Es macht in Coburg keinen Spaß, sich im Alltag mit dem Fahrrad zu bewegen. Denn das Radwegenetz der Stadt ist trotz aller Bemühungen der vergangenen Jahre ein Flickenteppich. Das Thema ist ein Dauerbrenner.

Vom Judenberg in die Innenstadt

Nun gibt es einen neuen Vorschlag: Eine Radfahrer-Brücke über den Nordring (B4) und die Gleise der Bahnstrecke nach Neustadt soll zwischen dem Hildburghäuser Weg (beim Minigolfplatz oberhalb der B4) und der Mohrenstraße errichtet werden. Das schlagen die Macher des Integrierten Innenstadt Konzepts (Isek) und des Berliner Büros Stadtraum ("Gesellschaft für Raumplanung, Städtebau und Verkehrstechnik") als ideale Verbindung vom Judenberg zur Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger vor. Zwischen dem Bahnhof und dem Zentralen Omnibusbahnhof sollte zudem ein Abstiegsbauwerk errichtet werden, das zusätzlich neben einer Wendelrampe auch einen Aufzug hat.

Der Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen befasste sich am Mittwoch mit einem derartigen Bauwerk, nachdem das Büro Stadtraum einen Zwischenbericht über die Aktualisierung des Radwegekonzepts in Coburg abgegeben hatte. Wie und ob Radler in Coburg mehr Platz erhalten, das wird aber erst im Herbst vorgestellt.

Bewertung nie besser als Note 4

Winfried Müller-Brandes und Christina Leber, Mitarbeiter des Städtebaubüros, erinnerten an die Bewertung der Stadt durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Vor vier Jahren erhielt das Fahrradklima in Coburg die Note 4,3 - etwas schlechter als "ausreichend". 2020 hatte sich die Gesamtbewertung auf 4,1 verbessert. Defizite in der Streckenführung, an Kreuzungen und Einmündungen listet der Zwischenbericht zum Radwegekonzept der Stadt auf, den Stadtraum im Auftrag der Stadt für die Aktualisierung des Radwegekonzepts erarbeitet hat.

Das Coburger Radwegenetz hat nach Angaben der Berliner Planer eine Gesamtlänge von 195 Kilometern. Darunter sind Fahrradstraßen (2), Radwege, abmarkierte Radfahrschutzstreifen rechts und links, radfreundliche Verbindungen auf verkehrsarmen Straßen sowie unbefestigte Wege durch Wald und Flur. Die Planer waren drei Tage lang mit dem Fahrrad in Coburg unterwegs. Dabei sind ihnen 65 punktuelle und 76 streckenbezogene Gefahrenstellen und Defizite aufgefallen.

Dicht und geschlossen soll's werden

Der Verkehrsentwicklungsplan für Coburg will ein dichtes und geschlossenes Alltagsnetz für Radler schaffen. Als "Coburger Standard" werden die rechts und links am Straßenrand markierten Schutzstreifen in dem Zwischenbericht bezeichnet. Das war seinerzeit modern, optimal sind die Schutzstreifen nach den Worten von Winfried Müller-Brandes aber nicht.

Erschließungsstraßen mit besonderer Bedeutung sollten als Fahrradstraßen eingerichtet werden, so eine der Forderungen. Das Büro unterscheidet in seiner Bewertung zwischen Raddirektverbindungen, -haupt- und -nebenverbindungen. Auf den Direktverbindungen sind ein zügiges bis hohes Tempo bis etwa 25 km/h, keine oder nur kurze Umwege, eine Asphalt- oder Betondecke sowie ein Räumdienst im Winter gefordert. Solche Wege sollten nur den Radlern vorbehalten sein. Die Radhauptverbindungen könnten auch von Fußgängern genutzt werden und seien ebenfalls befestigt. Idealerweise seien diese Radwege beleuchtet.

Sicher und ökologisch soll das Radnetz werden

"Mit dem fortgeschriebenen Radverkehrskonzept soll das Fahrrad als sicheres und selbstverständliches Verkehrsmittel in der Stadt etabliert werden", hatte Katja Link von der Stadtplanung eingangs gesagt. Bislang dominiere das Auto. Die Ökologie solle einen höheren Stellenwert beim innerstädtischen Verkehr erhalten.