dass die ,Gute Stube‘ eine schöne Abwechslung darstellt, und sind überrascht, dass wir alle von hier sind." Egal, ob Porzellanobjekte, Schmuckstücke oder Obstkörbe aus Vinylschallplatten: "Die Umsätze sind gut über alle verteilt", sagt Johanna Bischoff. Lediglich die Skateboards seien nicht so gut gegangen - "aber es ist ja auch nicht die Jahreszeit dafür".

Die "Gute Stube" hat am Freitag (23. Dezember) letztmals geöffnet. Einen Laden auf Dauer können sich die meist jungen Gestalter (noch) nicht leisten. "Aber wir haben alle eine Internet-Präsenz", sagt Alisa Ehrlicher. "Viele Kunden wollen sich später online melden."