Viel Zeit, Herz und Verstand hat Hubert Joppich in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Wer die beeindruckende Vita des 66-Jährigen liest, merkt schnell, dass bei ihm das Ehrenamt einen breiten Raum eingenommen hat. Jugendarbeit, Gewerkschaftsfunktionär, SPD-Mitglied, Stadtrat, und und und ... Von früher Jugend an hat Hubert Joppich Verantwortung übernommen.

Heute ist noch eine übrig geblieben: Seit 1990 ist der Rödentaler Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Vor einem Jahr ehrte ihn deshalb die Awo Deutschland mit der Verdienstmedaille, der höchsten Auszeichnung des Wohlfahrtsverbandes. Am Freitag kommt eine weitere hinzu: Der Freistaat würdigt Joppichs Wirken mit der "Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste" in München.

Jährlich erhalten nur 20 Persönlichkeiten in Bayern diese Ehrung.
"Ich sehe das nicht nur als Anerkennung für mich persönlich, sondern auch für die ehrenamtliche Arbeit vieler bei der Awo", hebt Hubert Joppich hervor.


Gar nicht geplant

Seine Verbundenheit zur Awo hat 1978 begonnen. Damals übernahm er beim Awo-Ortsverein in Rödental die Aufgabe des Kassenprüfers und des Schriftführers. Anschließend folgten Tätigkeiten als stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender und Hauptkassierer. 1990 fand eine Awo-Kreiskonferenz statt, an die sich der Postbeamte außer Dienst bis heute lebhaft erinnert: "Ich bin als Delegierter hingegangen und habe sie als Kreisvorsitzender verlassen, das war weder von mir geplant noch war es Bestandteil meiner Lebensplanung", berichtet Joppich schmunzelnd. Er hatte sich bei der Konferenz überreden lassen, zu kandidieren, und wurde schließlich überraschend gewählt.

Was mit einem Zufall begann, hat sich bis heute zu einer festen Institution entwickelt: Seit 26 Jahren steht Joppich an der Spitze des Awo-Kreisverbandes, erst im April 2016 haben ihn die Delegierten für vier weitere Jahre bestätigt. Mit Energie und Leidenschaft füllt er bis heute sein Amt als Kreisvorsitzender aus und hat die Awo in der Region Coburg stetig weiterentwickelt und Herausforderungen angenommen. Joppichs ehrenamtlichem Engagement ist es zu verdanken, dass der Kreisverband neben dem Schülerhort den Kindergarten vergrößert und eine Kinderkrippe eingerichtet hat. Außerdem hat der Wohlfahrtsverband sein Angebot mit der Übernahme der Mittagsbetreuung an der Jean-Paul-Schule erweitert.

Dem Vater einer erwachsenen Tochter ist die gesellschaftliche Bedeutung der Kinder- und Jugendarbeit, den die Awo leistet, bewusst: "Jedes dritte Kind in unserem Kinderhaus wird durch das Jobcenter oder Jugendamt unterstützt." Das sage viel über die soziale Situation der betroffenen Familien aus.

Ein weiteres Herzensanliegen ist für Hubert Joppich die Seniorenarbeit. Unter seiner Ägide entstanden die drei Seniorentreffs in Rödental, Ebersdorf und Bad Rodach. Der Treff in Bad Rodach nimmt seit 2006 am Modellprojekt Mehrgenerationenhäuser (MGH) teil. "Ziel der Einrichtungen ist es, Senioren geistig und körperlich fit zu halten", erläutert Joppich. Die Arbeit gerade im MGH Bad Rodach hat auch auf überregionaler Ebene Beachtung gefunden: Die Initiative "Deutschland - Land des langen Lebens" vergab 2014 den Jahrespreis an die Einrichtung. "Dem Mehrgenerationenhaus Bad Rodach ist es gelungen, ehrenamtliche Helfer im Alter zwischen 18 und 90 Jahren einzubinden und für alle Bürger in der Gemeinde Bad Rodach einen Mehrwert zu schaffen", heißt es in Laudatio, die Kreisvorsitzender Hubert Joppich und Treff-Leiterin Nicole Voigt vor zwei Jahren mit der Auszeichnung entgegengenommen haben.


Ein Wagnis

Wie Hubert Joppich rückblickend berichtet, sei es ein finanzielles Wagnis für den Awo-Kreisverband gewesen, die Treffs in Rödental, Bad Rodach und Ebersdorf einzurichten. "Ich bin deshalb meinem Vorstand sehr dankbar, dass er diesen Weg mitgegangen ist." Dass diese Einrichtungen gebraucht werden, bestätige die hohe Besucherzahl. 2016 waren es nach Angaben des Awo-Kreisvorsitzenden rund 26 000 Besucher.
Immer noch wendet Joppich, der in Mittelberg wohnt, als Vorsitzender wöchentlich 15 bis 20 Stunden für die Awo auf - eine Zeit, die das übliche Maß an ehrenamtlicher Betätigung weit übersteigt. Neben der Führung des Kreisverbandes hat er zum Beispiel die Um- und Erweiterungsbauten der Seniorentreffs ehrenamtlich und in seiner Freizeit begleitet und vorangebracht. Zusätzlich übernimmt der Pensionär die Pflege der PC- und Internetausstattung und bringt die Programme wieder auf Vordermann.

Zum Ausgleich läuft der 66-Jährige täglich eine Runde um den Froschgrundsee. "Ich muss etwas für meine Gesundheit und Fitness tun", nennt er als Motiv. Mit seiner Ehefrau Ingrid Klingler-Joppich, die ihn lange Zeit als Geschäftsführerin bei der Awo begleitet hat, macht er gerne Urlaub an der Nordsee, wo er Luft und Meer genießt.
Am heutigen Freitag überreicht die zuständige Staatsministerin Emilia Müller (CSU) die Staatsmedaille an Hubert Joppich. Aber bis zum Ende kann er den Festakt nicht genießen; denn als Geehrter reist Joppich gleich weiter nach Amberg. Dort will er als Delegierter bei der Awo-Landeskonferenz mitwirken.