Ist der blöd? Braucht wohl eine in die Fresse? Oder gleich ein paar? - Tschuldigung, aber das ist die Sprache, die Ingo Appelt spricht. Wie kann ein begabter Parodist, der durchaus was in der Birne hat, unsere Gegenwart so treffend analysiert und die bornierte Art der Leute entlarvt, sich im Laufe des Abends so weit absacken lassen, dass er nur noch onaniert, wichst, wie er sagen würde? Nä, nicht im übertragenen Sinn, durchaus um eben dieses Thema herum. Und dann spuckt er auch noch neidisch seine Kollegen an, weil die erfolgreicher sind als er.
Das Coburger Kongresshaus war bei seinem Gastspiel am Freitag zwar gut besucht, bei den anderen ist es aber voll. Und wer zu Ingo Appelt geht, der weiß ja meistens, dass er bei allen treffenden Pointen den vollen Eimer Scheiße abkriegt. Doch auch dem Publikum merkte man in der zweiten Hälfte von Appelts aktuellem Programm allmählich Ekel an.
Dabei kann der aus Essen stammende Comedian, der in 15 jungen Jahren in Würzburg die fränkische Wesensart abgekriegt hat, die Leute so toll karikieren, die fränkischen Bärbeißer, denen die Depression schon in die Sprache gelegt ist, die freundlichen, aber, formulieren wir hier mal vorsichtig, gesellschaftlich-politisch nicht mehr verständlichen Sachsen, die Deutschen insgesamt mit ihrer lächerlichen, weinerlichen Angst vor allem, die dann aber gerne ins Gegenteil verfallen: "Hasst du was, bist du was."
Dabei für alle Phänomene nur noch die Beschreibung "Nazi" zu bemühen, wird ein bisschen eingleisig, bei all seinem sonstigen vielfältigen Geschrei recht einsilbig.
Komisch ist, dass Appelt bei seiner Erziehung der Männer zum willfährigen Dienstleister das maskuline Wesen so zermetzelt, die Frauen aber bei weitem nicht so behandelt, auch wenn die nicht wirklich gut wegkommen. Appelt schämt sich halt arg für seine Artgenossen. Das glaubt man ihm wirklich.


Ingo Appelt, geboren 1967 in Essen, lebte zwischen dem 11. und 26. Lebensjahr in Würzburg. Er lernte Maschinenschlosser. Seit 1993 ist er hauptberuflich Kabarettist. Einem breiteren Publikum wurde er als Gast bei "RTL Samstag Nacht" und im "Quatsch Comedy Club" auf ProSieben vertraut. Bekannt wurde die Parodie des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping (SPD) sowie anderer Prominenter wie Helmut Kohl, Angela Merkel, Til Schweiger oder Herbert Grönemeyer. Appelt gilt als ein Vertreter des schwarzen Humors. Seit 2010 moderiert er die RTL-2-Comedysendung "Fun Club - Comedystars live". Seit 2014 ist Appelt Moderator der BR-Sendung "Kabarett aus Franken".