Falsche Polizistin ergaunert tausende Euro von Coburger (90)

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In diesem Fall kannst du Anrufe bei der Verbraucherzentrale melden
Bei den Verbraucherzentralen kannst du dich über unseriöse Anrufe beschweren. Dazu müssen die Verbraucherschützer aber einiges über den Vorfall wissen.
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Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Betrügerin gab am Telefon vor, die Nichte des 90-Jährigen habe einen tödlichen Autounfall verursacht. Er übergab der Frau an der Haustür einen fünfstelligen Geldbetrag.

Mit einer dreisten Betrugsmasche hat eine falsche Polizeibeamtin von einem Coburger Senior einen niedrigen fünfstelligen Geldbetrag ergaunert.

Die Betrügerin mit fränkischem Dialekt hat den 90-Jährigen am Donnerstagabend angerufen, sich als Polizeibeamtin ausgegeben und behauptet, seine Nichte habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Um eine Haftstrafe abzuwenden, müsse der Mann nun mehrere tausend Euro Kaution bezahlen.

Die falsche Polizeibeamtin vereinbarte mit dem Senior, das Geld bei ihm zuhause in der Hohen Straße abzuholen, was sie auch zwischen 21 und 22 Uhr tat. Der Rentner übergab der Frau das geld und sie verschwand.

Erst anschließend hielt der Geprellte Rücksprache mit seiner Familie und erfuhr, dass die Geschichte mit dem Autounfall gelogen war. Die Kriminalpolizei Coburg hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen, die am Donnerstagabend im Bereich der Hohen Straße verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 09561/6450 zu melden.

Die Geldabholerin wird als klein und zierlich beschrieben. Ihr Alter wird auf Ende 30 geschätzt. Sie war bekleidet mit einem grauen, halblangen Mantel und einem Schal und sprach fränkisch.

Die Masche, bei der sich Betrüger als Polizeibeamte ausgeben und Senioren am Telefon einen familiären Notfall vorgaukeln, ist ein bundesweites Phänomen, dass leider auch in Oberfranken immer wieder funktioniert. Im Fall des 90-jährigen Coburgers hielt die Betrügerin den Mann etwa zwei Stunden lang in der Leitung. "Sie klappern telefonisch massenhaft Senioren ab, bis es bei einem klappt", berichtet Julia Fug vom Polizeipräsidium Oberfranken auf Nachfrage unserer Zeitung. Indem sie einen familiären Notfall vortäuschen, lösen sie bei den betagten Bürgern emotionalen Stress aus, bauen Druck auf und schlagen daraus Profit.

"Wenn man erst einmal in so einem Anruf gefangen ist, ist es für die Senioren sehr schwer, sich daraus zu befreien", weiß die echte Polizeibeamtin. Prävention sei darum das A und O. Wichtig sei, dass Familienmitglieder ihre älteren Angehörigen auf die Betrugsmasche hinweisen. In einigen Fällen konnten auch aufmerksame Bankmitarbeiter den Betrug vereiteln, als Senioren plötzlich einen großen Geldbetrag abheben wollten.

Die Polizei rät Senioren: Sollte jemand bei ihnen anrufen, der sich als Polizist ausgibt, sich nicht schocken und in ein Gespräch verwickeln lassen, das Telefonat unbedingt beenden und unter der allgemeinen Notrufnummer 110 zurückrufen.