Man stelle sich das mal vor: Man kommt - warum auch immer - zufällig in dem kleinen Ort Akhalqalaqi vorbei. Der liegt in Georgien, und dort ziemlich abseits. Die Hauptstadt Tiflis ist fern, die Grenze zur Türkei und zu Armenien deutlich näher. Und doch bekommt man ein Gefühl von Vertrautheit: An einem Gebäude weht die schwarz-gelbe Coburg-Fahne, auf einem Grill werden Coburger Bratwürste zubereitet - und in einer Mauer ist ein Coburger Gullydeckel eingelassen. Wie bitte? Also gut, der Reihe nach.

Alles hat damit begonnen, dass ein Metropolit (vergleichbar mit einem Bischof) der georgisch-orthodoxen Kirche den Heiligen Mauritius sehr verehrt. Deshalb stieß er irgendwann einmal darauf, dass es - 3700 Kilometer entfernt - eine Stadt gibt, die den Mauritius in ihrem Wappen trägt: Coburg. Als er dann auch noch erfuhr, dass es in Coburg Gullydeckel gibt, die das Konterfei des Heiligen zieren, stand für ihn fest: So einen will ich hier bei uns haben!


Abtransport mit Trolley

Der Transport war deutlich einfacher als bei dem Coburger Gullydeckel, der mittlerweile einen Ehrenplatz in Namibia hat (Tageblatt vom 17. Juni). Hartmut Liebig von den SÜC erinnert sich: "Nachdem wir im Vorfeld alles geregelt hatten, kam der Metropolit, der Nikolaus heißt, Anfang des Jahres bei uns vorbei, hat den Gullydeckel auf einen Trolley geladen - und ist mit dem Zug wieder zurück nach Georgien fahren."


Museum mit Reliquien

Der Metropolit, so erzählt Hartmut Liebig, betreut neben seiner bischöflichen Tätigkeit auch diverse nationale und internationale Projekte. In einem Projekt gehe es um das Sammeln von Reliquien. In seiner Diözese gründete er sogar ein Museum. Und an der Wand dieses Museumsgebäude wurde jetzt der "Mauritius"-Gullydeckel eingelassen.

Hartmut Liebig war von der Geschichte so fasziniert, dass er später dem Bischof auch noch eine Coburg-Fahne schickte. Daraufhin schickte auch Metropolit Nikolaus etwas: eine Einladung an Hartmut Liebig zur Ausstellungseröffnung und zur Präsentation der neuen "Ikone des Heiligen Mauritius". "Diese Einladung habe ich sehr gerne angenommen", erzählt Hartmut Liebig, "und bin privat nach Akhalqalaqi gereist." Bei der Ausstellungseröffnung gab es dann für die Gäste zwar auch georgische Speisen, aber - passend zum Gullydeckel - auch Bratwürste aus Coburg. So schmeckt Vertrautheit!