Die neue Saison steht auch beim Coburger "Verein" unter ganz besonderen Vorzeichen. Nachdem die vergangene Saison wegen der Corona-Krise vorzeitig abgebrochen werden musste, beginnt die neue Saison erst Anfang Dezember - immer unter dem Vorbehalt aktueller Entwicklungen. Wie der "Verein" als Konzertveranstalter mit dieser Situation umgeht, erklärt Uwe Friedrich, langjähriger Vorsitzender und Musikvorstand.

Der Lockdown hat die vergangene Saison beim "Verein" vorzeitig beendet. Wie haben Ihre Mitglieder auf die Konzert-Absagen reagiert?

Uwe Friedrich: Wir sind sehr glücklich, bis heute nur einen einzigen Corona-bedingten Austritt verzeichnen zu müssen. Unsere Mitglieder reagieren loyal und verständnisvoll. Dafür sind wir überaus dankbar.

Die Corona-Krise hat sich in den letzten Monaten massiv ausgewirkt auf das Konzertleben in der Region - bis hin zur erneuten Zwangspause, die voraussichtlich bis Ende November dauern soll. Wie macht sich diese Situation bei der Frage der Künstler-Gagen bemerkbar?

Mein persönliches Bestreben ist es, verminderte Einnahmen keinesfalls als Anlass zu nehmen, Künstlergagen zu kürzen. Jeder Interpret ist dankbar, wenn der Veranstalter an den gewohnten Konditionen festhält. Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass wir im "Verein" bis heute kein einziges Konzert stornieren mussten, sondern ausnahmslos Ausweichtermine gefunden haben. Wir sind uns dieser Verantwortung für die ausübenden Künstler sehr bewusst.

Das HUK-Foyer ist noch bis Jahresende für Veranstaltungen gesperrt und steht voraussichtlich erst im neuen Jahr wieder zur Verfügung. Was bedeutet das für den "Verein" und seine Planungen?

Die ursprüngliche Eröffnung der Konzertsaison mit der New Yorker Violinistin Mariella Haubs haben wir aus diesem Grund ans Ende der Konzertsaison auf den 5. Juli 2021 geschoben und hoffen, dass sich bis dahin die Gesamtsituation wieder entspannt hat und wir in das Foyer der HUK-Coburg zurückkehren können. Die Konzerte bis Ende März 2021 wurden von uns bereits in das Kongresshaus Rosengarten verlegt.

Welche organisatorischen Herausforderungen bringt die Beschränkung auf aktuell 200 Plätze für den "Verein" mit sich?

Beim bereits genannten Konzert am 7. Dezember werden wir zwei Konzerte mit identischem Programm und diese jeweils ohne Pause (16 Uhr und 20 Uhr) anbieten, damit insgesamt bis zu 400 Besucher in den Genuss des begehrten Weihnachtskonzerts kommen können. Es wird allerdings keine Abendkasse und keine gedruckten Tickets im Vorverkauf geben. Tickets kann man ausschließlich über ein Online-Formular auf unserer Homepage buchen, damit vorab eine konkrete Platzzuweisung erfolgen kann und sich jeder Konzertbesucher vor Ort auch aufgehoben und sicher fühlen kann.

Sind Sie ein Blasmusik-Fan? Schließlich gibt es in der neuen Saison gleich zwei Konzerte mit Blechbläser-Ensembles.

Professionelle Bläser-Ensembles empfinden es als diskriminierend, als "Blasmusik" bezeichnet zu werden. Der Begriff wird aus meiner Sicht heute doch überwiegend für Volksmusik verwendet, die zum Großteil von Laienmusikern praktiziert wird. Doch nun zu Ihrer eigentlichen Frage: Ein vielseitiges Weihnachtskonzert mit einem hochkarätigen Bläserensemble hat in dieser schwierigen Zeit nicht zuletzt den Charme der Flexibilität. Im schlimmsten Fall könnte dieses Ensemble sogar Open Air in Coburg auftreten. Das Konzert mit "Trombone Unit Hannover" im Mai, in dessen Mittelpunkt ein hervorragendes Arrangement von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" zu hören sein wird, war ursprünglich für Mai 2020 geplant und muss nun Corona- bedingt in die folgende Saison verschoben werden. Somit ist das Programm diesmal tatsächlich "bläserlastig", wenn auch mit kontrastierender Literatur.

In welcher Form könnte die Corona-Krise das klassische Konzertleben auf Dauer verändern?

Wie lange die Auswirkungen der gegenwärtigen Krise das Konzertleben beeinflussen oder inwiefern sie sogar zu dauerhaften Veränderungen führen, hängt nicht zuletzt vom Stellenwert ab, den Kunst und Kultur unseres Landes bei Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft genießen. Uns allen wird gerade in dieser Zeit deutlich, wie groß der Verlust ist, wenn man Musik nicht mehr gemeinschaftlich live erleben kann, sondern nur noch digital und isoliert in den eigenen vier Wänden. Vielleicht finden die Hilferufe der Kulturschaffenden jetzt endlich Gehör bei den Verantwortlichen und schaffen das Bewusstsein dafür, dass Kunst und Kultur für eine der führenden Bildungsnationen überlebensnotwendig sind. Wenn nicht zeitnah mit konkreten Maßnahmen gegengesteuert wird, steht zu befürchten, dass eine ganze Reihe von Künstlern sich die Frage stellen muss, ob die Ausübung ihres Berufs überhaupt eine Zukunft haben kann. Was das bedeuten würde, kann sich jeder selbst ausmalen. Vielleicht erweist sich das aktuell für die Kulturbranche beschlossene Hilfspaket der Bayerischen Staatsregierung als ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Was der "Verein" in der Saison 2020/2021 plant

Montag, 7. Dezember 16 und 20 Uhr (identisches Programm; Dauer 60 Minuten) - "Alpine Christmas" mit Bozen Brass

Montag, 1. Februar 2021, 20 Uhr - "Pasión Tango" mit Friedrich Kleinhapl (Violoncello) und Andreas Woyke (Klavier)

Montag, 15. März 20 Uhr - "Go East!" mit dem Klavier-Duo Herbert Schuch und Gülru Ensari

Diese drei Konzerte finden im Kongresshaus Rosengarten Coburg statt.

Montag, 3. Mai 200 Uhr - "Brass Impressions" mit Trombone Unit Hannover

Montag, 14. Juni 20 Uhr - "Sax meets Strings" mit dem Vogler Quartett und Christian Segmehl (Saxofon)

Montag, 5. Juli 20 Uhr

"Beethoven meets Strauss" mit Mariella Haubs (Violine) und Magdalena Haubs (Klavier)

Diese drei Konzerte finden nach heutigem Stand im Foyer der HUK-Cooburg statt.

Tickets zum Preis von 20 Euro können derzeit nur online über www.verein-coburg.de gebucht werden (keine Abendkasse, kein freier Verkauf) red