Den Titel "Schule ohne Rassismus" hat die Staatliche Realschule CO II bereits, jetzt möchte sie als "Fairtrade-Schule" zertifiziert werden. Dazu haben sich die Schüler der Klasse 9 g in den vergangenen Wochen auf den Weg gemacht und eifrig rund um das Thema recherchiert. Denn um das Siegel zu bekommen, müssen viele Kriterien erfüllt werden.
Miriam Stehling, die Deutsch und Erdkunde unterrichtet, hat das Projekt auf den Weg gebracht. Im Dezember des vergangenen Jahres ging es los. Die Schüler haben in wochenlanger Arbeit während ihrer Freizeit nach Schulschluss und am Wochenende umfangreich geforscht, Ideen gesammelt und diese den Lehrern in einer Zwischenpräsentation vorgestellt.
"Wir haben uns zunächst in verschiedene Gruppen aufgeteilt", erzählt Patricia Butterhof.
Die Schüler beleuchteten unterschiedliche Aspekte, Patricia und ihre Gruppe haben beispielsweise den Weltladen in Coburg besucht, Gespräche mit den Inhabern geführt und nach Produkten aus fairem Handel gesucht. Das Bewusstsein, sagt Patricia, habe sich verändert. "Fair gehandelte Waren sind zwar ein bisschen teurer, aber man hat ein besseres Gefühl, wenn man Gutes einkauft."
Luisa Fischer und ihre Gruppe haben das Motto "fair macht sauber" unter die Lupe genommen. "Einige Leute kennen zwar Fairtrade-Kaffee oder Schokolade, aber nicht die Hygieneartikel," erzählt sie. Da gebe es eine reiche Auswahl von Gesichtscreme über Sonnencreme bis hin zu duftenden Seifen. Das Beste: "Die Produkte sind nicht so teuer, wie man vermutet."
Unter dem Titel "fair-standen" recherchierten Sophia Bräutigam und ihr Team. Los ging die Suche zunächst in Coburgs Supermärkten und Cafés nach den Waren, die zu fairen Bedingungen gehandelt werden. Bei den umfangreichen Recherchen im Internet trafen die Schüler auf die Grünen- Stadträtin Martina Benzel-Weyh. Die Fraktion setzt sich im Coburger Stadtrat seit langen dafür ein, dass die Vestestadt eine "Fairtrade Stadt" werde. Klar standen das Stadtratsehepaar Wolf-Rüdiger Weyh und Martina Benzel-Weyh den Schülern Rede und Antwort und lieferten ein großes Informationspaket noch dazu. "Wir haben Fragen zusammengestellt, ein Interview geführt und richtig viel erfahren", berichtet Sophia. Die Schülerin und ihr Team haben sich schließlich auf die fair gehandelte Banane spezialisiert. Sophia erzählt, dass am Schulfest Bananenspießchen verkauft werden sollen. Und nicht nur das: "Wir werden auch ein Kochbuch erstellen."
Jenny Helmprobst hat zum Pressegespräch Kostproben von fair gehandelter Schokolade mitgebracht. Schokolade, Gummibärchen und Säfte aus fairem Handel hat Jennys Gruppe bereits verkosten lassen, ein Schokoriegel soll dauerhaft im Automaten zum Verkauf angeboten werden. Über die Aktivitäten sind kleine Filmbeiträge entstanden. Die Weihnachtsschokoladen, die die Schüler als Freundschaftsgeste an ihre Mitschüler verschenken, waren im vergangenen Jahr "Fairtrade Nikoläuse."
Für die Fünftklässler planen die Schüler bereits eine neue Überraschung zu Ostern. Und dies ist nur eine kleiner Auszug des Engagements der Klasse 9 g, die den sozialen Zweig der Schule besucht.
Klar, dass Rektor Klaus Reisenweber über dieses Engagement nicht schlecht staunte. Reisenweber setzt nach eigenem Bekunden auf regionale Produkte, kauft Apfelsaft von Streuobstwiesen und stellt Honig aus eigener Imkerei her. Das Projekt sei ein Glücksfall mit Breitenwirkung, freute er sich. Der Lehrplan der neunten Klassen sehe ein fächerübergreifendes Projekt vor, in diesem Fall in den Fächern Deutsch, Erdkunde, Sozialwesen und IT. Fairtrade sieht der Schulleiter als etwas sehr Sinnvolles an: "Die Schüler durchbrechen Denkweisen."
Und sie informieren nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer sollen sensibilisiert werden. Deshalb, so Miriam Stehling, solle im März eine Kaffeeverkostung aus fairem Handel angeboten werden. "Auch die Lehrer sollen bewusst mit dem Thema umgehen." Stehling wünscht sich, dass das Projekt ausstrahlt und Nachahmer findet, vom Kindergarten über Grundschule bis hin zu allen weiterführenden Schulen - jede Einrichtung könne mitmachen. Dazu, so Stehling, müssten nur fünf Kriterien erfüllt werden.