Es war wie jedes Jahr ein schönes Spektakel, als am Montag auf dem Coburger Marktplatz der Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Viele Passanten blieben stehen und beobachteten, wie das eingespielte Team aus Grünflächenamt, CEB sowie einem privaten Kranbetrieb die knifflige "Operation" durchführten. Schaulustige gab's zuvor auch schon in der Ketschengasse, durch die der Baum - liegend auf einem Lkw und eskortiert von der Polizei - in "Coburgs gute Stube" gebracht wurde. Das alles suggerierte zumindest ein bisschen Normalität in diesen schwierigen Zeiten.

Der "Coburger Weihnachtsbaum 2020" kommt aus Dörfles-Esbach und kann eine besondere Geschichte vorweisen. 1996 war es, als die Familie Fritsch von Coburg in die Nachbargemeinde zog. "Die Patentante unserer Tochter hat uns zum Einzug eine Tanne geschenkt", erinnert sich Mutter Stephanie Fritsch. Die Tanne befand sich damals in einem Keramiktopf. Dieser Topf steht noch heute auf der Terrasse der Fritschs - doch aus der kleinen Tanne von damals ist, nachdem sie in den Garten gepflanzt wurde, ein stattlicher Baum geworden. So stattlich, dass sich seine Äste mittlerweile auch noch auf zwei Nachbargrundstücke ausbreiten.

Schweren Herzens fiel deshalb irgendwann der Entschluss, die Tanne zu fällen. "Aber einfach Brennholz aus ihr zu machen, das wäre doch schade gewesen", erzählt Stephanie Fritsch. So bot man die Tanne der Stadt Coburg als Weihnachtsbaum an.

Das Urteil vom Fachmann war positiv. "Die Tanne hat eine schöne Form", erklärt Stephan Just vom Grünflächenamt. Wichtig sei vor allem die gleichmäßige, geschlossene Krone. "Die Tanne muss ja wirken - schließlich steht sie frei." So frei, wie kein Weihnachtsbaum zuvor auf dem Coburger Marktplatz - weil es ja heuer keinen Weihnachtsmarkt gibt.

Apropos: Vor allem in den sozialen Medien wurde am Montag munter diskutiert. Unter anderem Isolde S. warf eine Frage auf: "Es gibt doch in diesem Jahr gar keinen Weihnachtsmarkt - für was dann so einen Baum aufstellen?" Sabine L. pflichtete ihr bei: "Hätten sie sich sparen können." Denn: "Was für einen Anlass gäbe es unter den gegebenen Umständen, in die Stadt zu gehen?"

"Coburg strahlt" am 27. & 28. November

Citymanagerin Andrea Kerby-Schindler sieht das anders. "Es ist doch trotzdem Weihnachten", sagt sie im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt. Wenn es dieses Jahr schon keinen Weihnachtsmarkt geben könne, dann sollte dennoch "ein bisschen weihnachtliche Atmosphäre" herrschen. Die Citymanagerin hofft, dass die Menschen sehr wohl - unter den gegebenen Abstands- und Hygieneregeln - in die Innenstadt kommen, um dort ihre Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Klar, der Einzelhandel braucht jegliche Unterstützung; von Seiten der Stadt wird er sie unter anderem in Form einer Aktion mit dem Titel "Coburg strahlt" geben. Was genau sich dahinter verbirgt, möchte Andrea Kerby-Schindler noch nicht verraten. Lediglich den Termin gibt sie schon einmal preis: Freitag und Samstag, 27. und 28. November; an diesen Tagen wäre normalerweise der Weihnachtsmarkt eröffnet worden und hätte die "Winterzaubernacht" mit Late-Night-Shopping stattgefunden. Aber: Das wurde alles wegen Corona abgesagt.

Umso mehr - und damit zurück zur Diskussion - freuen sich viele über den Baum, der sozusagen ein "Ja, trotzdem"-Baum ist. "Endlich mal etwas Normalität", freut sich Jule F. Der Baum, so schreibt sie, "gibt uns die Hoffnung auf eine Normalität für die Zukunft." Auch Gaby S. findet es "super": "Etwas Traditionelles in diesem ganzen Chaos!"