Einen voll besetzten Rathaussaal und lange Diskussionen bescherte dem Seßlacher Stadtrat die Tatsache, das das Gemündaer Schulhaus in den Planungen für das kommende Schuljahr nicht berücksichtigt wird. Vor einer Woche waren die Wogen bei einem Informationsabend für die betroffenen Eltern hochgeschlagen. Die SPD-Fraktion brachte daraufhin am Dienstagabend einen Antrag in den Stadtrat ein.

"Es ist der politische Wille der Stadt als Sachaufwandsträger, den Schulstandort Seßlach zu erhalten", so der Wortlaut, "deshalb sollen dort weiterhin Klassen beschult werden." Neben dem Motto "Kurze Beine - kurze Wege" führte Fraktionsvorsitzender Carsten Höllein das Konzept "Kita und Grundschule unter einem Dach" an. "Warum sollen wir dieses Kapital für die Bildung unserer Kinder ohne Not opfern?", so die Schlussfolgerung.
Gerade mit Blick auf den "Aderlass an Infrastruktur" nach der Schließung von Hausarztpraxis und Bankfiliale befürchtete der Stadtrat einen weiteren Attraktivitätsverlust seines Heimatortes.


"Aus organisatorischen Gründen"

Am politischen Willen aller Fraktionen gebe es keinen Zweifel, doch könne man den nicht beschließen, meinte Bürgermeister Martin Mittag (CSU). "Der Schulstandort war noch nicht vakant und sollte nie geschlossen werden", stellte er klar. Das versicherte auch Schulleiter Wolfgang Hoydem. Der Standort solle nur "aus organisatorischen Gründen" ein Jahr nicht genutzt werden. "Das heißt nicht, dass das Schulhaus für immer zu ist."

Ausführlich erläuterte der 44-Jährige die Umstände: "Wenn wir nicht mindestens 76 Schüler haben, bekommen wir nur drei Klassen." Hoydem warb besonders für die geplanten Kombiklassen: Es handele sich keineswegs um "Versuchslabore", wehrte er sich gegen eine Bemerkung Hölleins. Um sich besser austauschen und absprechen zu können, sollen die Klassen an einem Standort sein, erteilte der Schulleiter der Nachfrage von Gudrun Jöchner (FW), ob nicht eine Kombiklasse in Gemünda stattfinden könne, eine klare Absage. Für 2017/18 zeichneten sich drei Kombiklassen ab, von denen dann eine nach Gemünda kommen werde, bestätigte auch Schulamtsdirektor Werner Löffler.

Während sich Hoydem enttäuscht über Ablauf und Art der harten Auseinandersetzung zeigte, kritisierte Höllein scharf die Kommunikationspolitik von Schule und Schulamt. 14 Tage seien zu kurz, dazu hätten die Kinder erst am Montag erfahren, in welche Klasse sie kommen. "Da müssen Sie sich nicht wundern, dass es jetzt Ärger gibt", meinte Höllein. Die Kommunikation zwischen Schule und Stadt werde sich verbessern, versprach Mittag. Löffler schlug ein gemeinsames Konzept für 2017/18 vor.

Nach langem Hin und Her einigte sich der Stadtrat bei zwei Gegenstimmen (Berthold Borczyk, FW; Georg Ruppert, CSU) darauf, den politischen Willen wie im SPD-Antrag vorgeschlagen festzuschreiben, auch als "Signal an das Schulamt", wie es Wolfgang Brasch (SPD) ausdrückte. Ruppert wollte sein Nein ausdrücklich "nicht als Votum gegen den Standort Gemünda" verstanden wissen.


Mehr Glasfaser

Zuvor hatte der Stadtrat die zweite Stufe des Breitbandförderungsprogramms auf den Weg gebracht. Laut Siegbert Reuther (Reuther Net Consulting) sind noch 107 Hausanschlüsse förderfähig, davon 63 in Dietersdorf und 17 in Gemünda, ferner unter anderem die Freizeitanlage und der Sportplatz in Autenhausen. Werde das weitere Gebiet wie im Plan vorgesehen erschlossen, läge der zehnprozentige Eigenanteil der Stadt bei 53.000 Euro. Bis Ende 2017 könnte diese Maßnahme umgesetzt sein. Danach habe Seßlach eine "super Versorgung", prophezeite Reuther. Baubeginn der Phase 1 soll laut Mittag im August sein. Schon bis Ende 2016 werde sich die Versorgung vielerorts "spürbar verbessert" haben, sagte der Bürgermeister.

Erfreuliches berichtete Kämmerer Hans Vogt vom laufenden Haushalt: Mehreinnahmen in Höhe von 200.000 Euro, die vor allem höheren Gewerbesteuereinkünften zu verdanken seien, könnten die Zuführung zum Vermögenshaushalt von 1,1 auf 1,3 Millionen Euro erhöhen. "So einen stolzen Betrag habe ich in 38 Jahren noch nicht erlebt", sagte Vogt. Würden alle Ansätze eingehalten, könnte ein Überschuss von 227.000 Euro im Vermögenshaushalt für weitere Investitionen zur Verfügung stehen. Die ohne Gegenstimme abgesegnete Jahresrechnung 2015 weist mit 7.127.215,83 Euro im Verwaltungshaushalt und 3.103.403,38 Euro im Vermögenshaushalt ein Gesamthaushaltsvolumen von 10.230.619,21 Euro aus.

Ohne Gegenstimme befürwortete das Gremium den Antrag des Pörtnerhofs, die Fläche von 28 Quadratmetern vor dem "Kleinen Pörtner" auf dem Maximiliansplatz ganzjährig nutzen zu dürfen. Mittag freute sich über die gut gehende Gastronomie in Seßlach. Sein Kommentar: "Andere Kommunen schauen neidisch auf uns."

Keine Einwände erhoben sich gegen die von Dirk Waltes beantragte Errichtung eines größeren Gartenhauses in Gemünda sowie gegen die von der Stadt geplante Dachsanierung des Seßlacher Feuerwehrhauses. Wie der Bürgermeister mitteilte, wurden zwischenzeitlich die Steinplatten der Dachfläche geräumt, damit nach einer statischen Berechnung die Maßnahme in der Ferienzeit umgesetzt werden könne.
Seßlach bekommt zwei WLAN-Hotspots

In der jüngsten Sitzung am Dienstag sprachen sich die Stadträte dafür aus, zwei WLAN-Hotspots einzurichten, vor dem Rathaus und in der Freizeitanlage Autenhausen. Als Betriebskosten fallen rund 1000 Euro im Jahr an; die Errichtung ist über ein Förderprogramm des Freistaates abgedeckt.
"Hörpfade"-Stationen stehen fest

Für das "Hörpfade"-Projekt der VHS wurden die Standorte Stadtpfarrkirche und Brauhaus Seßlach, Dorferneuerung Gemünda, Tongrube Muggenbach, Schloss Heilgersdorf und die Freizeitanlage Autenhausen festgelegt. Die Bestimmung der Standorte erfolgte in der jüngsten Stadtratssitzung.

Den Ausbau der Heiligenquelle in Gemünda wird die Stadt mit 500 Euro unterstützen. Während der Ausbau der Kreisstraße CO 20 noch in diesem Jahr beginnt, werden an der B 303 heuer nur kleine Maßnahmen (zwischen Neundorf und Dietersdorf) durchgeführt. Der Ausbau von Oberelldorf bis Muggenbach (mit einjähriger Vollsperrung) soll dann ab Frühjahr 2017 erfolgen.