Sieben Archivkartons mit Fotos, Dias, Negativen und CDs hat Nicole Köppl an diesem Montagvormittag mit ins Coburger Stadtarchiv gebracht. Das Bildmaterial ist das Vermächtnis des Coburger Fotografen Frank Schulz, der im Mai 2012 nach langer Krankheit gestorben war. Für Nicole Köppl ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, den Nachlass ihres Lebensgefährten dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen. "Frank wäre am 3. Juli 50 geworden, und mir war es wichtig, dass die Sachen vom Dachboden runterkommen und gesichert werden."

Rolf Krebs, der mit Frank Schulz befreundet war, hatte sich schon lange Gedanken gemacht, was wohl mit dem Archiv des Fotografen passieren würde und darüber auch einige Male mit Nicole Köppl gesprochen. "Mir war es ein Anliegen, dass nichts weggeworfen wird. Dass die Fotos ans Stadtarchiv gehen, hätte Frank sicher gern gesehen", sagt Krebs.

Davon ist auch Nicole Köppl überzeugt, denn ihr verstorbener Lebensgefährte sei Coburg sehr verbunden gewesen. Sowohl privat als auch beruflich für die Neue Presse hatte Frank Schulz praktisch alles fotografiert und aufgehoben, was sich zwischen 1991 und 2005 in Coburg abgespielt hatte: Feste, Theaterstücke, bekannte Gesichter, Besuche von Politikern... Dass Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl einst zu Gast in Rödental gewesen sei, habe sie zum Beispiel erst beim Sichten der Fotos erfahren, erzählt Nicole Köppl schmunzelnd. Deshalb sei der Nachlass durchaus von geschichtlichem Wert.

Köppl, die selbst Fotografin in einem Studio in Bad Staffelstein ist, hat die Kartons ihres verstorbenen Lebensgefährten schon einmal grob vor- und auch einiges aussortiert, "denn vieles ist mehrfach vorhanden". Aus den Anfangszeiten stammen Negativstreifen, Bildabzüge und Dias. Später, im Zuge der Digitalisierung, brannte Frank Schulz seine Fotos immer nach drei, vier Tagen auf eine CD und beschriftete sie. Ein guter Teil des Materials liegt aber noch bunt durcheinander in den Kartons. Im Stadtarchiv werde nun seine Mitarbeiterin Nadine Bogner den Inhalt der sieben Kartons sichten, sagt dessen Leiter, Michael Tröbs. Etwa ein Jahr werde sie dafür brauchen, schätzt Nadine Bogner.

Nicole Köppl kannte Frank Schulz seit 2006, dem Jahr, in dem er krank wurde. Der Inhalt der Kartons, "das war sein Leben vor unserer Zeit", sagt sie. Das sei Frank Schulz und sein Coburg. Alles, was er 2006 fotografiert hatte, darunter die Coburger Ereignisse rund um die Fußball-Weltmeisterschaft und das damalige Samba-Festival, habe er allerdings komplett gelöscht, erzählt sie. Das Fotoarchiv ihres Freundes weiterzugeben sei der richtige Weg: "Jetzt sind alle Verhältnisse geklärt und mir geht's wirklich gut mit dieser Entscheidung."