Sie stammt gebürtig aus Coburg und ist in der Region durch viele Auftritte in wechselnden Rollen bestens bekannt: Am Samstag, 24. Juli, wird die Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin Laura Mann gemeinsam mit dem Bamberger Pianisten Oliver Lederer beim "2. Kultursommer Coburg" einen besonderen Liederabend gestalten.

Unter dem Titel "Beziehungsweisen" setzen sich die beiden Künstler mit Chansons von Georg Kreisler mit dem nicht immer leichten Verhältnis der Geschlechter auseinander.

Vor dem 2. Kultursommer Coburg: Sängerin Laura Mann im Interview 

Sie präsentieren einen Abend mit Chansons von Georg Kreisler. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Liederabend gekommen?

Laura Mann: Georg Kreisler ist ja Experte in Sachen Zwischenmenschliches und da war es ein Leichtes, aus der Fülle von Chansons einen Liederabend zu gestalten. Mir gefällt die Art von Humor, die Texte sind so durchdacht und wunderbar, der ganze Ton, der angeschlagen wird - und nicht nur am Klavier - ist genau mein Ding.

Und die Beziehung zwischen Männern und Frauen ist ja ein unerschöpfliches Thema. Wir versuchen bei unserem Abend eher gemeinsame Unterschiede und unterschiedliche Gemeinsamkeiten zu finden. Spannungen zwischen den Geschlechtern gibt es natürlich auch. Das macht ja den Reiz aus. Und ganz ohne Spannungen wäre das Leben nicht halb so interessant.

Laura Mann: Programm für jeden mit Freude an schwarzem Humor

Für wen, denken Sie, ist der Abend eher geeignet - für Männer oder für Frauen?

Für jeden und jede, für alle, die Freude an schwarzem Humor, toller Live-Musik und guter Unterhaltung haben. Die Liedtexte sind zwar bissig, wir selber beißen aber nicht und freuen uns über eine große Zuhörerschaft.

Wie nähert sich Kreisler in seinen Chansons dem Thema Männer und Frauen?

Humorvoll, augenzwinkernd, mitunter bissig und mit Liebe zum Detail. Und natürlich begleitet von fantastischer Musik.

Gab es bestimmte Kriterien, nach denen Sie die Lieder ausgewählt haben?

Georg Kreisler hat unzählige, großartige Lieder geschrieben. Das würde locker für drei Abende reichen. Da gibt es tolle politische Stücke, die mindestens genauso interessant sind, aber von der Thematik her eine andere Richtung einschlagen. Ich habe mich vor allem auf Lieder konzentriert, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigen und echte Individuen beschreiben.

Es kommt auf eine gute Zusammenarbeit an - unabhängig vom Geschlecht

Sie gestalten den Liederabend gemeinsam mit Oliver Lederer, einem Mann. Was sind die Vorteile mit einem Künstler des anderen Geschlechts zusammenzuarbeiten? Und gibt es auch Nachteile?

Ich glaube, dass es - völlig unabhängig vom Geschlecht - auf eine gute Zusammenarbeit ankommt. Wenn zwei Menschen auf der selben Wellenlänge sind und sich verstehen, hat es ja erst einmal nichts damit zu tun, ob man Mann oder Frau ist. Oliver Lederer und ich kennen uns schon länger, wir spielen in Jazz-Combos zusammen und er hat mich schon bei meinem anderen Programm "Christmas Jazz" einfühlsam am Klavier begleitet. Wir verstehen uns musikalisch wie auch privat. Man könnte also sagen, wir harmonieren sehr gut.

Georg Kreisler ist im Jahr 2011 gestorben. Seitdem hat sich die Geschlechter-Debatte um viele Aspekte erweitert. Heute wird zwischen drei biologischen Geschlechtern unterschieden: männlich, weiblich, divers. Zudem gibt es noch das soziale Geschlecht, also das psychische Geschlecht im Sinne der Geschlechtsidentität. Werden Sie in Ihrem Programm auch auf solche Themen eingehen?

