Maja (3) weiß genau, was sie nicht mag: Erdbeeren zum Beispiel, oder wenn ihre Mama den Sand vom Sandkasten nicht ordentlich schaufelt. Dann wird die Dreijährige richtig motzig. Die kleine Prinzessin hat ihre Familie im Griff. Schwester Emba (9) nimmt es gelassen. Sie hat ihr eine Krone gebastelt. Auf der steht: "Glück kennt keine Behinderung". Das ist auch der gleichnamige Titel der Fotoausstellung, die am Donnerstag in der Geriatrie eröffnet wird. Emba wird bei der Vernissage singen, ihre Mama Lisa Leybold ein paar Worte zur Eröffnung sprechen. Und Maja? Sie wird natürlich dabei sein, schließlich ist sie eine der Protagonistinnen.


Acht Familien aus der Region kamen zum Fotoshooting

Die Frankfurter Fotografin Jenny Klestil war sofort begeistert als sich die Selbsthilfegruppe "Eltern helfen Eltern" aus Coburg im Frühjahr an sie wandte. Über 600 Familien, die mit dem Down-Syndrom leben, hat sie seit 2015 bereits bundesweit porträtiert. Bei dem Fotoshooting im März in Coburg kamen acht Familien aus der Region, die zeigen wollten, wie glücklich sie mit ihren Kindern oder Geschwistern leben.

Die entstandenen Bilder werden zusammen mit etwa 40 ausgewählten Fotos jetzt in Coburg gezeigt. Die Wanderausstellung war bereits in Tübingen, Linz, Lichtenfels und Sonneberg und sorgte für Schlagzeilen in der Bildzeitung, auf Brigitte.de oder in SAT1. "Durch die Ausstellung sollen Ängste und Hürden abgebaut werden. Familien, die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten, bekommen mit den Bildern ein Gefühl, dass es sich lohnt, dieses Kind zu bekommen", sagt die engagierte Fotografin. Und damit spricht sie Lisa Leybold aus dem Herzen. Ihr Anliegen ist es, die Liebenswürdigkeit und das Glück, das ein Kind mit Down-Syndrom in eine Familie bringt, zu transportieren.

Werdende Mütter können ihr Kind bereits in der Schwangerschaft immer besser auf Erbkrankheiten testen lassen. Eine Folge: In Deutschland kommen kaum noch Babys mit Trisomie 21 - auch bekannt als Downsyndrom - zur Welt. Etwa neun von zehn Schwangeren lassen in Deutschland bei einer Trisomie 21 einen Abbruch vornehmen. "Ein Abbruch ist noch bis einen Tag vor der Geburt möglich", entrüstet sich Lisa Leybold.

Statistisch gesehen kommt bei etwa 600 bis 700 Geburten ein Baby mit Downsyndrom zur Welt. Menschen mit Downsyndrom haben in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Wie sehr das zusätzliche Chromosom die Betroffenen körperlich einschränkt, kann sehr unterschiedlich sein.

"Wir wussten vor der Geburt, dass unser Kind wahrscheinlich eine Behinderung haben wird", erzählt Lisa Leybold, die vor drei Jahren Maja auf die Welt brachte. Mehr aber auch nicht. Die Chance, dass Maja mit dem Down-Syndrom geboren wird, lag bei 1:200.

Bereits in der 13. Woche bemerkte die Frauenärztin eine auffällige Nackenfalte bei Lisas Baby. Eine weitere feindiagnostische Untersuchung bestätigte diese Auffälligkeit. Eine ihnen angeratene Fruchtwasseruntersuchung lehnten Lisa Leybold und ihr Mann Jonas Pilz ab. "Was hätte es uns gebracht - außer das Risiko, den Embryo zu verletzen oder zu verlieren?", fragt Lisa. "Maja war ein Wunschkind - egal, wie oder mit welcher Behinderung sie geboren wird." Da waren sich die Eltern einig. "Eine Fruchtwasseruntersuchung sagt nichts über den Charakter meines Kindes aus. Und auf den kommt's doch an", betont die ausgebildete Ergotherapeutin, die selbst viele Jahre mit behinderten Menschen gearbeitet hat.

Lisa Leybold sah schon beim ersten Blick in das Gesichtchen der neugeborenen Maja, dass sie das Down-Syndrom hat. "Für Jonas war sie einfach nur ein ganz wunderhübsches kleines Mädchen. Wir waren überglücklich", erinnert sich Lisa Leybold an den Moment nach der Geburt. Ihre Hebamme bestätigte schließlich ihre Vermutung: "Sie haben ein Sonnenkind bekommen." Diesen optimistischen Satz empfanden die frischgebackenen Eltern als wunderschön. Und bis heute wird Lisa Leybold mit positiven Reaktionen auf Maja überschüttet. "Wir sind zu keinem Zeitpunkt in ein Loch gefallen, weil Maja behindert ist." Überall wird das kleine blonde Mädchen mit offenen Armen aufgenommen: ob im Kindergarten Marienschule oder im Ballettstudio, wo schon das Angebot steht, dass Maja gerne mittanzen darf.

Als absoluten Unsinn empfindet es die Mutter allerdings, wenn sie zu hören bekommt, dass "besondere Kinder eben besondere Eltern" haben oder, dass Maja so gut zu ihnen passe, weil sie so wunderbar mit der Situation umgehen könnten. "Das ist Quatsch ", sagt Lisa Leybold. "Eltern aus allen Schichten bekommen behinderte Kinder. Wir wurden nicht auserwählt."

Damit es solcher Diskussionen gar nicht mehr bedarf, macht sich die Coburgerin dafür stark, dass andere begreifen: Das Leben mit dem Down-Syndrom ist sowohl für die Betroffenen als auch deren Familien wunderschön. "Wir brauchen kein Mitleid. Aber Freunde, die anderen weiter erzählen, dass Glück keine Behinderung kennt." Denn nur mit diesem Wissen kann die erschreckend hohe Quote der Abtreibungen von Down-Syndrom-Kindern gesenkt werden.


Die Fotografin Jenny Klestil fotografiert seit März 2015 Familien, die mit dem Down-Syndrom leben. Aus dieser ursprünglich zum Welt-Down-Syndrom-Tag geborenen kleinen Idee ist mittlerweile eine große Welle geworden. Über 600 Familien hat sie bereits vor der Kamera gehabt. Acht Familien nahmen im März am Fotoshooting in Coburg teil, morgen sollen noch einige dazu kommen.

Entstanden sind größtenteils schwarz-weiß-Portraits, die als Wanderausstellung durch Deutschland und Österreich kreiseln. In der Geriatrie Coburg werden 50 ausgewählte Bilder gezeigt.
Die Ausstellung ist bis 2. August zu sehen.