Zwei junge Leute sitzen entspannt auf einer Bank im gläsernen Wartehäuschen an der Bushaltestelle, sie plaudern miteinander. Plötzlich fährt ein blaues Fahrzeug des Technischen Hilfswerks (THW) vorbei. Der junge Mann erklärt nun anhand seines Tablets die Arbeit des THW. Die Szene wiederholt sich mit der Polizei, der Feuerwehr und dem ASB. Zwei Kameramänner fangen die Situation in der Coburger Straße in ein. Die Fahrbahn ist am Samstag von morgens bis in die Abendstunden hinein gesperrt. Der Verkehr wird umgeleitet, denn die Straße ist Drehort für einen Imagefilm, der die Hilfsorganisationen in Coburg Stadt und Land vorstellen soll.
Kreisbrandrat Manfred Lorenz wirkt an dem Nachmittag völlig entspannt, obwohl er mit einem solchen Filmprojekt, wie er zugibt, Neuland betritt. Neben dem Chef der Landkreisfeuerwehr steht an der Kamera Julian Barthel.
Der 18-Jährige kam im vergangenen Jahr im Rahmen seines Bundesfreiwilligenjahres ins Coburger Landratsamt, wo er dem Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz und somit Manfred Lorenz zugeteilt wurde. Im ersten Moment, sagt Lorenz, habe er nicht gewusst, wie er den "Bufdi" sinnvoll beschäftigen könne. "Ich wollte nicht, dass er nur Akten hin- und herschleppt." Beim Durchlesen der Bewerbungsunterlagen fiel dem Kreisbrandrat aber auf, dass Julian gerne filmt und am Gymnasium Alexandrium beim Schulfernsehen mitgewirkt hat.
Im Rahmen des Moroprojektes, überlegte Lorenz, könnte doch für die Hilfsorganisationen geworben werden. Damit war die Idee für den Imagefilm, der unter der Federführung des Landratsamtes entsteht, geboren. Das Drehbuch haben Manfred Lorenz und Julian Bartel gemeinsam geschrieben.

Monatelange Materialsammlung

Das Material für den endgültigen Film hat Julian über Monate gesammelt, hat bei der Polizei im Hof gedreht, bei der Bundeswehr oder auch bei der Integrierten Rettungsleitstelle. Auch Fremdmaterial, beispielsweise von der Bundeswehr, soll in den Streifen eingespielt werden.
Am Samstag wird die Rahmenhandlung des 30-minütigen Imagefilms gedreht. Etwa 30 bis 40 Leute spielen mit. Die Hauptdarsteller sind Niklas Löhlein und Michelle Philippen, die auf der Bank im Bushäuschen sitzen. Auf die Frage, wie sie zu den Hauptrollen kommen, sagt Niklas lachend: "Manfred Lorenz ist mein Stiefvater." Und weil Michelle Niklas' Freundin ist, waren die beiden Rollen schnell besetzt.
Manfred Lorenz erzählt derweil, weshalb ausgerechnet in Seßlach gedreht wird. "Es sollte auf jeden Fall eine Bushaltestelle mit Glashäuschen sein", berichtet er. Die Haltestelle in der Coburger Straße sei dafür prädestiniert, denn Schule und Feuerwehrhaus befinden sich in der Nähe. "Außerdem war es möglich, die Kreisstraße auf dem kurzen Dienstweg zu sperren", erläutert Manfred Lorenz. Am Samstag ist auch Burkhard Graf, der als freier Mitarbeiter beim Sender Nec-TV beschäftigt ist, mit am Set. Nec-TV, das am Neustadter Arnoldgymnasium angesiedelt ist, unterstützt das Projekt und liefert professionelles Know-how. In Neustadt wird der Film zusammengeschnitten, mit Musik unterlegt, und eine Sprecherin, deren Namen Lorenz nicht verraten möchte, wird moderieren.
Der fertige Film soll über eine halbe Stunde die ehrenamtlich tätigen Hilfsorganisationen vorstellen. Das ist eine Herausforderung, denn die Zielgruppe sind Jugendliche: 12- bis 13-Jährige sind ein anspruchsvolles Klientel. Es gilt also nicht nur, blanke Informationen zu vermitteln, sondern einen lebendigen Film zu drehen, der das Interesse bei den Jugendlichen weckt.

Einsatz an Schulen

In der Schule soll der Film nach den Worten von Manfred Lorenz als Lehrmaterial eingesetzt werden, aber nicht nur das. Der Kreisbrandrat kann sich auch vorstellen, ihn einem breiten Publikum zu präsentieren. Inhaltlich soll das gesamte Spektrum der Organisationen den Bürgern nahegebracht werden. Dazu zählen die Feuerwehr, das THW, der ASB und das BRK, und die psychosoziale Notfallversorgung.
Als Ziel nennt Lorenz Nachwuchswerbung. Außerdem soll das Verständnis für die Belange der ehrenamtlichen Helfer geweckt werden. Julian Barthel ist begeistert: "Das macht Spaß, ich habe Glück, so eine Stelle bekommen zu haben. " Apropos: Julian möchte sein Hobby später zum Beruf im Medienbereich machen. Der Film feiert am 30. Juni im Kino Utopolis Premiere.