Ungewöhnliche Zeiten ermöglichen ungewöhnliche Lösungen. Das gilt auch für die Sinfoniekonzerte des Landestheaters Coburg.

Weil nach wie vor unter den Vorzeichen der Corona-Krise auf dem Konzert-Podium nur reduzierte Orchester-Besetzungen möglich sind, erlebte das Publikum beim 2. Sinfoniekonzert dieser Saison ein genau auf diese Besetzungsmöglichkeiten abgestimmtes Programm, das stilistisch sehr herausfordernd konzipiert war.

Schließlich führte die klingende Reise dieses "Licht und Schatten" getauften Programms von der Avantgarde des 20. Jahrhunderts zurück in die französische Romantik. Am Pult des Philharmonischen Orchesters dirigierte Coburgs Erster Kapellmeister Johannes Braun drei Werke, die nur selten auf den Programmen klassischer Sinfoniekonzerte stehen - Stücke von Charles Ives, Benjamin Britten und Camille Saint-Saëns.

Lautmalerische Zwischenrufe

Leise schwebende atonale Akkorde in den Streichern, die nach und nach in immer kürzeren Abständen kontrapunktiert werden von lautmalerischen Zwischenrufen der Bläser - die kurze Tondichtung "Central Park in The Dark" von Charles Ives bildete den Auftakt.

Unter Johannes Brauns umsichtiger, präzis gestaltender Leitung gelang eine spannungsvolle, geradezu suggestive Interpretation des zur Entstehungszeit 1906 stilistisch visionären Werkes.

Feinsinnig gestaltet

Suggestiv auch deshalb, weil das Orchester im fast komplett abgedunkelten Bühnenraum bestens korrespondierte mit dem im Spiegelsaal platzierten Fernorchester (Assistenz: Mikko Sidoroff). Die von Ives beabsichtigte mehrschichtige Klangkulisse entfaltete sich auf diese Weise besonders nachdrücklich - gleichsam als "Landestheater in The Dark".

Feinsinnig ausgelotet folgte der Liederzyklus "Les Illuminations", den Benjamin Britten auf zehn ausgewählte Gedichte von Arthur Rimbaud für Sopran und Streichorchester komponierte. Mit prägnanter Diktion spürte die Sopranistin Dimitra Kotidou den subtilen laut- und klangmalerischen Details der Lieder nach - feinsinnig differenziert in Dynamik wie Ausdruck. Beeindruckend, wie einfühlsam und präzis die Streicher des Philharmonischen Orchesters unter Johannes Brauns stilsicher gestaltenden Leitung musizierten.

Vielerlei stilistische Einflüsse finden sich in der 2. Symphonie a-Moll des jungen Camille Saint-Saëns, die im Konzertleben bis heute deutlich im Schatten der populären 3. Symphonie ("Orgelsymphonie") steht. Johannes Braun und das Philharmonische Orchester leuchteten das 1859 entstandene Werk stets spannungsvoll und homogen im Gesamtklang aus.

Ausdauernder Beifall

Mit klarer Gestik und entschlossenem Gestaltungswillen inspirierte Braun das Philharmonische Orchester zu einer mitreißenden, sehr geschlossenen Wiedergabe. Der Lohn: begeistert ausdauernder Beifall, der sich am Ende gar zu Ovationen steigerte.

Die nächsten Konzerte des Landestheaters Coburg

15.November 2. Kammerkonzert, 11 Uhr, Brose Gebäude 25, Max-Brose-Straße 1

21. November 3. Sinfoniekonzert, 20 Uhr, Wiederholungen 22.November, 11 und 18 Uhr - Landestheater Coburg

Tickets gibt es nur an der Theaterkasse: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr (Tel.: 09561/8989-89; E-Mail: theaterkasse@landestheater.coburg.de; Internet: www.landestheater-coburg.de)