Auf Bundesebene regiert die "GroKo" - und auch in Coburg mehren sich jetzt die Anzeichen, dass es nach der Kommunalwahl zu einer Großen Koalition aus SPD und CSU kommen könnte. Während das in Berlin viele Beteiligte aber eher als notwendiges Übel sehen, macht Thomas Nowak schon mal den Unterschied zum Lokalen deutlich: "Eine gute, feste Mehrheit hat dem Coburger Stadtrat immer gut getan."

Der SPD-Fraktionsvorsitzende wird im Gespräch mit dem Tageblatt sogar noch deutlicher: "Wir sollten den Graben von 2008 beseitigen." Er meint damit das tiefe Zerwürfnis zwischen SPD und CSU rund um die damalige OB-Wahl. Die SPD zumindest, so signalisiert Nowak, sei dazu bereit.
"Ja, wir sollten diesen alten Streit hinter uns lassen." Ebenso betont er: "Es hat sich ja auch schon einiges gebessert seit 2008."

Trotzdem will er den von Norbert Tessmer angekündigten Gesprächen nicht vorgreifen und zum Beispiel auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Parteien und Gruppierungen nicht ausschließen. Sprich: Die zu vergebenden Posten des Zweiten und Dritten Bürgermeisters müssten nicht zwangsläufig unter SPD und CSU aufgeteilt werden. "Letztlich entscheidet ohnehin die Fachkenntnis", sagt Nowak und ist damit auf derselben Linie wie der CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Herbert Hartan. Der betont nämlich: "Die Kernfrage ist doch, wie die Zuschnitte und Zuständigkeiten der einzelnen Referate aussehen werden." Erst wenn das geklärt sei, könne man überlegen, welche Personen dafür fachlich am geeignetsten sind. "Und da geht es dann auch nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um das Wohl von Coburg!"

Hartan räumt ein, dass die CSU gerne einen hauptamtlichen Bürgermeister stellen würde: "Wer politisch eine größere Mitsprache haben will, sollte einen Referenten stellen." Für Hartan steht aber ebenso fest: "Nur um des Postens willen darf man sein politisches Profil nicht aufgeben." Zum Beispiel könnte er selbst sich schon auch einen Bürgermeisterposten vorstellen - aber nur ganz grundsätzlich. Und keinesfalls dann, wenn dieser Posten etwa mit dem Sozialreferat verbunden wäre. "Ich kann mich und meine Möglichkeiten ganz gut reflektieren!"

Weber? Oehm? Morper-Marr?

Und damit einfach mal hinein ins wilde Spekulieren: Vielleicht muss das Sozialreferat ja gar nicht neu vergeben werden, weil es Tessmer auch als OB gerne behalten möchte (und kann). Dann wäre aber auf jeden Fall wohl ein neuer Baubürgermeister zu suchen. Mögliche Kandidaten, die sich in diesem Gebiet auskennen, wären die Architekten Petra Schneider (SPD) oder Jürgen Oehm (CSU). Sollte Tessmer das Sozialreferat abgeben, könnte Gabriele Morper-Marr (SPD) oder Birgit Weber (CSU) ins Spiel kommen. Weber hat ohnehin schon Interesse an einem Bürgermeisterposten signalisiert, eventuell mit dem Bereich Kultur und Soziales.

Aus SPD-Kreisen ist aber auch zu hören, dass vielleicht ein jüngeres Stadtratsmitglied mit einem Bürgermeisterposten betraut werden sollte - schließlich müsse man schon an die Wahl 2020 denken, wenn der dann 66-jährige OB Tessmer vielleicht nicht mehr kandidiert. Sprich: Es könnte ein potenzieller Nachfolger aufgebaut werden.

Thomas Nowak will sich an solchen Spekulationen nicht beteiligen und verweist stattdessen auf die von Tessmer angekündigten Gespräche. Noch diese Woche sollen sie beginnen.