Musik aus der Zeit von Friedrich Rückert, verbunden mit einem Spaziergang durch das Leben und Schaffen des am Ende seines Lebens in Coburg ansässigen Poeten brachte eine Matinée mit dem Berliner St. Hedwigs-Organisten Florian Wilkes an der Schuke-Orgel in St. Moriz und seinem Bruder Johannes Wilkes, der mit Worten und Gedichten des Protagonisten durch das Programm führte.


Die Rückert-Zeit erstreckt sich von der Wiener Klassik bis zur Neudeutschen Schule der Romantik. Dem entsprechend standen Werke von Mozart, Beethoven, Mendelssohn und Liszt auf dem Programm, wobei von den beiden ersten Transkriptionen und von den anderen Originalwerke für Orgel erklangen.


Mozart bis Mendelssohn

Als Mozart 1791 starb, war Friedrich Rückert gerade erst drei Jahre alt. In seinem Todesjahr schrieb Mozart seine Freimaurer-Oper "Die Zauberflöte". Auch Rückert schloss sich später diesem Bund an und wurde quasi ein Logenbruder Mozarts. Die Bearbeitung der "Zauberflöten"-Ouvertüre mit ihrer bewegten Fuge stellte für den Organisten eine anspruchsvolle Aufgabe dar, der er sich erfolgreich mit flüssiger Spielweise entledigte.

Als Beethoven 1812 seine 7. Sinfonie komponierte, war Rückert schon 24 Jahre alt. Der 2. Satz mit seinen abwechslungsreichen Variationen eignete sich gut für eine Orgeladaption und wurde von Florian Wilkes klangvoll farbig registriert dargeboten.

Die ganze Mendelssohn-"Epoche" zwischen 1809 und 1847 hat Rückert erlebt, ist also ein "echter" Zeitgenosse dieses Komponisten, dessen Präludium und Fuge G-Dur von 1837 anschließend in sicherer, geschlossener Wiedergabe zu hören war.


Zum Abschluss Liszt

Höhepunkt und Abschluss des Konzerts war das 1855 entstandene gewichtige Präludium und Fuge über B-A-C-H von Franz Liszt, der Rückert um zwanzig Jahre überlebte. Florian Wilkes beeindruckte hier durch eine farbenreiche, hochvirtuose Wiedergabe dieses wirkungsvollen Werkes. Das erfreulich zahlreich zu dieser ungewöhnlichen Mittagsstunde erschienene Publikum spendete dem meisterlichen Organisten und seinem interessant moderierenden Bruder lebhaften, anhaltenden Beifall.