Coburg
Interview

Einbahn- Regel schützt Kunstgenuss auf der Veste Coburg

Wie die Kunstsammlungen den Neustart auf der Veste Coburg mit deutlich steigenden Besucherzahlen seit Juni erlebt haben.
Strikte Regeln gelten beim Besuch der Kunstsammlungen. Dazu gehört auch eine konsequent umgesetzte Einbahn-Regelung wie hier in der Altdeutschen Sammlung.Foto: Jochen Berger
Strikte Regeln gelten beim Besuch der Kunstsammlungen. Dazu gehört auch eine konsequent umgesetzte Einbahn-Regelung wie hier in der Altdeutschen Sammlung.Foto: Jochen Berger
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Seit knapp drei Monaten sind die Kunstsammlungen auf der Veste und das Glasmuseum in der Rosenau wieder für das Publikum geöffnet. Wie sich die aktuellen Corona-Regelungen auf den Publikumszuspruch auswirken, verrät Sven Hauschke, Direktor der Kunstsammlungen, im Gespräch.

Wie ist die Resonanz beim Publikum seit der Wiedereröffnung der Kunstsammlungen und des Glasmuseums am 4. Juni?

Sven Hauschke: Wir merken, dass viele Besucher dankbar waren, nach langer Pause wieder ins Museum gehen zu können. Die allermeisten Besucher sind sehr achtsam, nehmen sich Zeit und scheinen schon vor ihrem Besuch entschleunigt zu sein.

Wie haben sich die Besucherzahlen auf der Veste entwickelt seit der Wiedereröffnung ?

Die Besucherzahlen auf der Veste waren im Juni im Verhältnis zu den vergangenen Jahren sehr niedrig (1655 zahlende Besucher). Das lag sicher an der allgemein zu beobachtenden Zurückhaltung nach dem langen Lockdown, die wir auch 2020 in den ersten zwei Wochen nach der Schließung der Museen beobachten konnten. Auch war das Wetter mit hohen Temperaturen im Juni für unsere Belange nicht förderlich. Im Juli stiegen die Zahlen deutlich an (4501) und lagen über dem Niveau von 2020. Der August bot dann noch einmal eine deutliche Steigerung (7519). Die Besucherzahlen sind höher als in den letzten drei Jahren, was umso beachtlicher ist, da kaum ausländische Touristen kommen und auch größere Gruppen ausbleiben. Wir freuen uns, dass auch unsere Sonderausstellungen auf große Nachfrage stoßen.

Wie haben sich die Besucherzahlen im Glasmuseum entwickelt seit Wiedereröffnung?

Die Besucherentwicklung im Europäischen Museum für Modernes Glas entspricht prinzipiell derjenigen auf der Veste. Einem schwachen Juni folgte ein guter Juli und im August können wir mehr Besucher zählen als im letzten Jahr.

Wie waren bislang bei den Besuchern die Reaktionen auf die Corona-Regeln beim Ausstellungsbesuch, die teilweise von den Regeln der benachbarten Bundesländer abweichen?

Die überwältigende Mehrheit der Besucher akzeptiert die Maßnahmen und setzt die Regelungen ganz selbstverständlich um. Vereinzelt monieren aber Besucher, dass in anderen Bundesländern keine FFP2-Masken getragen werden müssen wie bislang in Bayern. Hier zeigt sich, dass das Masken-Thema nach wie vor problematisch ist.

Was bedeuten die Corona-Auflagen für das Aufsichtspersonal ganz konkret?

Für unsere Mitarbeiter ist die Belastung in den Museumsräumen sehr hoch. Sie müssen selber Masken tragen und darauf achten, dass die Besucher die Regeln befolgen. Zudem ist der Aufklärungsbedarf bei den Besuchern trotz Informationen am Eingang und auf der Homepage immer noch relativ hoch. Dennoch gibt es grundsätzlich einen völlig reibungslosen und störungsfreien Museumsbesuch, was dem hohen Einsatz meiner Kolleginnen und Kollegen zu verdanken ist.

Inwiefern könnten die Corona-Auflagen dazu führen, dass künftige Ausstellungskonzepte grundsätzlich überdacht werden müssen?

