Der "Welt-Basar" von Uwe Rückert im Steinweg 43 ist ein ganz besonderes Geschäft: Da gibt es Whisky und asiatische Lebensmittel, Buddhafiguren gehören ebenso zum Sortiment wie geröstete Insekten, und über dem Regal mit den afrikanischen Gewürzen hängen präparierte Tiere an der Wand. Während des Gesprächs mit dem Tageblatt kommen mehrere Kunden in den Laden. Eine Dame fragt nach Kunsthaar, ein junger Mann möchte Froschschenkel - Uwe Rückert hat auch das alles parat. Und dann trifft auch noch ein großes Paket ein. Der Geschäftsmann, der in diesem Jahr sein 40. Jubiläum feiern kann, freut sich schon: "Da ist thailändische Stinkfrucht drin!" Das Auspacken dauert ein bisschen. "Das muss doppelt und dreifach eingeschweißt werden, weil ansonsten die Passagiere aus dem Flugzeug flüchten würden", erklärt Uwe Rückert und lacht.

Im Gespräch mit dem Tageblatt geht es aber auch über die Zukunft des Steinwegs, einen Ausflug in den Hofgarten, der in den 1970er Jahren eine Panik auslöste, und darüber, wie Uwe Rückert seine thailändische Frau kennengelernt hat.

Hand aufs Herz: Essen Sie lieber ein asiatisches Reisgericht oder eine Coburger Bratwurst?
Uwe Rückert: (lacht) Das ist eine gute Frage! (überlegt) Das ist wirklich eine gute Frage. (überlegt weiter) Also: Ich könnte nicht jeden Tage eine Bratwurst essen - aber ich könnte jeden Tag ein asiatisches Reisgericht essen. Ganz einfach, weil da die Vielfalt größer ist.

Und was ist Ihr Lieblingsgetränk: Jasmintee, Bier oder Whisky?
Zunächst mal: Whisky ist kein Getränk, sondern ein Genussmittel. Und dann würde ich den Tee dem Bier vorziehen.
Aber an sich steht bei mir schon der Whisky an erster Stelle. Jeden Tag, nach dem Abendessen, so ein 2cl-Gläschen, das muss einfach sein!

Wirklich jeden Tag?
Ja, aber als Genuss. Da wird an dem 2cl-Gläschen eine halbe Stunde lang gerochen und geschnüffelt - und ganz langsam getrunken.

Wie würden Sie einem Fremden in nur einem Satz beschreiben, was für einen Laden Sie haben?
Es ist ein bunt gewürfeltes Kaufhaus mit Artikeln, die kein normales Kaufhaus führt.

Sie sind gelernter zoologischer Präparator. Wie kam es dazu?
Ich war als Kind jede freie Minute im Wald. Und ich habe Maulwürfe zerlegt und Rehknochen eingesammelt. Deshalb stand für mich schon immer fest, dass ich irgendetwas mit Natur und Tieren machen möchte. Als Kind wollte ich ja am liebsten Grzimek oder Jacques Cousteau werden - bis ich merkte, dass das gar kein Beruf ist.
Ich habe dann zwei Semester Mikrobiologie studiert. Aber immer nur durchs Mikroskop zu schauen, das war nichts für mich. Mir lag die praktische Arbeit mehr als die Theorie. Und so wurde ich Tierpräparator. Seit einer Erkrankung Ende der 1990er Jahre übe ich diesen Beruf allerdings nicht mehr aus.

Welche Tiere haben Sie am liebsten präpariert?
Vögel, denn das sind meine Lieblingstiere. Ich habe auch zu Hause - unter anderem - Nymphensittiche.

Haben Sie wohl noch weitere Haustiere?
Ja, 60 Schildkröten.

Wie bitte?!
(lacht) Ja, wir haben für sie extra das Flachdach unseres Hauses begrünt.

Klingt ein bisschen verrückt.
Ach, das ist doch gar nichts. Als Jugendlicher habe ich Schlangen gezüchtet. Mit einer vier Meter langen Python bin ich mal im Hofgarten spazieren gegangen - oh, da sind einige Leute panisch geworden! (lacht) Ich habe noch die Polizeimeldung, die damals in der Zeitung stand.

