Ist das eine entzückende Welt. Die Menschen alle so blond und weiß gekleidet und lächeln mit strahlendem Gebiss, die Fensterlädlein ihrer niedlichen Häuslein öffnend und schließend unter dem schützenden Kirchturm und dem Läuten der Glocken. Das ist Max Frischs "Andorra" in der Coburger Reithalle, wie Ausstatter Till Kuhnert sie ausdrucksstark für die in die Seele fahrende Inszenierung von Michael Götz entworfen hat.
Nach der Premiere am Samstag dauert es eine Weile, bis sich Ensemble und Publikum aus dem Bann der Erschütterung gelöst haben. Der Gastregisseur, der bis 2013 Regieassistent hier in Coburg war, hat das wuchtige Lehrstück in eine theatrale Form gebracht, die heute noch immer oder erst Recht wieder tief berührt.