Wir halten weiterhin an unseren bestehenden Konzepten für Sonderausstellungen fest. Im letzten Jahr und auch in diesem Jahr konnten wir alle Ausstellungen sowohl inhaltlich als auch zeitlich genauso durchführen, wie wir es ursprünglich geplant hatten. Ich bin der festen Meinung, dass ein Museum von seinen Originalen lebt. Dieses authentische Erlebnis wollen wir weiterhin bieten und eine direkte Auseinandersetzung mit dem Objekt ermöglichen.

Beim Thema Veranstaltungen in Innenräumen spielt das Stichwort Lüftung eine wichtige Rolle. Wie sieht es damit in den historischen Räumlichkeiten der Veste aus, wo - mit Blick auf die Exponate - möglichst gleichbleibende Bedingungen wichtig sind?

Bei der Aufstellung unseres umfangreichen Hygienekonzeptes wurde auch das Thema Lüften diskutiert und neu durchdacht. Historische Objekte und Kunstwerke bedürfen besonderer Pflege und konservatorischer Rahmenbedingungen. Wir haben unsere Lüftungsintervalle entsprechend erhöht, dafür aber die Lüftungsdauer reduziert. Im Eingangsbereich haben wir zudem einen leistungsstarken Raumlüfter aufgestellt, der insbesondere an dem Ort die Luft filtert, an dem zeitgleich vermutlich die meisten Besucher zusammenkommen. Aber aufgrund der Corona-Verordnungen sind Veranstaltungen im Innenraum mit größerem Publikumsanteil kaum möglich. So konnten wir dieses Jahr keine Ausstellungseröffnungen durchführen. Damit fiel ein wichtiger Kontakt zum Publikum, insbesondere zu unseren Stammgästen weg, was sehr enttäuschend war.

Was bedeutet die Ungewissheit der Situation für Ihre Planungen?

Bei den Planungen muss man weiterhin sehr flexibel sein. So muss es immer einen Plan B und C geben. Das hat aber bisher sehr gut geklappt. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere nächste Ausstellung im Studio, die ab 11. September zu sehen sein wird, planmäßig eröffnen können.

Bewerbungsschluss für den 5. Coburger Glaspreis war der 31. Juli. 2014 waren letztlich 150 Künstler aus 34 Ländern zu sehen, die aus 540 Bewerbern ausgewählt wurden. Wie ist die Resonanz für 2022? Entspricht die Zahl der Bewerbungen Ihren Erwartungen?

Die Resonanz auf unsere Ausschreibung zum Coburger Glaspreis 2022 war sehr groß. Es haben sich knapp 400 Künstler mit 700 Kunstwerken beworben. Damit bin ich überaus zufrieden, da deutlich weniger Künstler am Markt agieren, als vor acht Jahren. Ich hatte mit 300 bis 500 Bewerbern gerechnet und nun liegt die Zahl genau in der Mitte. Die eingereichten Arbeiten lassen eine spannende, inhaltlich vielschichtige und künstlerische sehr anspruchsvolle Ausstellung erwarten.

Kunstsammlungen der Veste Coburg

Aktuelle Ausstellungen Lucas Cranach - Kunst im Dienstes des Hofes (bis 12. September); Glass-Works (bis 12. September); Interim-Präsentation in der Altdeutschen Sammlung (bis 12. September)

Kommende Ausstellung Kurios und kostbar - Kunststücke aus der herzoglichen Gewehrkammer (11. September bis 24. April 2022 / Studio)

Öffnungszeiten Bis 7. November täglich 9.30 bis 17 Uhr; ab 9. November Dienstag bis Sonntag 13 bis 16 Uhr, montags geschlossen.

Corona-Regeln Besucher müssen sich am Eingang registrieren. Dazu können sie ein Formular ausfüllen oder die Luca-App oder die Corona-App verwenden. In allen Innenräumen müssen Besucher ab 6 Jahren eine medizinische Gesichtsmaske tragen. Laut der aktuellen Infektionsschutzverordnung gilt vom 2. September an das 3G-Prinzip ab einem Inzidenzwert von über 35. Demnach können nur Geimpfte, Genesene oder Getestete unsere Museen besuchen. Ausnahmen hiervon gelten für Kinder bis 6 Jahren sowie Schüler, die einen Schülerausweis oder Schulnachweis vorlegen können.