Die Liste der prominenten Gäste, die alljährlich beim Coburger Samba-Festival vorbeischauen, ist inzwischen schon ganz beachtlich. Lang ist aber auch die Liste der Anekdoten und Pannen aus den vergangenen 24 Jahren. Sambaco-Pressesprecher Andi Ebert schüttelt zum Beispiel heute noch den Kopf, wenn er an den Besuch des Entertainers Roberto Blanco im Jahr 2011 denkt.
Der Schlagerkönig war für den Samba-Sonntag, quasi als Knalleffekt zum Abschluss nach dem Umzug, gebucht. Sein Auftritt fand auf der Bühne am Marktplatz statt, deshalb lag es nahe, die Regimentsstube im Rathaus zur Künstlergarderobe umzufunktionieren. Eine halbe Stunde vor Blancos Ankuft wollte Andi Ebert die umgestaltete "Regi" noch einmal inspizieren, doch als er eintrat, traf ihn fast der Schlag. "Es war nichts da", erzählt er lachend. Nur die blanke Regimentsstube, so wie immer eben. Künstlergarderobe? Fehlanzeige!
In Windeseile ließ er sich telefonisch von seinen Kollegen Roberto Blancos Wunschliste vorlesen. "Die war zum Glück nicht lang: etwas zu essen und zu trinken und ein mannshoher Spiegel." Eine Mahlzeit für den Entertainer war schnell beschafft. "Ein Fischbrötchen und dazu Caipirinha." Beim Gedanken an diese Zusammenstellung schüttelt es den Sambaco-Pressesprecher jetzt noch.
Den Spiegel zu organisieren, schien das weitaus größere Problem. Doch eine Kollegin wusste Rat. Ihre Schwester habe so ein Ding und sie wohne nicht weit weg. Also wurden zwei starke Männer losgeschickt, um den Spiegel zu holen. Als "Leihgebühr" wollte die Schwester nur eines: Ein Autogramm von Roberto auf dem Spiegel.
Die Regimentsstube war schließlich fertig und Peter Götz, der eigentlich für die Sambaco-Finanzen zuständig ist, hatte mit einigen Helfern für den Gast sogar noch einmal die Rathaus-Toilette geputzt. Dorthin begab sich Roberto Blanco nach seiner Ankunft tatsächlich auf direktem Wege, wie Andi Ebert und Peter Götz amüsiert erzählen. Dann verspeiste er sein Fischbrötchen samt Caipi und verewigte sich auch noch mit Edding auf dem geliehenen Spiegel. Woran es wohl gelegen hat, dass er die Coburger von der Bühne dann mit "Hallo Cottbus!" begrüßte? An der Betreuung ganz bestimmt nicht.


Goldenes Buch auf Reisen

Blanco war übrigens nicht der einzige, für den die Regimentsstube umfunktioniert wurde: Als sich Giovane Elber ins Goldene Buch eintrug, wurde dort zwei Stunden vorher noch eiligst ein Caipirinha-Stand aufgebaut. "Elber fand ihn super", erinnert sich Peter Götz.
Apropos Goldenes Buch: Für Karl-Theodor zu Guttenberg musste es das Rathaus ausnahmsweise einmal verlassen. Die Sicherheitsleute des damaligen Wirtschaftsministers hatten keinen Rathausbesuch auf dem Programm und wollten auch keinen Umweg über den Marktplatz riskieren. Also kam das Goldene Buch - in einer unauffälligen Plastiktüte - eben zum Minister und nicht umgekehrt.
Mit wertvollen Frachten kennt sich auch Peter Götz bestens aus, der gemeinsam mit seiner Frau Karin von Anfang an dabei ist. In den ersten Jahren wurden die Einnahmen noch in einfachen Blechkassen gesammelt. Abgesehen davon, dass alles von den Cocktailzutaten klebte, wie Karin Götz erzählt, waren die Kassen auch nicht wasserdicht. Um das Geld nicht mehr mit der Hand zählen zu müssen, beschaffte Peter Götz eine Zählmaschine. Ein heftiger Regenguss hatte allerdings das untere Fach einer Kasse unter Wasser gesetzt - unbemerkt von deren Besitzer. Als er das Münzgeld dann direkt in die Maschine schüttete, rauschte ein Schwall Wasser hinterher.
"Wir haben das Ding auseinandergelegt und alles wieder getrocknet", sagt Peter Götz. Das dauerte zwar fast die ganze Nacht, aber die Maschine war ja nur gemietet und musste am anderen Tag wieder unversehrt zurückgegeben werden. Mit vereinten Kräften gelang es tatsächlich, den Zähler wieder zum Laufen zu bringen, erzählt Peter Götz. "Und das Geld war auch gleich noch gewaschen."