Sieben Zeugenaussagen und sieben unterschiedliche Beobachtungen: Unklar ist der Verlauf einer Prügelei zwischen einem 24 Jahre alten Berufskraftfahrer aus Neustadt und einem 18-Jährigen, der hinterher im Krankenhaus landete. Aus diesem Grund legte Richterin Susanne Hinz vom Amtsgericht Coburg einen zweiten Verhandlungstermin fest und lud dazu eine weitere Zeugin, die endlich Licht ins Dunkel bringen soll.

Hat der Angeklagte sein Gegenüber nun bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und mit dem Fuß in die Rippen getreten oder nicht? Genau dieser Überzeugung ist die Staatsanwaltschaft Coburg und erhob Anklage gegen den Neustadter. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.


Viele Zeugen verderben die Beweisaufnahme

Sieben Zeugen, darunter der 18-Jährige, sagten aus, was sie an einem Abend im Juli vergangenen Jahres beobachteten.
Gegen 22.30 Uhr eskalierte die Gartenparty einer Familie in Neustadt. Ein 24-jähriger Neustadter soll im Laufe einer verbalen Auseinandersetzung seinen Kontrahenten zu Boden gerissen, mehrfach geohrfeigt, schließlich mit einer Hand bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und - als der Mann endlich von seinem Opfer getrennt werden konnte - dieses noch einmal mit dem Fuß gegen die Rippen getreten haben.

Der Angeklagte leugnete die Tat. Vielmehr sei das Opfer provokant und aggressiv gewesen, sagte er aus, und habe im Gegenteil ihm mit geballter Faust "eine reinhauen" wollen. "Ich habe ihn keinesfalls gewürgt oder absichtlich getreten", sagte er. Die "Schellen" räumte er ein: Zwei seien es gewesen, meinte er anfangs, sprach aber später von dreien oder vieren, was Richterin Hinz sofort zum Nachhaken bewog. Der junge Mann gab zu, alkoholisiert gewesen zu sein: "Ich habe vier, fünf Gläser Schnaps getrunken."


Am Kopf geblutet

Dem 18-jährigen Opfer, das nach der Schlägerei am Kopf geblutet habe und von Anwohnern betreut wurde, bescheinigten die Mediziner des Krankenhauses eine Weichteilprellung am Hinterkopf, Schmerzen im rechten Rippenbereich, außerdem eine Schürfwunde sowie Schwellungen. Der Angeklagte habe mit den Knien auf seinen Armen und Beinen gehockt, nachdem er ihn zu Boden gerissen habe, sagte der 18-Jährige aus. "Ich habe nur noch mitbekommen, dass er mich von vorne am Hals gepackt und zugedrückt hat", fuhr er fort, "durch das Würgen war ich dann weg." Auch er sei alkoholisiert gewesen, gab er zu: "Ich habe fünf, sechs Bier getrunken." Die Anschuldigungen des Angeklagten wies er zurück: "Ich habe ihn nicht provoziert."

Wie genau der 24-Jährige seinen Kontrahenten am Boden traktiert und welche Haltung er dabei eingenommen hat, darüber gab es widersprüchliche Zeugenaussagen. Eine 14-jährige Neustadterin, deren Schreie die anderen Zeugen alarmiert hatten, will sowohl das Würgen als auch das Treten ganz genau beobachtet haben. "Ich war vielleicht zwei Meter weg", erklärte sie. Auch eine weitere Anwohnerin habe zwar das Würgen gesehen, von einem Tritt gegen den Brustkorb allerdings nichts mitbekommen. Der Angeklagte sei sehr aggressiv gewesen, erklärte sie. Wenn nicht ihr Sohn und weitere Helfer eingegriffen und den Mann zurückgezogen hätten, "wäre die Sache ganz anders ausgegangen".


Der siebte sagt wieder etwas Anderes

Zwei weitere Zeugen erinnern sich weder an das Würgen noch an die Tritte. Der siebte Zeuge, ein ehemaliger Mitarbeiter des Angeklagten, gab an, sich zusammen mit seiner Freundin in den Streit eingemischt zu haben. Beide hätten in Kopfhöhe des auf dem Boden liegenden Mannes gestanden, gab er an. "Der Angeklagte hätte also gar nicht treten können, ich bin eigentlich sicher, dass er nicht getreten hat." Auf eine eventuelle Bewusstlosigkeit des Opfers habe er nicht geachtet. Er sei darauf konzentriert gewesen, den Angreifer von seinem Kontrahenten wegzuschieben.

Daraufhin rief Richterin Hinz noch einmal eine Zeugin in den Gerichtssaal zurück. Diese blieb allerdings bei ihrer Aussage, dass der Angeklagte das Opfer permanent gewürgt habe. "Ich wollte ihn richtig hinten reintreten, damit er loslässt", sagte sie.
Um nun Licht ins Dunkel zu bringen, beschloss Hinz, die Freundin des letzten Zeugen, die sich unmittelbar nach der Prügelei um das Opfer gekümmert hatte, zu einer Aussage vorladen zu lassen. Der Prozess wird am 23. März fortgesetzt.