Seit zwei Jahren treibt R33 Autos, Busse und Lastwagen an, hauptsächlich in und um Coburg. Nun hat er auch Rennwagen erobert: Beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring bewährte sich der in Coburg entwickelte Dieselkraftstoff, befand sich im Tank von vier Fahrzeugen, die im Rennen mitfuhren.

Aber R33 ist nicht nur rennwagentauglich: Er besteht zu 33 Prozent aus Biodiesel und Pflanzenölen, erzeugt weniger Kohlendioxid als herkömmlicher Diesel und schont auch noch den Motor. Wobei Jürgen Krahl letzteres noch nicht mit letzter Gewissheit behaupten möchte, weil noch nicht alle Messdaten ausgewertet seien.

Jürgen Krahl, Professor an der Hochschule Coburg und Leiter des Technologiezentrums Automotive Coburg, ist die treibende Kraft hinter dem Designtreibstoff aus Coburg. Vor zwei Jahren startete das TAC mit Hilfe von 16 Partnern den Großversuch, den im Labor entwickelten Kraftstoff im wahren Leben zu erproben. Seither fahren die Busse der SÜC mit R33, die Fahrzeugflotten von HUK Coburg und Lasco, und auch Landrat Michael Busch (SPD) präsentiert die R33-Aufkleber auf seinem Dienstwagen.

Nun steht der Großversuch kurz vor dem Ende. Aber davor wollen Krahl und die Vertreter der Projektpartner noch zwei wichtige Termine absolvieren. Und sie sind dabei, die Weichen für die Zeit danach zu stellen: Oberfranken soll Kraftstoff-Modellregion werden. Am Dienstag nächster Woche wird Jürgen Krahl erst nach Brüssel und dann nach Berlin reisen, um die Ergebnisse des R33-Projekts zu präsentieren. In Brüssel haben der Freistaat Bayern, die Hochschule Coburg und der Volkswagenkonzern gemeinsam in die bayerische Landesvertretung eingeladen, um R33 als "Beitrag zur CO 2 -Reduktion im Straßenverkehr" vorzustellen. Den Vorträgen mit Diskussion geht ein Mittagessen voraus. Die EU hat das Projekt auch mitfinanziert: Es flossen Mittel aus dem Fonds für regionale Entwicklung.

Am Tag darauf muss Krahl nach Berlin. Dort hat Volkswagen die Konzernrepräsentanz Unter den Linden zur Verfügung gestellt; unter den Rednern ist Bundeslandswirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). "Diesel R33 - Die Energiewende im Verkehr und die Besinnung auf eigene Stärken!" lautet dort das Motto, und Schmidt selbst soll ein kurzes Statement abgeben. Neben Krahl werden aus Coburg Wolfgang Weiler (Sprecher der Vorstände der HUK-Coburg) und Raimund Angermüller anreisen (Leiter des SÜC-Verkehrsbetriebs). Sie sollen dem Minister und den übrigen Gästen die Praxiserfahrungen mit R33 schildern. Für Angermüller werden es positive Erfahrungen sein, wie er sagt: "Wenn es dann auch noch zu einer Schadstoffminderung kommt, denken wir bei vernünftiger Preisgestaltung darüber nach, den Diesel R33 weiterhin einzusetzen." Weniger verbraucht haben die SÜC-Busse mit dem Coburger Diesel aber nicht. Angermüller: "Das ist konstant geblieben."

Die Tüftler im Coburger Kraftstofflabor sind indessen nicht untätig geblieben. Sie haben schon Kraftstoffe auf rein pflanzlicher Basis in Autotanks verfüllt - einen auf Algenbasis und einen auf Hefebasis. Entscheidend sei, dass notfalls alle diese Dieselarten miteinander vermischt werden können, ohne dass es dem Motor schadet, sagt Krahl. Denn im Alltag muss es möglich sein, nach Hefe-Diesel wieder Standard-Diesel zu tanken, ohne dass dadurch das Auto muckt.

Um weitere solche Kraftstoffe testen zu können, haben Krahl und Mitstreiter die "Kraftstoff-Modellregion Oberfranken" ins Gespräch gebracht. Solche Modellregionen gebe es bereits für Elektromobilität, aber nicht für Kraftstoffe. Denn die großen Probleme bei der Einführung neuer Kraftstoffe seien "Massenproduktion und Logistik", wie Krahl sagt: Für neue Kraftstoffe braucht man neue Zapfsäulen. Oberfranken eigne sich gut als Modellregion, weil es überschaubar sei und Autos sowohl im Stadtverkehr als auch im Überlandverkehr unterwegs sind, sagt Krahl. Das werde auch im bayerischen Wirtschaftsministerium so gesehen. Nun seien die R33-Partner aufgefordert, ein Konzept für eine solche Kraftstoffmodellregion auszuarbeiten.

Ob es dann wirklich zur Modellregion kommt, ist offen. Krahl will jedenfalls weiter an Kraftstoffen forschen - und an der Sensorik. So könnten Messfühler im Auto feststellen, ob der Kraftstoff schon gealtert ist oder wie er sich zusammensetzt und den Motor entsprechend regulieren. Denn kein Diesel gleiche dem anderen, betont der Professor: "Wir könnten jetzt schon sagen, bei welchem Mineralölkonzern getankt wurde."