• Coburg: Unverpackt-Laden schließt in Kürze - Shop spätestens Mitte Februar zu
  • "Stark reduziert": Rabattaktion - bis zu 70 Prozent Nachlass auf lose Artikel
  • Betreiber stoßen beim Spenden auf Hürden: "Können uns das nicht leisten"
  • "Müssen trotzdem Rechnungen bezahlen": Preise bereits "stark" herabgesetzt

"Lin´s Unverpackt"-Laden im Coburger Steinweg schließt. Die Betreiber hören aus persönlichen Gründen auf. Bis Mitte Februar soll Schluss sein. Momentan läuft eine große Rabattaktion, bei der Kunden bis zu 70 Prozent sparen können. Bis Ende Januar soll im Optimalfall alles verkauft sein. Thomas Lin, Ehemann der Inhaberin Lin Lin, erklärt gegenüber inFranken.de, warum es nicht so einfach sei, die Artikel zu verschenken oder zu spenden. 

Update vom 19. Januar 2023: "Verkaufszahlen deutlich gesunken" - Coburger Unverpackt-Geschäft schließt bald und startet Rabattaktion

"Auf alle losen Lebensmittel-Artikel gibt es mindestens 50 Prozent und bis zu 70 Prozent Rabatt", erklärt Thomas Lin. Es gebe noch einiges an Öl, Getreide, Mehl und Gewürzen im Laden und im Lager. Ihm zufolge versuchen er und Ehefrau Lin "händeringend" noch bis Ende Januar alles zu verkaufen. "Ab Februar kommt auch das Inventar, wie zum Beispiel die Theke, weg". Das Geschäft schließt, nach Vereinbarung mit dem Vermieter, bis Mitte Februar.

Schon 2022 kündigten die Coburger Ladenbetreiber an, aus persönlichen Gründen zu schließen. Aus diesem Grund seien aber auch "zwischen April und Dezember letzten Jahres die Verkaufszahlen deutlich gesunken", berichtet Lin. "Der Mai, Juni und Juli waren dabei ganz schwache Monate". Zwar sei das Kundenverhalten im November und Dezember wieder angestiegen, gefragt waren hierbei allerdings vermehrt Non-Food-Artikel. Demzufolge "sind die Lebensmittel, die wir angeboten haben, leider liegengeblieben", berichtet Thomas Lin.

Mittlerweile seien er und seine Frau dabei, Artikel auch über Foodsharing-Anbieter zu vermitteln. Willkommen sind auch Interessenten, die eine größere Menge abholen können. "Seit ein paar Tagen führen wir Kunden auch durch unser Lager. Da können sie einfach mal vorbeischauen", verrät Lin. Eine Übersicht der vorhandenen Artikel gibt es nicht. "Wenn wir schließen, gibt es abschließend eine Inventur. Da müssen wir auch eine Liste machen. Man darf nicht vergessen, wir machen alles selbst. Da ist das auch eine zeitliche Frage". 

"Müssen Rechnungen trotzdem bezahlen": "Unverpackt"-Betreiber erklärt Schwierigkeiten beim Verschenken und Spenden

Im Abfall soll dabei trotzdem nichts landen. "Da steht sie nun, die Mülltonne. Und wir hoffen, dass wir sie nicht für Lebensmittel verwenden müssen", geben die Ladenbetreiber auf Social-Media bekannt. Ein Verschenken der Lebensmittel sei zwar denkbar, aber nicht so einfach, "wie manche sich das vorstellen", erklärt Lin. Da seien zunächst die eigenen Kosten, die noch zu decken seien. "Die Kosten sind sehr hoch, wir müssen ja die Rechnungen trotzdem bezahlen".

Eigentlich wollten die Betreiber die Artikel, die am Ende übrig bleiben, einer gemeinnützigen Organisation spenden. "Leider haben wir viele offene Lebensmittel und die darf man nicht einfach so verschicken. Wir müssten alle Lebensmittel in kleine Portionen abpacken und mit Mindesthaltbarkeitsdatum und Allergenen versehen. Wenn sich dann noch jemand davon den Magen verdirbt, müssten wir Schadensersatzansprüchen rechnen. Wir können uns das nicht leisten". Außerdem müsste der Laden laut Lin "für eine Lebensmittelspende sieben Prozent Umsatzsteuer bezahlen". 

Auch Restaurants und Großküchen haben die Betreiber von "Lin´s Unverpackt"-Laden laut eigenen Angaben angefragt. "Die haben zwar gesagt, dass sie vorbeikommen, bisher war aber noch keiner da. Das ist natürlich schon sehr schade". Schlussendlich erhoffe er sich, so viel wie möglich zu verkaufen, hält Lin fest. Für ihn ist klar: "Auch wenn wir die Rabatte bis zu 80 Prozent erhöhen müssen. Wir möchten keine Lebensmittel wegwerfen".

