Zwei Hunde, zwei Kater (die übrigens noch keine Namen haben), zwei Kühe, elf Hühner, ein Wollschwein (das demnächst geschlachtet werden soll), zwei Pfaue, eine Vielzahl von Fischen, sieben Erwachsene und drei Kinder (Samuel, Joshua und Marlene) gehören zum Büdenhof, der seinerseits wieder seit vier Jahren Stefan Haderlein gehört. Jeder, der hier lebt und zur Gemeinschaft gehört, hat seine Pläne, die gemeinschaftlich unter einen Hut gebracht werden müssen. Andy will eine große Gänseschar haben und Brot selbst backen. 18 Jahre alt ist er und hat sich für das alternative Leben entschieden. "Ich will nicht dieser stressigen Berufswelt ausgesetzt sein", sagt er, gibt aber auch zu, dass eine solche Lebensweise schon auch mit Einschränkungen verbunden ist. Auf lange Sicht will irgendwie jeder hier sein Ein- und Auskommen haben, auch wenn die meisten anderweitig angestellt sind oder selbstständig agieren.
Manuel, der angehende Berufsschullehrer, will die Teiche bewirtschaften. Seit Juli, sagt er, ist auf dem Büdenhof viel renoviert und Wohnraum geschaffen worden, ein hartes Stück Arbeit.
Georg, Manuel und Saskia, Claudia, Andy, den anderen Manuel und Stefan eint in erster Linie auch, dass alles offen ist für die Zukunft. Keine Festlegungen, nur eine: Begonnen wird mit der Gemüse-Solawi. Dafür stehen rund 1,5 Hektar Land zur Verfügung, im März sollen zudem die Gewächshäuser aufgestellt werden. Ökologisch, saisonal, regional und gemeinschaftlich wird angebaut. Was der Boden so hergibt, und das selbst im Februar, zeigt Manuel: Grünkohl, Kürbis, Rosenkohl, Rotkohl, Kartoffeln.
Claudia, mit der kleinen Marlene auf dem Rücken, stellt das Projekt vor. Die Intention ist einfach: Landwirtschaft betreiben, nicht um Geld zu verdienen, sondern um die Menschen zu ernähren. Dazu werden Mitbauern gesucht, die sich finanziell, aber auch mit Arbeit einbringen. Dafür gibt's regionales Biogemüse, den direkten Kontakt zum Erzeuger, die Möglichkeit der Mitbestimmung und die Gemeinschaft gratis dazu.

Es gibt schon Partner
Derzeit gehen die Büdenhof-Bewohner von einem Beitrag in Höhe von 80 Euro pro Monat aus und von einer einmaligen Einlage in die Solawi - sozusagen ein Genossenschaftsanteil - von 150 Euro, der aber bei Ausscheiden wieder ausgezahlt wird. Von rund 150 Mitbauern geht man derzeit aus. Geplant ist aber noch viel mehr: Brauerei und Schlachthaus, Gewächshäuser, sechs Wollschweine, Karpfen im Weiher, mobiler Hühnerstall, eine Gänsefarm, Hoffeste zur Pflege und Expansion des Gemeinschaftsgedankens. Partner haben die jungen Leute vom Büdenhof auch schon ins Boot genommen: den Bio-Benny aus Witzmannsberg zum Beispiel, der selbst auf 1,5 Hektar Biogemüse nach der Demeter-Richtlinie anbaut. Er will künftig seine Jungpflanzen selbst ziehen und ist in der Kooperative mit von der Partie.
Mit im Boot sitzt auch Jonathan Jahn, der Hofnachbar vom Büdenhof 2. Er plant, mit solchen Produkten wie Käse, Rindfleisch, Eier, Hähnchenfleisch, Obst und Schweinefleisch einzusteigen, hat von seinen 160 Obstbäumen jede Menge Obst zu bieten. "Allerdings nur jedes zweite Jahr, weil bei mir nicht gedüngt wird und die Bäume nach Lust und Laune wachsen können." Gestartet werden soll zunächst mit Hühnern und Masthähnchen, mit Obst und einer Maschinenkooperation, die bereits läuft - alles nach dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe.
Ab Juli 2015 soll's losgehen mit der Gemüse-Solawi: Abholung ab Hof und das wöchentlich. Das Gemüse ist kostenlos, finanziert von den Mitbauern wird lediglich die Landwirtschaft. So um die viermal im Jahr, sagt Claudia, könnte auch praktische Mithilfe gebraucht werden - bei Ernteaktionen oder bei der Produktveredelung, wie Marmelade kochen oder Gemüse einmachen. 28 000 Euro wurden als Kredit aufgenommen. Davon werden Maschinen, Gerätschaften, Saatgut und Gewächshäuser finanziert. Bei 20 Ernteanteilen rechnet man mit weiteren 22 000 Euro an Einnahmen im Jahr. Dazu kommen dann noch 20-mal die Einlagen zu je 150 Euro. Die Gäste sind begeistert, weisen aber auch auf Steuer oder Hygiene- und andere Vorschriften bei der Nahrungsgüterproduktion hin. "Unsere Hofgemeinschaft und Solawi sind ein Prozess, der gerade erst anläuft, wo noch vieles in den Kinderschuhen steckt", sagt Stefan Haderlein. Robert Müller aus Gossenberg stellt fest: "Wir müssen im Kopf einfach umschalten und von dem Gedanken des Billiglebens wegkommen. Wir geben einen Haufen Geld für Auto, Klamotten oder Computer aus. Nur Lebensmittel wollen wir immer billiger haben. Ich finde es klasse, dass junge Leute hier im Coburger Raum einen anderen Weg gehen."