Der erneute Lockdown ab Montag trifft die Coburger Kulturszene mitten in einer Phase der vorübergehenden Erholung. Das gilt für das Landestheater ebenso wie für private Konzertveranstalter, für Museen wie die Kunstsammlungen ebenso wie für den Kunstverein. Denn spätestens seit Herbst hatte das öffentliche Kulturleben wieder eine bemerkenswerte Vielfalt erreicht - mit Konzerten und Premieren wie zuletzt dem umjubelten musikalischen Abend "Globe Songs" im Landestheater.

Immerhin findet die für diesen Freitag geplante Ballett-Premiere statt. Der Titel des Abends ist wie gemacht als Beschreibung der aktuellen Situation: "Social Dis-Dancing". Auch die bis Sonntag geplanten Veranstaltungen finden statt.

Nicht absagen, nur verschieben

"Wir proben weiter", sagt Fritz Frömming als Kaufmännischer Direktor unmissverständlich. Damit soll die Voraussetzung geschaffen werden, nach dem Lockdown "schnellstmöglich wieder handlungsfähig zu sein". Nach Krisengesprächen am Donnerstag ist klar: Das Landestheater will möglich schnell ein neues Proben- und Aufführungsraster erarbeiten. Möglichst alle geplanten Vorstellungen sollen nicht abgesagt, sondern nur verschoben werden.

Das gilt auch für das Weihnachtsstück "Der kleine Lord", dessen für den 14. November geplante Premiere verschoben werden muss. "Das Weihnachtsstück ist uns besonders wichtig", betont Frömming.

"Leider müssen wir die geplanten Aufführungen von Teilen aus Bachs h-Moll-Messe mit dem Coburger Bachchor am 22. November verschieben", sagt Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein als Leiter des Bachchors. Anders als bei der Aufführung von Bachs "Matthäuspassion" am Karfreitag, die komplett abgesagt wurde, soll der Termin für die h-Moll-Messe nur verschoben werden.

"Der Lockdown ist ein Drama, wir sind natürlich enttäuscht, haben die Entwicklung in der letzten Woche aber fast schon befürchtet." Der Bachchor, der in kleiner Besetzung mit rund 20 Stimmen singen wird, habe sich "gut vorbereitet", sagt Stenglein: "Mir tut es aber auch leid um das Orchester. Diese Verschiebung betrifft schon wieder das Main-Barockorchester aus Frankfurt, das schon im Frühjahr von der Absage betroffen war." Für Stenglein lautet deshalb jetzt eine ganz wichtige Frage: "Kommt eine finanzielle Entschädigung für diese freischaffenden Musiker?" Gut die Hälfte der Eintrittskarten für die geplanten beiden Aufführungen sei schon verkauft worden. Diese Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten.

Kunstsammlungen geschlossen

Auch wenn Museen in Deutschland keinesfalls als Infektions-Hotspots in Erscheinung getreten sind, wie der Deutsche Museumsbund vor dem Lockdown-Beschluss erklärt hatte, sind auch die Kunstsammlungen und das Glasmuseum Rosenau von der Schließung betroffen. "Die Schließung ist für uns sehr bedauerlich", sagt Sven Hauschke, Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg: "Gerade in der Ferienwoche haben wir uns viele Besucher versprochen". Hauschke bedauert, dass die Kinderkulturwoche "leider ausfallen" muss. Abgesagt wurden zudem Sonderführungen auf der Veste zum Reformationstag.

"Traurig, traurig, traurig", sagt Wolfgang Friedrich von der Konzertagentur Friedrich zum erneuten Lockdown. "Natürlich musste man in den letzten Tagen damit rechnen, dass wir wieder dran sind", sagt Friedrich. Dabei habe man im Kongresshaus bewiesen, dass Veranstaltungen mit bis zu 200 Besuchern unter Hygieneauflagen machbar sind: "Ich verstehe die Maßnahmen nicht, aber ich respektiere sie." Friedrich ist skeptisch, ob der Lockdown wie verkündet im November enden werde. "Ich glaube nicht daran, dass der Dezember wieder für uns geöffnet wird." Gleichwohl gibt sich Friedrich bei allem Frust auch pragmatisch: "Wir sind schließlich schon Weltmeister im Absagen und Verschieben."

Nach dem Lockdown-Beschluss steht der Kunstverein Coburg vor einer grundlegenden Entscheidung. Ob es möglich sei, die ab 14. November geplante Jahresausstellung zu verschieben, war am Donnerstag noch unklar, räumte Reinhard Heinritz als stellvertretender Vorsitzender des Kunstvereins ein. Denn eigentlich hat der Kunstverein unmittelbar im Anschluss an die Jahresausstellung Renovierungsarbeiten fest eingeplant. Im Vortragssaal soll der arg ramponierte Bodenbelag ausgetauscht werden.

Roland Kluttigs Botschaft

"Wir haben alles getan, dass sich niemand bei uns ansteckt und doch müssen wir schließen", erklärt das von Peggy Hoffmann geführte private Theater am Hexenturm. Alle bereits für Aufführungen im November gekauften Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten. Ein Umtausch in Theatergutscheine sei möglich. Jedoch "ist es uns aufgrund der aktuellen Situation unmöglich, Eintrittsgelder zurück zu erstatten zu erstatten."

"Es bestürzt mich, dass in Deutschland jetzt wieder gar nicht mehr gespielt werden darf, trotz nachgewiesenermaßen funktionierender Hygienekonzepte", schreibt Coburgs früherer Generalmusikdirektor Roland Kluttig in einem Facebook-Eintrag aus Graz, wo er seit Saisonbeginn neuer musikalischer Chef der Oper ist: "Es ist ein trauriger Triumph der Zahlen, im Grunde setzt sich die fatale Entwicklung im Bildungsbereich - ,man kann ja auf Musik, Kunst und Sport verzichten' - hier auf anderer Ebene fort."