Als die Gemeinde Itzgrund vor einigen Jahren ihre Hauptschule aufgeben musste, zog in die Räumen der Bodelstadter Schule kurzerhand die Jugendpflege ein. Die Gemeinde und die Jugendpflegerin Tanja Sippel eröffneten den Treff "Villa Kunterbunt". Das Besondere ist ein Kinosaal, der in den ehemaligen Physiksaal einzog. Dort sollten aber nicht nur Kinder und Jugendliche unterhalten werden, sondern die gesamte Gemeinde sollte von dem Angebot profitieren. "Drei bis viermal im Jahr veranstalten wir einen Kinoabend für Jung und Alt", erzählt Tanja Sippel und führt in den Raum.

Gemütlich sieht es im Kinosaal aus. Auf Sofas und Sesseln, die gespendet wurden, dürfen die Besucher Platz nehmen und das Angebot genießen. Heute, 17. November, flimmert um 19.30 Uhr eine heitere Komödie über die Leinwand. "Die Spießer-WG" dreht sich um das Thema junge Alte gegen alte Junge.
Im Anschluss lädt die Jugendpflege zu einer fröhlichen Plauderstunde ein, denn auch das gehört zum Konzept. "Wir wollen die Generationen zusammenbringen", erklärt die Jugendpflegerin. Das Projekt sei in Zusammenarbeit mit der KoJa Coburg, der Jugendpflege Itzgrund und der Diakonie Weitramsdorf/Seßlach entstanden. Die Jugendpflege Itzgrund richtet die Kinoabende aus, backt Kuchen, und die Jugendlichen bewirten die Gäste; Eintritt, Speisen und Getränke sind frei. Wer etwas geben möchte, darf dies gerne tun, ein Spendenkörbchen steht bereit.

Ausgesucht werden immer preisgekrönte und anspruchsvolle Filme, die zur Diskussion anregen. Nach zwei sehr ernsten Themen, die sich um Krankheiten wie Demenz ("Frau Ella") und Krebs ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") drehten, sollte es nun ein heiteres Stück sein.


Fachkräfte schauen mit zu

Die Zuschauer werden bei den anspruchsvollen Themen nicht alleine gelassen, so standen zum Beispiel bei dem Demenzfilm zwei Fachkräfte für Fragen zur Verfügung und beim Thema "Krebserkrankung" waren ebenfalls Fachkräfte, diesmal aus der Palliativmedizin, vor Ort. "Viele Angehörige erzählten ihre Geschichte und das war bewegend", so die Jugendpflegerin. Sie erzählt, dass ihr generationenübergreifende Projekte sehr am Herzen lägen, und sie beobachte, dass Kinder keine Berührungsängste hätten. Beispielsweise treffe sich die Demenzgruppe der Diakonie in den Räumen der Schule zum Kaffeetrinken. "Da entstehen Berührungspunkte zwischen Kindern und Senioren, und ich war erstaunt, wie gut das funktioniert", sagt die Jugendpflegerin. Etwa 20 Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren treffen sich jeden Freitag von 17 bis 22 Uhr in der Villa Kunterbunt, immer dann, wenn kein Verein geöffnet hat. "Die Jugendlichen kommen hauptsächlich zum Quatschen und Chillen und aus allen Schulen von der Mittelschule bis zum Gymnasium. "Wir haben in unserer Gemeinde wirklich eine Insel geschaffen, das Konzept und die Filmidee gehen zu 100 Prozent auf", freut sich Tanja Sippel.