Sommer, Sonne, Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius - trotzdem sind die Freibäder geschlossen. Schwimmbecken und Wasserrutschen bleiben in der Saison 2020 verwaist, Liegewiesen leer und Sprungtürme verlassen. Im Jahr der Corona-Pandemie ist dieses Szenario durchaus real. "Wir halten in der Freibadsaison 2020 ein geschlossenes Bad, trotz Erlaubnis zur Wiederöffnung, für ein durchaus denkbares Szenario", sagt SÜC-Geschäftsführer Wilhelm Austen. Die Städtischen Werke betreiben das Coburger Hallen-Freibad "Aquaria". Auch die Verantwortlichen für die Freibäder in Neustadt bei Coburg, in Sonnefeld, für das Waldbad in Bad Rodach und das Rödentaler Hallenbad mit Freifläche sehen die diesjährige Saison als höchst ungesichert an. Denn wie sich mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen die Infektionszahlen und damit auch mögliche Todesfälle entwickeln, vermag niemand vorherzusagen.

Bereits Mitte April hat der Verein European Waterpark Association, nach eigenen Angaben "die Interessenvertretung der europäischen Freizeitbäder, Thermen und Wasserparks", an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder geschrieben und eine Öffnung der öffentlichen Bäder anstelle von Badeseen ins Gespräch gebracht. In den Badeanstalten, so die Argumentation, könnten Abstandsregeln und die Zahl der Gäste im Gegensatz zu Badeseen kontrolliert und reguliert werden. Weiter sei eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus durch das gechlorte und aufbereitete Wasser sehr gering. Zitiert wird eine Stellungnahme des Umweltbundesamtes vom März dieses Jahres, wonach "Filtration und Desinfektion wirksame Verfahren zur Inaktivierung von Bakterien und Viren" seien. Auch im unbehandelten Wasser stufen die Fachleute eine Infektion als gering ein, da sich ein Verdünnungseffekt einstelle. Aber letzte Sicherheit dafür gebe es nicht.

20 Seiten umfassenden "Pandemieplan Bäder"

Ähnlich hat sich die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen in einem Brief an die Bundeskanzlerin und die deutschen Länderchefs positioniert. In einem mehr als 20 Seiten umfassenden "Pandemieplan Bäder" sind Verhaltensregeln ausgearbeitet worden, wie Freibäder aktuell betrieben werden können. Da geht es um die Einhaltung von Abständen, Schutzausrüstung, Desinfektion und Niesetikette. 4,5 Quadratmeter Fläche müsse danach jeder Schwimmer in einem Sportbecken zur Verfügung haben, im Nichtschwimmerbereich fordert die Gesellschaft für Badewesen 2,7 Quadratmeter je Badegast. "Das wären etwa 50 Menschen im Sportbecken oder vier Schwimmer je Bahn", rechnet Aquaria-Betriebsleiter Jörn Kirchner vor. Auch der Schutz der Mitarbeiter, Wegeplanung für Abstandsgebote und viele andere Aspekte mehr umfasst der Pandemieplan.

Technisch sei das in den Becken durchaus zu machen, meint Armin Münzenberger, Leiter der Stadtwerke Neustadt. Aber auch er erachtet den personellen Aufwand als unverhältnismäßig hoch, den geforderten Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern zwischen den Badegästen auf den Liegewiesen zu überwachen. "Solange das Abstandsgebot gilt, kann ich es mir nur sehr schwer vorstellen, dass unser Freibad wieder geöffnet werden kann."

Stefan Markus, geschäftsleitender Beamter in der Gemeindeverwaltung von Sonnefeld, sieht den enormen organisatorischen Aufwand vor dem Freibad. Die Menschen könnten vermutlich in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren und "rennen uns dann die Bude ein". Bei einer Beschränkung der Besucherzahlen sieht Markus die Gefahr, dass sich die Leute vor dem Freibad drängen. "Es ist durchaus möglich, dass wir in diesem Jahr nicht aufsperren." In normalen Jahren ist das Sonnefelder Freibad von Anfang Mai bis Mitte September geöffnet.

Im Mai und Juni, so die Einschätzung von Rödentals Bürgermeister Marco Steiner, werde das Hallenbad mit Freifläche nicht geöffnet sein. "Wir halten uns selbstverständlich an die Vorgaben des Freistaates." Durch die aktuelle Schließung seien die Schwimmvereine, die Wasserwacht, überhaupt die Schwimmausbildung gestoppt.

Es bleibt nichts anderes übrig, als zu warten

"Wir hoffen, zumindest einige Wochen unser Waldbad öffnen zu können", so Michael Fischer. Dem Stadtkämmerer von Bad Rodach bleibt zurzeit auch nichts anderes übrig, als auf Informationen aus der Politik und von den Virologen zu warten. Vorteil des Waldbades sei die Größe des Geländes. "Dort lassen sich Abstände der Menschen zueinander einhalten." Als Ersatz für den in diesem Jahr wohl nicht stattfindenden Sommerurlaub im Ausland sei es wichtig, "wenigstens während der Sommerferien den Betrieb aufnehmen zu können", betont Fischer.

Der Dornröschenschlaf des "Aquaria" kostet etwa 300000 Euro pro Monat

Ob Schwimmbäder in diesem Jahr angesichts der Gefahren durch das hochansteckende Coronavirus wieder öffnen können, muss die Politik entscheiden. Um den sonst üblichen Start der Freibadsaison auch 2020 zu schaffen, müsste das in wenigen Tagen beschlossen werden. Denn zwei Wochen mindestens brauchen die Freibäder an Vorlaufzeit, ehe die ersten Schwimmer ihre Bahnen ziehen können.

In den Bädern des Coburger Landes ist die Technik, auch um Kosten zu sparen, heruntergefahren worden. Das Wasser in den Becken ist nicht geheizt, die Chlorung reduziert. Frostschäden an den Fliesen sind in der Regel in den vergangenen Wochen repariert worden und das alljährliche Großreinemachen in den Hallenbädern wurde vorgezogen. Im Waldbad von Bad Rodach entsteht gerade ein neuer Steg. Diese Arbeit wurde vorgezogen. Gemäht sind Wiesen, Hecken und Büsche wurden geschnitten.

Jahresdefizit von 2,6 bis 2,7 Millionen Euro für 2019

Mit einem öffentlichen Schwimmbad ist in der Regel kein Geld zu verdienen. Mit einem Jahresdefizit von 2,6 bis 2,7 Millionen Euro für 2019 rechnen die SÜC für das Coburger Hallenfreibad. Für das Bad im Dornröschenschlaf schlägt der Unterhalt mit etwa 300000 Euro monatlich zu Buche. Anstatt die Aufsicht zu führen, wechseln die Schwimmmeister des Sonnefelder Freibades in den Bauhof der Gemeinde, andernorts wird Kurzarbeit kommen, wenn Überstunden abgebaut und/oder Urlaub genommen ist.

Die SÜC halten eine Öffnung des Bades für den Schwimmunterricht der Schulen für möglich und vom Aufwand her vertretbar. Auf dem Trockenen blieben die Schwimmvereine. Für sie werde es keine Ausnahme geben, heißt es.

In diesem Jahr wird es keine regionalen und nationalen Schwimm-Meisterschaften geben, das hat Oliver Schuller akzeptiert. Der Leiter und Trainer der Schwimmabteilung der SG Rödental hat seine Sportler von allen Wettkämpfen abgemeldet und setzt auf den Start des Schwimmtrainings im Herbst. In der Zwischenzeit joggen die Schwimmer und halten sich mit Athletiktraining fit.