Update vom 18.11.2022: "Lin's Unverpacktladen" in Coburg schließt Ende Januar - großer Ausverkauf mit Rabatten

Es habe lediglich eine Interessentenanfrage für den Unverpackt-Laden gegeben, erklärt Betreiber Thomas Lin gegenüber inFranken.de. Die Übernahme sei hier jedoch nicht zustande gekommen. "Deshalb werden wir das Geschäft zum 1. Februar 2023 schließen." Vor allem der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie sei für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen, so Lin. Aber auch "Ukraine-Krieg, Kundenabnahme und Inflation haben natürlich eine Rolle gespielt."

Jetzt hat das Ehepaar am Freitag, dem 18. November 2022, einen großen Räumungsverkauf gestartet. "Wir werden über die nächsten Wochen immer wieder starke Rabatte anbieten, solange der Vorrat reicht. Alles muss zu 100 Prozent raus, auch das Inventar", so Lin. So habe man unter anderem Tischgruppen, Stühle, eine Frischetheke und die Kasse, die verkauft werden sollen. 

Bei den Produkten im Laden wolle man "schrittweise verschiedene Waren reduziert anbieten". Aktuell gebe es unter anderem Reis, Tees, Hülsenfrüchte und Weihnachtsseifen zum reduzierten Preis. Der Betreiber nimmt die Schließung seines Geschäfts mit Fassung - auch wenn es viel Bedauern unter der Stammkundschaft gebe. "Das kriegt man täglich mit, aber einige haben sich natürlich auch schon umorientiert."

Erstmeldung vom 21.09.2022: Unverpackt-Laden in Coburg: So steht es um das nachhaltige Geschäft

Obst und Gemüse hätten sie mittlerweile komplett aus ihrem Laden entfernt. "Ansonsten findet man aber alles, was man so brauchen kann", erklärt Lin. Verschiedenstes Getreide stellt nur einen Teil des Sortiments dar. Unterschiedliche Reissorten, Nudeln sowie Süßwaren und Getränke sind ebenfalls vorhanden. Eine Kühltheke ist außerdem mit Molkereiprodukten ausgestattet. Neben Lebensmitteln findet sich eine große Auswahl an Non-Food-Produkten wie Hygieneartikel, Seifen, Klopapier und Kosmetik.

Im Geschäft gibt es zudem ein kleines Bistro, in dem man auch mal einen Kaffee trinken oder mitnehmen kann. Eröffnet hat der Laden im August 2020 - "das erste Jahr war super, für eine Ladeneröffnung mitten in der Pandemie ist es absolut spitze gelaufen", sagt Lin. "Ein Einbruch für uns war dann der November 2021. Wir hatten drei Mitarbeiter: Zwei Studenten, die zu der Zeit mit ihrem Studium fertig waren und eine Vollzeitkraft, die uns im Zuge der 3G-Regelung verlassen musste. Danach war es schwierig, überhaupt Mitarbeiter zu finden", sagt Lin.

Seit Juni 2022 verzeichnete man weitere Umsatzeinbußen, was auf die Ukraine-Krise zurückzuführen sei. Dennoch: "Wir können von dem Laden nach wie vor leben." Die Entscheidung über die Aufgabe des Geschäfts habe vor allem private Ursachen. "Wir haben eine 7-jährige Tochter zu Hause. Durch die fehlenden Mitarbeiter sind wir den ganzen Tag an den Laden gebunden, da kommt die Zeit für die Familie einfach zu kurz", erklärt Lin. Weil man jedoch viel Arbeit, Liebe und Zeit in den Laden gesteckt habe, "möchten wir den Laden idealerweise weitergeben, dass das, was wir uns aufgebaut haben, weitergeführt wird."

Ohne Nachfolge bald geschlossen: Unverpackt-Laden in Coburg droht Schließung 

"Lin's Unverpackt Coburg" sucht also ab sofort eine Nachfolge für das bisher Familien-geführte Geschäft. Lin selbst sei eigentlich ein Ingenieur. "Die letzten 25 Jahre saß ich ständig im Flugzeug und mein CO2-Fußabdruck war riesig. 2018 wollte ich das nicht mehr machen", was ihn nach einer Zeit als Bio-Imker zum Unverpackt-Laden brachte. Doch nicht nur er, auch seine Frau sei als Quereinsteigerin zu dem Geschäft gekommen. 

Im Geschäft der Lins setze man auf persönliche Beratung, "viele halten auch gerne mal ein Schwätzchen, wenn sie bei uns einkaufen". Das Paar biete an, einer potenziellen Nachfolge eine Übergangsphase einzuräumen, in denen beide noch im Geschäft bleiben und versuchen, den Unverpackt-Laden so gut es geht zu übergeben, "damit ein positiver Start möglich ist". 

Bisher habe sich leider kaum jemand gemeldet. Sollte sich niemand finden, der oder die den Unverpackt-Laden in Coburg übernehmen möchte, wird das Geschäft wohl oder übel verschwinden, so das Betreiber-Ehepaar. "Dann werden wir spätestens im März 2023 die Türen schließen", erklärt Lin abschließend.