Selbst für den größten Teil der Mitarbeiter blieb die Sache bis zuletzt ein Geheimnis: Just und natürlich völlig absichtlich zum 83. Jahrestag der Unternehmensgründung ist aus der Haba-Firmenfamilie die Haba-Familygroup geworden. Mit dem neuen Namen und dem neuen Logo einher geht auch eine veränderte unternehmerische Ausrichtung. Geschäftsführer Tim Steffens gab gestern seiner norddeutschen Herkunft entsprechend die Richtung vor: "Wir wollen den Anker lichten und stärker die internationalen Märkte in Angriff nehmen."

Das versteht doch jeder auf der Welt

Wobei die Familygroup, die für die Bad Rodacher auch in Zukunft schlicht Haba bleiben wird, immer noch ein Familienunternehmen ist. Sabine Habermaass steht als geschäftsführende Gesellschafterin für die inzwischen dritte Generation an der Spitze des - wie sie sagte - "inzwischen nicht mehr ganz so kleinen Familienunternehmens". Auch solche müssen sich dem Wandel stellen, weil sich das Kaufverhalten der Menschen ändert hat. "Digitaler und internationaler" sei der Markt, da müsse man als Unternehmen schlank und schlagkräftig sein. Deshalb hat die Haba-Familygroup ihre Strukturen, Prozesse und das Sortiment fit für die Zukunft gemacht. Im Mittelpunkt stets das Motto des Unternehmens: "Kinder können alles." Und mit der Vorgabe der Geschäftsführerin: "Sie dabei zu unterstützen, das ist unser Auftrag." Und, übrigens: Der Begriff der Familygroup sei kein weiterer Teil der unnötigen Anglizismen, betonte Sabine Habermaass: "Das ist ein Begriff, den man in der ganzen Welt versteht."

Wie Tim Steffens (42) bei der Vorstellung der Zukunftsorientierung erläuterte, tragen Haba künftig drei Sparten. Als Spielgefährte mit Haba, als Alltagshelfer mit Jako-o und Fitz sowie als Bildungspartner mit Wehrfritz, der Haba-Digitalwerkstatt und dem Raumausstatter "Project". Flaggschiff wird dabei weiter die Haba-Spielzeugsparte sein. Für die sieht Tim Steffens glänzende Chancen im internationalen Markt, weil der Trend hin zu Qualitätsspielzeug gehe. Selbst in England, wo in den vergangenen Jahrzehnten eher "Bling-Bling" und grelles Plastik den Markt für Kinder beherrschte, hat der Haba-CEO einen Wandel wahrgenommen. Da passe man genau hin, sagte Steffens: "Wir schaffen Spielzeug, das man vererben kann."

Und jetzt sogar mit Hauptstadtbüro

Internationale Ausrichtung heißt bei Haba auch: international investieren. Tim Steffens kündigte an, dass in den kommenden Jahren an den Standorten in Frankreich, Polen und den USA "hohe Investionen" geplant sind. Starke Zentrale bleibt freilich Bad Rodach, das der Geschäftsführer auch für Spitzenkräfte als "extrem attraktiven Standort" bezeichnete. Mit den Designern und den Spezialisten im E-Commerce fielen Tim Steffens auf Tageblatt-Nachfrage spontan lediglich zwei Bereiche ein, in denen man mit einer ländlichen Region wie dem Coburger Land nicht unbedingt punkten könne. Aber genau für solche Arbeitsplätze habe die Haba-Familygroup eine Niederlassung in Berlin gegründet.

Vor einem Jahr haben der seit 2019 im Unternehmen tätige Steffens und die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung mit dem Prozess der Zukunftsorientierung im Unternehmen begonnen. Also zeitgleich mit dem Beginn der Corona-Pandemie. Eine verrückte Zeit, wie Steffens mit einigen Zahlen und einem offenen Statement erläuterte: "Wir haben alle Facetten der Corona-Pandemie gespürt." Die negativen wie den dramatischen Einbruch im Bereich des Fachhandels und der Geschäftskunden - aber auch nie vorhersehbare Steigerungen im Onlinehandel. Inzwischen macht Haba über 44 Prozent seines Umsatzes direkt im Geschäft mit dem Endverbraucher. Unsicherer ist das Standbein der Bildungseinrichtungen, die in den überwiegenden Fällen von den Kommunen finanziell getragen werden. Zwar hat Haba im vergangenen Jahr immer noch rund jeden dritten Euro Umsatz dort generiert, aber Tim Steffens sieht dunkle Wolken am Horizont aufziehen: "Das Volumen im Markt geht stark zurück." Der Grund dürfte darin liegen, dass sich Landkreise, Städte und Gemeinden angesichts unsicherer Steuereinnahmen bei Investitionen erst einmal zurückhalten.

Ein Lob an das Team der gesamten Familygroup musste Sabine Habermaass zum Schluss der Geburtstagsveranstaltung noch loswerden. Die Mitarbeiter wurden mit einem 30-tägigen Countdown auf die Neuausrichtung des Unternehmens eingestimmt und mussten dabei allerhand spielerische Herausforderungen bewältigten. Dazu gehörte auch die Aktion "Laufen für einen guten Zweck", bei der jeder Mitarbeiter Kilometer für eine wohltätige Spende des Unternehmens sammeln konnte.

Da freut sich der Seniorchef

Am Ende kamen binnen 48 Stunden genau 2121 Kilometer zusammen. Wo das Geld hingeht, wird die Geschäftsleitung in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit bekanntgeben. Aber einer, der wird an dieser Aktion sicher besonders viel Freude gefunden haben: der langjährige Haba-Chef, Klaus Habermaass. Von dem stammt ein Zitat, an dem sich auch die internationalisierte Geschäftsleitung orientiert: "Erfolg ist, mit seinen Möglichkeiten einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und Gutes zu tun."