Herdan sei "sprachlos", wie er in einer Stellungnahme mitteilt,dass die "Zukunftsregion Nordwest-Oberfranken und das Rennsteiggebiet" vom ICE-Bahnverkehr ausgeschlossen werden sollen. Doch Friedrich Herdan und weitere Mitstreiter wollen den Kampf um einen mehrmals am Tag in Coburg haltenden Schnellzug noch nicht aufgeben. So hat der heimische CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach am Montag Herdan zugesagt, "unverzüglich" mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) über das Thema ICE-Systemhalt zu sprechen.

Appell: "Alle Kräfte bündeln!"

Außerdem merkt Friedrich Herdan in seiner Stellungnahme an, dass die Idee eines Regionalexpresses als Ersatz für den ICE "ja nicht neu" sei und "unter Fachleuten vielleicht sogar diskutabel". Dieses Modell aber zu einem Zeitpunkt ins Gespräch zu bringen, da sich alle maßgeblichen Akteure für den ICE-Systemhalt in Coburg
einsetzen, sei "kein kluger Einfall". Friedrich Herdan stellt klar: "Ohne ICE-Systemhalt in Coburg und mit Wegfall der derzeitigen ICE-Halts in Lichtenfels und Saalfeld wird die gesamte Region ab 2017 schlechter gestellt als vorher."

Coburg zähle bayernweit zu den am stärksten industrialisierten Standorten mit der höchsten Industriedichte in Oberfranken, im Maschinenbau an Position zwei in Bayern. Coburg ist größter Versicherungsstandort in Nordbayern, mit dem größten Kfz-Versicherer Deutschlands. Täglich pendeln über 60 000 Berufstätige (34 128 Einpendler in den IHK-Bezirk Coburg, 26 119 Auspendler, Quelle: Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg 2012) in beide Richtungen, auch mit der Bahn. Herdan stellt klar: "Unsere derzeit noch prosperierende Region durch Abkopplung vom Schienenverkehr künftig zu relativieren, können wir uns nicht gefallen lassen - Initiative ist angezeigt!"

Es sei auch "überhaupt keine Lösung, dass Bahn-Fahrgäste, die in Richtung Norden oder Westen reisen wollen, erst 50 bis 70 Kilometer nach Süden zum ICE fahren sollen - also entgegengesetzt ihrer eigentlichen Reiseroute." Diese "unpraktische Variante" habe Josel als Reaktion auf das Vorschlagsmodell der beiden Coburger Fachleute parat gehabt, um hinterher deren ursprüngliches Konzept "zu zerreißen", wie Herdan erinnert.

Und Herdan schreibt weiter: "Wir müssen jetzt schnellstens alle Kräfte - in der Region sowie in den östlich sowie südlich angrenzenden Landkreisen Kronach, Kulmbach, bis hinein in den Landkreis Bayreuth und den Landkreis Lichtenfels sowie den Raum Südthüringen - bündeln, um diese Entwicklung zu verhindern!"


VCD nicht überrascht

Keine Überraschung war das Nein zu einem ICE-Systemhalt in Coburg für Gerd Weibelzahl, den Sprecher der Kreisgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). In einer Stellungnahme bezeichnet er zudem die vom Verkehrsexperten Klaus Wünderling in die Diskussion gebrachten Vorschlag einer Regionalexpressverbindung Erfurt-Bamberg-Würzburg als "nicht umsetzbar". Davon abgesehen, dass es bereits einen Regionalexpress zwischen Erfurt und Würzburg gebe, der "alle relevanten Städte zwischen Erfurt und Würzburg" bediene: "Ein Regionalexpress von Erfurt, welcher über den Umweg Bamberg nach Würzburg verkehren würde, bringt keine Fahrtzeitersparnis und bedient keinen einzigen Ort in Thüringen außer der Stadt Erfurt", schreibt Weibelzahl und fragt: "Warum soll das Land Thüringen für eine solch teure Verbindung einen Cent ausgeben?" Zumal: Bereits für einen Bruchteil dieser Kosten könnte ein Lückenschluss zwischen Coburg und Südthüringen finanziert werden. ct