"Wir leben seit 72 Jahren in Frieden", sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer in seiner Rede in der Schlosskapelle Ehrenburg anlässlich des Gedenkens am Volkstrauertag. "Das andere ist, dass es zurzeit auf fünf von sieben Kontinenten bewaffnete Konflikte gibt." Allein im Jahr 2014 seien bis zu 220 000 Menschen direkt an Kampfhandlungen gestorben, das seien so viele gewesen wie in den 26 Jahren zuvor nicht.
Tessmer spann weiter einen Bogen in die jüngere Gegenwart. So seien nach Angaben der Bundeswehr seit 1992 bis ins Jahr 2016 hinein 106 deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr ums Leben gekommen. Krieg und Gewalt seien konstante Größen im Wandel der Zeiten, bedauerte Tessmer. "Der Volkstrauertag ist ein Tag der Trauer, aber er ist auch ein Tag zum Aufmerksam machen - auf die Geschehnisse in der Welt, auf die Situation im eigenen Land, auf die eigene Verantwortung."
OB Tessmer, der auch Coburger Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist, erinnerte an den heiligen Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für einen Mithäftling, einen Familienvater geopfert hatte. "Kolbe hat ein Zeichen dafür gesetzt, dass Hass und Gewalt nicht das letzte Wort haben", sagte Tessmer.
Tessmer wies auch auf die Städtepartnerschaft zwischen Coburg und dem belgischen Oudenaarde hin, eine Städtepartnerschaft über einstige Kriegsfronten hinweg. In Oudenaarde seien Coburger Wehrmachtssoldaten, das 6. Thüringer Infanterieregiment Nr. 95 zur Vorbereitung einer geplanten Landung in Großbritannien stationiert worden. Tessmer: "Dass es heute eine lebendige Partnerschaft zwischen Coburg und Oudenaarde gibt, zeigt, dass Trauer über das Kriegsgeschehen und Freude über die Aussöhnung keine leeren Rituale sind." Krieg sei kein geeignetes Mittel der Konfliktlösung.
Der evangelische Dekan Stefan Kirchberger steuerte Gedanken aus dem vierten Kapitel aus dem Buch des Propheten Micha bei. Micha beschreibt dort seine Vision eines gerechten Friedens. Aus dem zitierten Abschnitt stammt auch das Motto der einstigen DDR-Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen".
Dem Beginn in der Schlosskapelle schlossen sich die Kranzniederlegungen im Kriegerdenkmal der Stadt Coburg im Mittelteil der Schlossplatzarkaden an. Auf dem Glockenbergfriedhof erfolgten Kranzniederlegungen auf dem Jüdischen Friedhof, am Gemeinschaftsgrab der in den letzten Kriegstagen ermordeten Zwangsarbeiter, am Vertriebenenkreuz, am Grab des Widerstandskämpfers Oberst Georg Alexander Hansen und an den Soldatengräbern.
Die musikalische Ausgestaltung der Gedenkfeier übernahmen die Stadtkapelle Coburg unter der Leitung von Harald Höhn und der Posaunenchor St. Moriz unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein.