Wenn es darum geht, den Bereich hinter der Coburger Hauptpost attraktiver zu gestalten, kommt immer wieder die Idee auf, den dort verlaufenden Hahnfluss aus seinem unterirdischen Bett zurück an die Oberfläche zu holen.

Ganz zurückgedreht werden soll das Rad der Zeit freilich doch nicht. Beim Realisierungswettbewerb Lohgraben gewann ein Berliner Planungsbüro mit einem Vorschlag, bei dem im Lohgraben Wasserbeete zumindest einen Hauch von Hahnfluss-Stimmung wieder erlebbar machen sollen.

54 Jahre ist es her, dass die einstige Lebensader der Coburger Gerber- und Weberzunft in Rohre verlegt wurde. Ein Blick ins Tageblatt-Archiv zeigt, wie aufwendig die Bauarbeiten 1967/68 verliefen.

Der Hahnfluss zweigt oberhalb von Cortendorf von der Itz ab. Fast 650 Jahre lang schlängelte er sich in kleinen Bögen an Cortendorf vorbei, Richtung Coburg und weiter zwischen der heutigen Rosenauer Straße und dem Hahnweg bis hinunter zur Judenbrücke. Er speist heute noch den Rittersteich mit Wasser.

Ein paar Meter weiter versorgte er die 1323 erstmals erwähnte Hahnmühle, eine von zahlreichen Mühlen entlang des dreieinhalb Kilometer langen Flusslaufs. Gegenüber der Hahnmühle ging es weiter durch die Schenkgasse, den Lohgraben und die Mühlgasse bis hin zur Judenbrücke, wo der Hahnfluss sich wieder mit der Itz vereint. Die nebenan frei in der Wiese stehende Floßstegbrücke, 1910 von Max Böhme errichtet, erinnert heute noch an den einstigen Verlauf des Hahnflusses.

Im Februar 1967 geht es los mit der Verrohrung. In der Allee werden Planierraupen ins Flussbett gesetzt, um es auszuheben und für das Rohrlager vorzubereiten, wie es im Tageblatt vom 17. Februar heißt. Es wird an sieben Stellen gleichzeitig mit der Verrohrung begonnen. Geplant sind zwei Jahre Bauzeit und Kosten von 2,2 Millionen Mark. Dank der milden Witterung geht es allerdings deutlich zügiger voran.

Mohrenbrücklein musste weg

Immer wieder müssen die Arbeiter dabei knifflige Stellen überwinden, etwa vor dem einstigen Tageblatt-Gebäude an der Ecke Mohren-/Hindenburgstraße (heute Kaufhof). Hier muss direkt vor dem Eingang eine kleine Brücke unter dem Straßenbelag entfernt werden, um den darunter fließenden Hahnfluss verrohren zu können.

Der Grund, aus dem der Hahnfluss unter die Erde verlegt wurde, war, dass er vielerorts von den Bürgern als Müllablageplatz missbraucht wurde. Doch dieses Problem ließ sich auch durch die Verrohrung nicht lösen. Ein Jahr später (Bild rechts unten) sah es mancherorts zum Teil noch schlimmer aus als vor der Baumaßnahme.

Wie es künftig aussehen soll in diesem Bereich, beleuchtet bis zum 28. Januar die Lichtinstallation "Licht im Lohgraben". Begleitet wird sie von zahlreichen Info-Tafeln.

Einen Bericht über das Projekt "Licht im Lohgraben" zum Sanierungsgebiet Steinwegvorstadt sowie zahlreiche Fotos finden Sie hier