Nein, um die Sektkorken knallen zu lassen, ist es noch etwas zu früh. Aber die erste Zwischenbilanz für die Landesausstellung in Coburg ist dermaßen gut, dass der Sekt zumindest schon einmal kalt gestellt werden kann. "Wir haben einen sehr guten Start hingelegt", sagt Julian Traut vom Haus der bayerischen Geschichte. Mit konkreten Prognosen halte man sich zwar aus Prinzip zurück, doch eine "sechsstellige Besucherzahl" sei sehr gut möglich.

Ob es dann statt Sekt vielleicht doch lieber gleich Champagner sein sollte? "Weder noch", könnte jetzt ein Szene-Kenner sagen und stattdessen einen Secco empfehlen. Der gilt als "kleiner Bruder vom Sekt" und ist derzeit schwer angesagt - darüber berichtet zumindest das Magazin "BUNTE" in einem "Bayern-Spezial", das der aktuellen Ausgabe beiliegt. Im selben Heft verrät auch Veronica Ferres, dass sie den Starnberger See liebt - und, Moment mal, was ist denn das? Hubertus und Kelly von Sachsen-Coburg und Gotha stellen - gleich nach dem Ferres-Beitrag und einer Werbeanzeige für Champagner (!) - die Veste Coburg und die Landesausstellung vor. Der Beitrag ist interessant und macht Lust, sich die Burg und die Ausstellung anzuschauen. Aber galt im Coburger Herzogshaus eigentlich nicht immer die Devise, zu sämtlichen Boulevardmedien Distanz zu halten?

"Das gilt auch immer noch", erklärt Prinz Hubertus auf Tageblatt-Anfrage. "Eine Home-Story würden wir nie machen." Zu der besagten Geschichte auf der Veste, bei der Fragen zum Privatleben tabu waren, habe man sich bereit erklärt, "um die Stadt Coburg und die Landesausstellung zu unterstützen". Denn: "Die Ausstellung ist fantastisch, und wir hoffen, dass viele Besucher kommen."

Das hofft natürlich auch die für den Tourismus zuständige Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber. Bei ihr fällt, wie bei Julian Traut, die erste Zwischenbilanz sehr gut aus: "Ich sehe viele auswärtige Reisebusse in der Stadt, ich höre auf dem Markt viele unterschiedliche Dialekte - und speziell am letzten Wochenende waren es Massen, die hoch zur Veste gepilgert sind!" Birgit Weber muss schmunzeln: "Da war ja fast so viel los wie bei Samba!"

Nein, Caipirinha wollen wir jetzt nicht auch noch ins Spiel bringen. Aber Bier muss sein. Doch wo kann das (oder auch ein Sekt oder ein Secco) getrunken werden, wenn ein Besucher der Landesausstellung zwar seinen Wissensdurst, aber noch nicht den "richtigen" Durst gelöscht hat? Und damit kommen wir zum einzigen kleinen Gebrummel, das es zwischen all den Lobliedern auf Luther, Veste & Co. gibt: Noch haben nicht alle Gastronomen in der Stadt begriffen, welch riesiges Potenzial es da momentan gibt. An der einen Stelle fehlt ein pfiffiges Angebot, an der anderen Stelle wäre eine etwas längere Öffnungszeit wünschenswert.

Birgit Weber hat das Gebrummel mitgekommen. Sie sagt aber ganz klar: "Alle wussten rechtzeitig Bescheid und hätten sich darauf vorbereiten können." Die Stadt könne sich natürlich nicht in das Gewerbe Einzelner einmischen. Festzuhalten bleibt freilich ebenso: Es gibt zum Glück auch noch Gastronomen, die auf Zack sind. Und die können deshalb ja vielleicht auch schon mal einen Sekt kalt stellen.