Die ganze Thematik um Geschlechteridentität ist ein sehr empfindliches Feld und da lauert auch die ein oder andere Mine. Bei unserem Programm geht es zum Beispiel auch um Gendersprache, Gleichberechtigung und ganz grundsätzlich um Diversität. Ich wollte dies damit erreichen, indem ich unterschiedliche Chansons teilweise aus der Perspektive einer Frau als auch eines Mannes vortrage. Dann kann sich jeder und jede selbst ausmalen, ob dabei eine Frau oder ein Mann als Partner oder Partnerin besungen wird. Es soll sehr ambivalent sein, damit sich jeder und jede angesprochen fühlt und sich mit der Figur identifizieren kann. Wir wollen und können aber keinen akademischen Diskurs über Genderwissenschaft vortragen und schon gar nicht wollen wir mit dem moralischen Zeigefinger zwei Stunden lang wedeln. Wir wollen mit einer Leichtigkeit und einem Augenzwinkern auf die große Vielfalt und die verschiedenen Möglichkeiten hinweisen, die das Leben so bereit hält. Das Credo heißt: Alles darf, nichts muss. L(i)eben und l(i)eben lassen.

"Wo Menschen sind, da menschelt's"

Bei aller Widersprüchlichkeit: Was vereint Männer und Frauen? Wo sind sie Ihrer Meinung nach doch recht ähnlich oder vielleicht sogar gleich?

Es ist und bleibt so: Wo Menschen sind, da menschelt's. Und im Grunde hat doch jede und jeder die gleichen Bedürfnisse, Ängste und Sehnsüchte. Bei den großen Fragen des Lebens, wer bin ich und wenn ja, wie viele, suchen wir alle nach Antworten und den richtigen Weg für uns. Da ist es nicht so entscheidend, ob dies mit XY- oder XX-Chromosomen geschieht.

Noch eine etwas seltsame Frage: Ihr Nachname lautet Mann. Welche Erfahrungen haben Sie damit im Lauf der Jahre gemacht? Gab es möglicherweise auch skurrile Erlebnisse?

Es kommt schon noch das ein oder andere Mal vor, dass bei meinem Nachnamen geschmunzelt wird. Postboten kommentieren das hin und wieder ganz gerne. Und tatsächlich hatten wir in der Klasse mal einen Hermann. Die Pointe dazu können Sie sich ja denken. Unsere "fiktive Zwangsehe" hat aber nur ein Schuljahr gehalten. Dann ist Hermann weggezogen. Frau Mann ist geblieben.

Sie stammen gebürtig aus Coburg und sind letztes Jahr bereits beim Kultursommer aufgetreten. Ist es leichter oder eventuell auch eine etwas größere Herausforderung, in Ihrer Heimatstadt aufzutreten, beispielsweise weil Sie die Zuschauer eventuell persönlich kennen?

Laura Mann: Ein "Heimspiel" hat seinen ganz eigenen Reiz. Ich bin natürlich immer aufgeregt vor einem Auftritt, aber wenn man vor heimischem Publikum spielt, ist das schon noch einmal ein bisschen intensiver. Man möchte den Leuten ja immer einen tollen Abend bieten. Dann erkennt man den ein oder anderen Zuschauer und dann möchtest du es natürlich besonders gut machen. Wenn dich ein paar Leute im Publikum kennen, ist auf jeden Fall auch sehr viel Unterstützung da. Das spürt man ganz klar auf der Bühne und danach.

"Wir sind uns ähnlicher, als wir vermuten"

Zum Abschluss. Sie haben sich für Ihren Liederabend intensiv mit dem Thema Männer und Frauen beschäftigt. Gab es eine Erkenntnis, die Sie dabei selbst überrascht hat?

Laura Mann: Ich habe zum Thema einige Artikel gelesen, die sich mit biologischen Kriterien und soziologischen Untersuchungen auseinandersetzen. Das Klischee von den schmerzempfindlichen Männern soll angeblich nicht stimmen. Und auch, dass Frauen wesentlich mehr Wörter pro Tag benutzen als männliche Probanden konnte wissenschaftlich nicht belegt werden. Ob man das nun glauben mag, ist eine andere Frage. Fakt ist: Wir sind uns also doch ähnlicher, als wir vermuten.

Die Veranstaltung "Beziehungsweisen - von Mannsbildern und Frauenzimmern ein Liederabend über Menschenskinder mit den Chansons von Georg Kreisler" findet am Samstag, 24. Juli, um 18 Uhr auf dem Gelände des Kunstvereins Coburg (Park 4a) statt. Der Zugang erfolgt über die Leopoldstraße. Karten für den Liederabend sowie die weiteren Veranstaltungen des "2. Kultursommer Coburg 2021" gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.agentur-streckenbach.de und für den 24. Juli direkt unter www.tinyurl.com/6mbszrua. Das Kartenkontingent ist limitiert.