Wer sich zu Fuß an den Aufstieg zum Judenberg macht, kann dieses Haus schnell übersehen. "Privat-Kindergarten" steht in großen, längst verwitterten Lettern am Giebel. Schräg darunter weist ein ebenfalls schon verwittertes Schild auf "Ed's Bräustuble" hin samt Entfernungsangabe ("100 mtr.). Gut zwei Jahrhunderte alt ist dieses ehemalige Wirtshaus alt, das eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Den Ursprung bildete ein bereits im Jahr 1808 erwähntes Gartenhaus, das im Jahr 1820 im Auftrag des Bäckermeisters Georg Andreas Fischer vergrößert wurde und anschließend zunächst als Wirtshaus diente. Fischer betrieb in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur ein Wirtshaus, sondern parallel dazu einen Gesellschaftsgarten und einen Biergarten sowie seit 1828 eine Kegelbahn.

In Zeiten des Vormärz wurde es dann politisch. Das Wirtshaus avancierte zum Ort, an dem sich eher liberal eingestellte Bürger trafen. Die Folge ließ nicht lange auf sich warten. Das Wirtshaus wurde zeitweise (September 1832 bis Mai 1833 ) geschlossen und im Jahr der Märzrevolution von 1848 in ein Wohnhaus umgebaut. Damals entstand auch ein hölzerner Anbau, der einen Saal beherbergte.

In den 1920er Jahren folgte ein weiterer Umbau samt Erweiterung. Seit 1924 diente das Gebäude als sogenanntes Logenheim für die Freimaurerloge zur Fränkischen Leuchte, die später als Loge Jean Paul Coburg firmierte. Dieses Kapitel freilich währte nur wenige Jahre.

Luftangriff im August 1940

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor die Freimaurerloge ihre Domizil am Adamiberg - denn Freimaurer waren in der Zeit der NS-Diktatur verboten. Die Folge: Das Gebäude fand eine neue Bestimmung. Seit 1933 diente es als "Privat-Kindergarten", den Frieda Böhm hier eingerichtet hatte.

Die Eröffnung eines privat geführten Kindergartens in jener Zeit ist aus Sicht von Stadtheimatpfleger Christian Boseckert ein bemerkenswerter Vorgang. Denn zu jener Zeit waren die Kindergärten in Coburg Einrichtungen, die auf Stiftungen des Herzogshauses beruhten - Marienschule und Augustenstift. "Dass damals eine einzelne Kindergärtnerin den Mut hatte, ein Haus zu kaufen um einen privaten Kindergarten zu eröffnen, finde ich bemerkenswert", sagt Boseckert. Noch heute werde von diesem einstigen privaten Kindergarten bisweilen als von Böhms Kindergarten gesprochen. Doch wenige Jahre nach der Eröffnung gab es eine Zäsur. Am 17. August wurde das Gebäude bei einem britischen Luftangriff, der eigentlich dem Coburger Bahnhof gegolten hatte, beschädigt.

Später wurden in dem Gebäude Flüchtlinge untergebracht. Gleichzeitig wurde der Biergarten der Gaststätte der Adamistraße 2 a zugeordnet.

Architektonisch zeigt das mehrteilige Gebäude einige interessante Elemente. Dazu zählen die vier dorischen Säulen an dem 1848 errichteten Quergebäude.

Übrigens: Der Name Adamiberg erinnert an den Coburger Tuchmacher Johann Andreas Adami, der ab 1727 jenen Garten samt Gartenhaus errichtete, in dem Jean-Paul bei seinem Coburg-Aufenthalt 1803/1804 dichtete.jb