Wie haben Sie eigentlich Ihre Frau Yuppadee kennengelernt, die aus Bangkok stammt?
1993 war ich bei einer Mineralienmesse in München. Danach bin ich ein großes Buchgeschäft und habe mir etliche Bücher ausgesucht: über Tiere, über Koralleninseln, über den Indischen Ozean. Plötzlich stand eine Frau neben mir, deutete auf eines der Bücher und meinte: ,Here i come from!'. So sind wir ins Gespräch gekommen.

Mit Ihrer Frau an Ihrer Seite hat sich ihr Geschäftsfeld erweitert.
Ja, 1995 kam der große Umbruch. Wir hatten festgestellt, dass es in Coburg keinen Laden für asiatische Lebensmittel gibt. Deshalb haben wir beschlossen: Dann machen wir das! Im Gegensatz zu anderen Läden haben wir inzwischen aber nicht nur spezielle thailändische oder spezielle indische Produkte, sondern eben auch Waren aus Brasilien, Mexiko oder Afrika. Ich sage immer: Es gibt fast kein Land, aus dem ich nichts verkaufe!

Und wenn Sie ein mal ein Produkt doch nicht haben, dann können Sie es zumindest beschaffen!
Genau! Ich liebe diese Herausforderung, denn dann kann ich meine weltweiten Kontakte nutzen. Neulich kam jemand ins Geschäft und meinte, dass er etwas sehr Seltenes suche. Da wurde ich schon hellhörig und habe mich gefreut. Aber als er dann sagte, er suche Garam masala (ein indisches Gewürz; Anm. d. Red.), habe ich geantwortet: Ach so - mittleres Regal, dritte Reihe von links.

Seit fast zehn Jahren gehört zum "Welt-Basar" noch ein Imbiss.
Das ist aus den Kochkursen heraus entstanden, die wir 15 Jahre lang bei der Volkshochschule gegeben haben. Wir wollten dann auch bei Straßenfesten hier im Steinweg thailändisches Essen anbieten, doch die Auflagen sahen vor, dass das Essen in einer richtigen Küche zubereitet werden muss. Zunächst haben wir dafür das Restaurant Gerberhof genutzt, irgendwann wurde das Nachbarhaus frei, in dem sich früher schon ein Imbiss und somit auch eine Küche befand. Aus der Idee, einfach nur die Küche zu nutzen, hat sich dann - weil immer mehr Nachfragen kamen - der Imbiss entwickelt.

Es wird ja viel über den Steinweg als Kneipenmeile diskutiert, inklusive aller negativen Begleiterscheinungen. Wie beurteilen Sie die Situation für die Händler?
Natürlich sind die Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Das liegt meiner Meinung nach aber nicht nur am Steinweg. Zu 60 Prozent liegt es an der Lauterer Höhe - die dortigen Einkaufszentren machen die Innenstadt kaputt. Zu 30 Prozent liegt es an der Konkurrenz im Internet, aber nur zu 10 Prozent am Steinweg.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich verkaufe Sachen, die andere nicht haben. Und ich habe die Originalware und damit eine bessere Qualität als Vergleichbares aus dem Supermarkt.

Wenn Sie drei Wünsche für die Zukunft frei hätten, welche wären das?
Erstens Gesundheit, damit ich den Laden noch lange weiter machen kann und vielleicht sogar das 50-jährige Bestehen feiern kann. Es macht mir einfach Spaß! Zweitens, dass die Nachfrage nach exotischen Lebensmitteln bestehen bleibt - und drittens, dass sich mal jemand findet, der den Laden weiterführt.


Was Uwe Rückert mit dem "Whisky-Papst" zu tun hat

Zur Person Uwe Rückert, Jahrgang 1958, ist in Coburg geboren und aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum zoologischen Präparator eröffnete er 1977 das Naturalien-Kabinett im Oberen Bürglaß. Er verkaufte dort Fossilien, Mineralien, Schmuck, Kulturgegenstände und Muscheln. 1994 zog er mit dem Geschäft in den Steinweg um. Seit 1995 gibt es dort auch exotische Lebensmittel aus aller Welt. Über seinen verstorbenen Bruder Peter Rückert, den "Coburger Whisky-Papst", wurde der Laden auch noch zu einem Whisky-Fachhandel, der aktuell 1200 verschiedene Sorten führt. Uwe Rückerts Frau Yuppadee betreibt seit fast zehn Jahren im Nachbarhaus im Steinweg einen Thai-Imbiss.