Vor fünf Jahren war Gertrud-Luise Lakemann zum ersten Mal in Kakindu, einem ländlich gelegenem Ort im Westen Ugandas. "Die Schule dort bestand aus Holz-Stelzen und einem Wellblechdach. Sie sah aus, wie ein schlechter Viehunterstand in Deutschland", erinnert sich die heute 23-Jährige, deren Eltern in Neustadt leben. Lakemann leistete damals ihren Jugendfreiwilligendienst als Assistenz an einer Schule in der Nähe der Hauptstadt Kampala, wo Daniel Sebugwawo als Sozialarbeiter arbeitete. "Daniels Großeltern lebten früher in dem Dorf. Er erzählte mir, dass er hier eine Schule bauen will."

Zum Zeitpunkt des Besuchs in Kakindu war Lakemann erst vier Wochen in Uganda. "Ich hatte bisher nur die Hauptstadt kennengelernt. Wasser für die Menschen dort gab es nur in einem Schlammtümpel. Auf dem Rückweg war ich geschockt und emotional ergriffen." Sie beschloss Sebugwawo in seinem Vorhaben zu unterstützen. Für den Bau der Schule, für den die Suubi Community Development Organisation verantwortlich ist, waren 5000 Euro notwendig. Sebugwawo, der als Waisenkind auf der Straße lebte, ist der Leiter. Kurzerhand nahm sie ihren Jahresurlaub, flog nach Deutschland und startete eine Spendentour. "Ich hielt unter anderem Vorträge in Schulen und stellte unser Projekt bei Zeitungen und im Radio vor", sagt Lakemann.

Gründung eines Vereins

Das Geld kam schnell zusammen, nur zwei Monate später, im Februar 2017, wurde das erste Schulgebäude eingeweiht. "Das Gebäude ist einstöckig und hat vier Klassenzimmer, in denen 350 Kinder unterrichtet werden können", sagt Lakemann. Seit Projektbeginn sei klar gewesen, dass ein zweites Gebäude benötigt werde. "Mit 31 000 Euro ist das zweite Gebäude wesentlich kostenintensiver. Im Erdgeschoss sollen bis zu sechs Klassenräume entstehen, im Obergeschoss soll es auch Räume für die Fächer Kunst und Musik geben, die der ugandische Lehrplan überhaupt nicht vorsieht."

Das Fundament und das Erdgeschoss des zweiten Schulgebäudes in Kakindu sind bereits fertig. "Ein Teil des Gebäudes soll mit einer Crowdfunding-Aktion finanziert werden. Unser Ziel ist es, 8000 Euro zu sammeln. Davon soll ein Großteil der zweiten Etage finanziert werden", beschreibt Lakemann das Ziel einer aktuellen Spendenkampagne, die über den gemeinnützigen Verein Balilwana organisiert wird.

Balilwana wurde im Dezember 2018 gegründet und setzt sich für Kooperationsprojekte, wie die Suubi Community Development Organisation, ein. Lakemann ist eine der Vorsitzenden. "Wir vermitteln unter anderem Schulpatenschaften für Waisen und Halbweisen", berichtet Lakemann. Für ein Jahr betragen die Schulgebühren 150 Euro pro Kind. In Uganda sind die Schulgebühren die größten Kostenfaktoren für Eltern. "Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda sieben Kinder, weil der Haushalt außerdem sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, arbeiten viele nicht." Seit der Gründung konnte der Verein Balilwana in Kakindu einiges bewegen.

Luxus für die Bewohner

"Wir haben einen Brunnen gebaut, den auch die Bewohner nutzen können, und ein Motorrad gekauft, dass die Kinder während der Corona-Pandemie auch zu Hause unterrichtet werden konnten", zählt Lakemann auf. Auch eine Arztpraxis und ein Mutter-Kind-Heim, ein Sportplatz sowie ein Haus, in dem Schüler, die von weiter weg kommen übernachten können, sind geplant. "Als wir den Verein 2018 gegründet haben, haben wir beschlossen, dass nicht nur die Schulbildung Teil unserer Arbeit sein soll", sagt Lakemann. Der Schulbetrieb finanziert sich durch die Schulgebühren.

Lakemann setzt sich von Deutschland aus für den Verein ein, indem sie administrative und organisatorische Aufgaben übernimmt: "Wenn es möglich ist, möchte ich auf jeden Fall wieder nach Uganda fliegen - für meine Arbeit ist es aber nicht notwendig", sagt Lakemann, für die es eine Herzensangelegenheit ist, sich für die Menschen in Kakindu einzusetzen. "Balilwana steht ins Deutsche übersetzt für Nachbarn - wir wollen uns trotz der Entfernung von 1000 Kilometern vor Ort helfen." Rückblickend war der Bau des ersten Schulgebäudes für sie der Start eines Lebensprojekts.