Alrun und Dieter Huyke aus Schmalkalden in Thüringen sind schon länger Stammgäste auf dem Wohnmobilstellplatz an der Therme im Kurstädtchen Bad Rodach. Die beiden sitzen gemütlich vor ihrem Wohnwagen und genießen in aller Ruhe ihren Kurzurlaub. "Wir brauchen nur eine Stunde Fahrt bis hierher. Es muss also nicht Kroatien sein", sagt Alrun und freut sich auch schon aufs Radeln und aufs Essengehen. Die Gaststätten sind wieder geöffnet, und man hat ja schließlich Urlaub.

Seit Samstag darf der Wohnmobilstellplatz an der Therme in Bad Rodach wieder Gäste begrüßen. Kurdirektorin Stine Michel freut sich und ist guter Dinge. Elf Wochen hatte die Corona-Pandemie wie alle touristischen Einrichtungen stillgelegt. Normalerweise hat der Platz hier ganzjährig geöffnet, über Weihnachten war noch ordentlich Betrieb. "69 Stellplätze gibt es, die stets ganz gut besetzt sind", sagt Michel und erinnert sich noch gut an Pfingsten 2019, als alles rappelvoll war. Die durchschnittliche Jahresauslastung liege bei 28 Wohnmobilen täglich. Die unmittelbare Nachbarschaft der Therme lockt vor allem Kurzurlauber. Allerdings: Die Therme ist noch geschlossen, wann hier gestartet werden kann, ist unklar.

Strenge Vorschriften

Die Sicherheitsregeln seien streng, die Gesundheit der Gäste stehe an erster Stelle, sagt Michel. "Wir haben hier Premiumplätze, bis zu zehn mal zwölf Meter groß, und können die Abstandsregeln gewährleisten. Und die Wohnmobile werden Rücken an Rücken platziert." Noch eine weitere Einschränkung: Der Service-Point mit sanitären Anlagen und Waschräumen ist ebenfalls noch nicht nutzbar. Wer mit seinem Wohnwagen kommt, muss autark leben können, also Toilette und Dusche indoor haben. Die Grauwasserzone mit Abwasser- und Fäkalienentsorgung und Frischwasser kann genutzt werden. "Sobald weitere Lockerungen kommen", sagt Stine Michel, "haben wir Konzepte vorliegen, sprich ein gutes Wegeleitungssystem, Desinfektionsmöglichkeiten und mehr."

Der gesamte Tourismus im Kurstädtchen leidet noch immer, und - davon ist die Kurdirektorin trotz ihres Optimismus überzeugt - werde auch nur schleppend wieder anlaufen können. Zum Glück aber werde am 8. Juni das Waldbad nebst Campingplatz wieder eröffnet.

Die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt, werden auf dem Wohnmobilplatz mit einem guten Service und Freundlichkeit kompensiert. Die Anmeldung ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Platzverwalter Norman Sander und Platzwart Karl-Heinz Blümig sind die guten Seelen, machen möglich, was möglich ist. In der Willkommenstüte für die Gäste gibt es eine Fülle an Wander- und Radwegekarten und jede Menge Infos über die Region. Das Netzwerk der Vereine Coburg-Rennsteig und Initiative Rodachtal zahlt sich aus. Das Wegenetz ist gut ausgebaut und verknüpft und reicht bis nach Thüringen. Im Welcome-Center gibt es überdies auch Bratwürste zur Stärkung - der Grill wird täglich angezündet - und natürlich auch Rodacher Gurken.

Frühmorgens wird ein Brötchenservice geboten. Wenn der Platzwart auf der morgendlichen Runde durchs Camp unterwegs ist, hängt er die bestellten Brötchentüten an die Türen. Die Gäste können einen kleinen Smart ausleihen und entspannt die Region erkunden. Wer die Fahrräder nicht mit an Bord hat, kann sich hier auch welche ausleihen. Derzeit stehen 14 Räder bereit.

Die Huykes aus Schmalkalden haben ihre Räder im Gepäck. Wie auch Marlis und Jürgen Schwericke aus Zossen im Land Brandenburg. Sie waren die ersten, die mit ihrem Wohnmobil in Bad Rodach andockten. Die beiden machen ein paar Tage Halt, übrigens nicht zum ersten Mal, bevor es weiter nach Ulm geht.

Aufwendig, aber notwendig

"Einmal im Jahr sind wir hier und kommen immer gern wieder", sagt Marlis Schwericke und schwärmt von der Natur, der Ruhe, den wunderschönen Radtouren durchs Rodachtal. Eigentlich wollten die Brandenburger schon im Mai drei Wochen Urlaub in Bayern machen, der leider geplatzt ist. Und Spanien wird wohl auch ausfallen. "Bad Rodach statt Barcelona", meint Jürgen Schwericke lachend. "Aber wir haben unser Fünf-Sterne-Hotel ja dabei", fügt seine Frau hinzu.

Dass der Start für die Therme noch in den Sternen steht, macht auch Betriebsleiter René Michel, der seiner Schwester Stine als stellvertretender Kurdirektor zur Seite steht, noch Bauschmerzen. Aber sobald geöffnet werden könne, habe man für jeden Bereich ein eigenes Hygienekonzept vorliegen, aufwendig, aber notwendig.

Die Anfragen für den Wohnmobilstellplatz werden täglich mehr. Das stimmt zuversichtlich. Die Gastronomie hat wieder geöffnet, das Waldbad folgt demnächst, und für die schwierige Anlaufzeit hat die Kurverwaltung spezielle Angebote zum Entdecken des Städtchens erarbeitet - für Gäste und Einheimische gleichermaßen.

Marlis und Jürgen Schwericke indes freuen sich über die Bratwürste, die Norman Sander ihnen als Wegzehrung mitgibt. Und sie schwingen sich auf ihre Räder, während langsam weitere Fahrzeuge in Bad Rodach ankommen.