Prinz Hamlet plagt ein schlimmer Verdacht. Hat sein Onkel seinen Bruder und damit Hamlets Vater ermordet, um ehebrecherisch Dänemarks Thron in Besitz zu nehmen? Ist Hamlet mit diesem Verdacht auf der richtigen, der mörderischen Spur?

Fakten und Verschwörungstheorien

Oder ist dieser schlimme Verdacht bloßer Wahn? Als Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen Fakten und Verschwörungstheorien hat Coburgs Schauspieldirektor Matthias Straub das gut vier Jahrhunderte alte Drama um den dänischen Königssohn in Szene gesetzt.

Mit vielen Monaten Verspätung feierte seine Inszenierung nun endlich ihre Live-Premiere. Bereits im Mai war diese Inszenierung als effektvoll, mit Gespür für filmische Wirkung in Szene gesetzte Video-Produktion zu sehen gewesen und hatte in engen Zeitfenstern auf dem YouTube Kanal des Landestheaters weit mehr als 2000 Zuschauer angelockt. Live aber entfaltet diese Produktion ihre innere Spannung noch viel intensiver. Das liegt nicht zuletzt am durchweg eindringlichen Spiel der Protagonisten - allen voran: Florian Graf in der Titelrolle.

Eindringlich wirkt das turmartig in die Höhe strebenden Bühnenbild von Till Kuhnert, pointiert in der Charakterisierung die Kostüme von Carola Volles. Effektvoll untermalt die von Dominik Tremel geschaffene Soundkulisse das ganz aus dem Geist der Sprache erzählte Geschehen, Jean-Loup Fourure hat die Fechtszenen sehr präzis und mit Gespür für genau dosierte Wirkung einstudiert.

Heftiger Applaus

Unter den strikten Corona-Bedingungen zu Jahresbeginn hatte Regisseur Matthias Straub seinen "Hamlet" konsequent auf kompakte Kürze hin konzipiert. Die Kürzungen, die sich in der neuen Übersetzung durch Matthias Straub und Fabian Appelhäuser widerspiegeln, erweisen sich auch live als kluge Entscheidung: Die Spannung bleibt hoch - bis hin zum tödlichen Schluss.

Shakespeares "Hamlet" ist in Coburg als zeitloser Klassiker in schlüssiger Lesart zu erleben. Der Lohn: heftiger Applaus, garniert mit Bravo-Rufen.

Theater-Tipp

"Hamlet" Drama von William Shakespeare, übersetzt von Matthias Straub und Fabian Appelshäuser - Termine: 27. Oktober, 19.30 Uhr, 5., 27. November, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg

Tickets Theaterkasse - Tel. 09561/898989 (theaterkasse@landestheater.coburg.de)