Es ist schon seit vielen Jahren eine liebgewordene Tradition, dass der Melchior-Franck-Kreis Coburg unter Knut Gramß um den St. Nikolaustag herum in der altehrwürdigen Nikolauskapelle am Rosengarten ein adventlich-weihnachtliches Konzert veranstaltet.


Heuer fand es genau an diesem Gedenktag statt und wie immer herrschte drangvolle Enge in dem kleinen, aber heimeligen Kirchenraum.


Sorgfältig einstudiert

Ein umfangreiches Programm mit Perlen und teilweise Raritäten der Renaissance- und Frühbarockmusik hatte Knut Gramß zusammengestellt, das er mit seiner sechsköpfigen Gesangsgruppe und den zahlreichen fähigen Instrumentalisten mit Flöten, Dulzian, Krummhorn, Gemshorn, Posaune, Gambe, Zink und Laute sorgfältig einstudiert hatte und umsichtig wie eindringlich gestaltete, dazu auch noch selbst Rhythmusinstrumente bediente und Erläuterungen zu den gespielten Werken gab.


Schlicht, aber ausdrucksvoll

Herbe frühe Mehrstimmigkeit aus dem 14. und 15. Jahrhundert eröffnete die Vortragsfolge, bei der meistens Singstimmen und Instrumente zusammenwirkten, aber auch reine Instrumentalstücke oder a-cappella-Gesang erklangen.


Speziell zu Ehren des Heiligen Nikolaus hörte man das feierliche fünfstimmige Antiphon "Beatus Nicolaus" von Leonhard Paminger und das dreistimmige "Nicolai Solemnia" aus dem Glogauer Liederbuch.


Aus der Fülle der durchwegs sauber gesungenen wie gespielten Werke fällt es schwer, einige besonders hervor zu heben. So gefielen nach kunstvoll polyfonen Motetten von Johann Schelle und Guillaume Dufay und einem über Orgelpunkt schwebendem "Con moto à 4" aus dem Carl-Orff-Schulwerk zwei schlichte, aber ausdrucksvolle Volkslieder aus der Gottschee und Spanien.


Klangvolle Sätze von Hans Leo Hassler und Johann Eccard, Luis de Victoria und Leonhard Lechner standen neben der farbig instrumentierten Courante von William Brade oder dem von sanften Gemshörnern geblasenen "Ave Maria zart" von Johann Georg Braun.


Anhaltender Beifall

Die kunstvollen Sätze zu "Vom Himmel hoch" von Georg Forster und "Der Tag, der ist so freudenreich" von Orlando di Lasso führten zum krönenden Abschluss des Konzerts, einem Meisterwerk des Coburger Hofkapellmeisters und Namensgebers des Musizierkreises Melchior Franck, der sechsstimmigen 1628 in Coburg erschienenen Motette "Noe, Noe! Siehe, ich verkündige euch große Freude", in die Strophen des Chorals "Vom Himmel hoch" gekonnt eingearbeitet sind.


Der anhaltende Schlussbeifall war gebührende Anerkennung für das gesamte leistungsstarke Ensemble und der Dank des Publikums für dieses vorweihnachtliche Musikgeschenk. Der Melchior-Franck-Kreis bedankte sich seinerseits mit den Zugaben "Quodlibet" von Leonhard Praminger und dem lustigen "Wenn der Nikolaus" von Knut Gramß.




Konzert in einem besonderen Gotteshaus

Konzert-Tipp Die Abendmusik unter dem Motto "Sei uns willkommen, edler Gast" wird am Mittwoch, 14. Dezember, 19 Uhr, in der Kirche St. Johannis in Rödental (ehemalige Domäne) wiederholt.

Melchior-Franck-Kreis Von seinem Leiter Knut Gramß im Jahre 1964 gegründet, erschließt sich das aus etwa zwei Dutzend Mitgliedern bestehende Ensemble immer neue Werke alter Musik. Von Anfang an war ein Hauptziel, das noch zum größten Teil unerforschte Werk des Coburger Hofkapellmeisters Melchior Franck der Vergessenheit zu entreißen. Da die umfangreiche Hinterlassenschaft Francks sowohl geistliche Werke als auch Instrumentalsätze, Tänze und weltliche Lieder bietet, gestaltet der Kreis auch abwechselnd Kirchen- und Schlosskonzerte, wobei immer ein religiöses oder kulturgeschichtliches Thema im Mittelpunkt steht.

St.-Nikolaus-Kapelle in Coburg, erbaut Mitte des 15. Jahrhunderts als ehemalige Siechenkapelle. Ab 1529 diente das Goteshaus als Kapelle der evangelischen Gemeinde, ab 1806 als Kapelle der Katholischen Gemeinde, 1873 bis 1932 jüdische Synagoge. Ab 1946: Kapelle der Freikirchlichen Gemeinde, ab 1962 Kapelle der Altkatholischen Gemeinde