Seit 28 Jahren erinnern die CSU aus Neustadt und die Sonneberger CDU mit einem Fackelzug zur "Gebrannten Brücke" an die deutsche Wiedervereinigung. Auch in diesem Jahr nahmen bei nasskaltem Wetter etwa 60 Menschen an der von der Jungen Union organisierten Gedenkfeier teil.

Bereits gegen 17 Uhr, eine Stunde früher als sonst, kamen die Delegationen aus Neustadt und Sonneberg zusammen und legten die paar hundert Meter mit ihren Fackeln zurück. Gut eine halbe Stunde später trafen sich die beiden Gruppen an der "Gebrannten Brücke".

Es folgten: Händeschütteln und Gespräche zwischen Franken und Thüringern. Kaum vorstellbar, dass dort vor 28 Jahren einmal eine Grenze mit Stacheldraht verlief. Heute erinnert an diesem historischen Ort nur noch eine Tafel an den "Eisernen Vorhang".

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Von der ehemaligen Grenze aus zog die "vereinigte" Gruppe weiter zur Friedhofskapelle und zum Gemeindehaus nach Hönbach, wo zwei weitere Gedenkfeiern stattfanden. Festredner war in diesem Jahr der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn. Erwähnenswert ist auch, dass mit dem Sonneberger Landrat Hans-Peter Schmitz ein SPD-Politiker am Fackelzug teilnahm.

Harald Hofmann (CSU-Neustadt)

Einer, der den ersten Fackelzug 1991 mitorganisiert hat, ist Harald Hofmann. Der Neustadter erinnert sich heute noch daran, wie er zusammen mit Freunden bereits 1990 die Junge Union in Sonneberg gegründet hat. Damals war er Anfang 20. "Wir haben dann überlegt, wie man an die Wiedervereinigung erinnern kann", erzählt Hofmann. Kurze Zeit später sei dann die Idee mit dem Fackelzug gekommen. Während die sich eine Gruppe in Neustadt trifft, startet die andere Gruppe den Fackelzug in Sonnefeld. Gemeinsamer Treffpunkt ist seitdem an der "Gebrannten Brücke".

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Der Umzug findet jährlich ohne Unterbrechung statt. "Manchmal war es allerdings schon schwierig, da es nicht immer viele Leute waren, die am Fackelzug teilgenommen haben", bedauert Hofmann.

Umso wichtiger sei es jedoch, dass auch noch 28 Jahre danach an die Wiedervereinigung erinnert wird. "Es war ein friedlicher Umsturz und es wurden viele Freundschaften geschlossen", betont er. "Das sollte auf keinen Fall vergessen werden."

Doch auch die negative Seite ist Hofmann immer noch im Gedächtnis. "Man konnte an dieser Stelle nicht rübergehen. Stattdessen war hier die Grenze", vergegenwärtigt er sich die Vergangenheit.

Zeitzeugen berichten von damals

Nicht alle Teilnehmer haben den Mauerfall und die Wiedervereinigung miterlebt. Viele der Mitglieder der Jungen Union sind noch keine 25 Jahre alt. Hofmann sieht darin aber kein Problem. "Wir hatten schon tolle Redner wie Thüringens ersten Ministerpräsidenten Bernhard Vogel", denkt der Neustadter zurück. Doch nicht nur Vogel, sondern auch andere Zeitzeugen könnten den jüngeren Teilnehmern eine Menge erzählen, wie es damals war.

"Wenn ich mitlaufe, habe ich immer wieder Gänsehaut", beschreibt Hofmann. "Auch 28 Jahre danach ist meine Gefühlslage immer noch die selbe wie damals." Daher freue er sich jedes Jahr aufs Neue, am Fackelzug teilzunehmen. So wie dieses Jahr wird Hofmann auch 2019 wieder zur "Gebrannten Brücke" laufen, wenn die Wiedervereinigung sich dann bereits zum 29. Mal jährt.

Maximilian Forkel (Junge Union Coburg)

Maximilian Forkel, Vorsitzender der Jungen Union Coburg-Stadt ist 1994 geboren und hat den Mauerfall und die Wiedervereinigung nicht miterlebt. Dennoch nimmt Forkel am Fackelzug teil, um daran zu erinnern, dass Deutschland einmal ein geteiltes Land war. "Meine Generation kann sich das kaum noch vorstellen", sagt Forkel. Gerade deshalb will die Junge Union mit dem Umzug zeigen, dass solch ein historisches Ereignis nicht in Vergessenheit gerät.

Einen Vorzug der Wiedervereinigung weiß Forkel zu schätzen. Der junge Mann kommt gerade frisch aus Spanien zurück. Für seine Reise benötigt er keinen Pass, er kann sich frei bewegen. Menschen seines Alters kennen es nicht anders. Forkels Mutter hatte diese Vorzüge nicht. Sie stammt aus der ehemaligen DDR. "Ab und zu haben sie schon Besuch bekommen oder konnten auch einmal in den Urlaub fahren, aber eigentlich war der Osten ja eingekesselt", weiß der 24-Jährige aus Erzählungen. Passenderweise zum Ereignis ist Forkels Vater aus dem westlichen Teil Deutschlands. Ob sich die beiden kennengelernt hätten, wäre die Mauer nicht gefallen? Es ist eher unwahrscheinlich.

Forkel beschleiche ein "komisches Gefühl", wenn die beiden Gruppen aufeinander zulaufen und sich an der "Gebrannten Brücke" treffen. "Es ist schon etwas Besonderes", zeigt sich der 24-Jährige beeindruckt. Gerade die Beteiligung der Zeitzeugen, freut Forkel. "Es ist unheimlich spannend, was die Älteren einem erzählen."