„ZOO MOCKBA“ (Moskwa gesprochen = Moskau auf Russisch) zeige mit rund 100 Werken von elf Künstlerinnen und Künstlern eine exemplarische Auswahl von originalen Spielzeugtieren aus sowjetischer Produktion. Die Spielfiguren stammten aus der mehr als 400 Objekte umfassenden Sammlung der Berliner Ausstellungsmacher Sebastian Köpcke und Volker Weinhold.

Wie das Naturkunde-Museum Coburg erklärt, gab es im Russland der Zarenzeit keine eigene Spielwarenindustrie. Wer es sich leisten konnte, verwöhnte seine Kinder mit Puppen und Spielzeug aus deutscher und französischer Produktion. Die Spielsachen der breiten Masse waren individuelle Handarbeiten, aus Holz geschnitzt oder aus Ton geformt. In ihnen spiegle sich die traditionelle Volkskunst, die vielfach bis heute unser Bild von russischem Spielzeug und russischer Kultur im Allgemeinen präge. Als ab den 1930er Jahren auch in der Sowjetunion die ersten industriell gefertigten Spielwaren vom Band liefen, orientierten sich diese an internationalen Vorbildern, heißt es. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die Produktion von Spielsachen nicht die erste Priorität gehabt. Dennoch seien Betriebe aufgefordert gewesen, neben Waren des täglichen Bedarfs auch Spielzeug herzustellen.

"Anfang der 1950er Jahre wagten Absolventinnen und Absolventen der Leningrader Kunsthochschule den Aufbruch in die Moderne. In der sowjetischen Spielzeugindustrie boten sich ihnen gestalterische Freiräume, um Neues auszuprobieren und eine eigene Formensprache zu entwickeln, in der Zeitgeist und ein neues Lebensgefühl ihren selbstbewussten Ausdruck fanden. Auch wenn manche der Künstlerinnen und Künstler heute nicht mehr gern darüber sprechen, dass sie in jungen Jahren industrielles Spielzeug gestaltet haben, so war doch gerade darin zu einem frühen Zeitpunkt eine künstlerische Avantgarde erkennbar", erklärt das Museum. 

Viele ihrer bunten Spielfiguren seien große Kunst für kleine Kinder, Skulpturen aus Plastik, die ein traditionsreiches kulturelles Erbe in sich trügen. "Aus Kunststoffen wie Zelluloid und Polyethylen erschufen die Spielzeuggestalterinnen und -gestalter der Sowjetunion eine artenreiche Tierwelt, die in ihrer bunten Vielfalt ihresgleichen sucht. Diese preiswerten Industrieprodukte kündeten häufig von einem kultivierten Gestaltungswillen, der bis heute beispielgebend ist. Generationen von Kindern waren mit diesen Spielsachen vertraut. Im Westen blieben sie jedoch weithin unbekannt."

Grundsätzlich erhebe sich natürlich die Frage, ob die Ausstellung in die vom Krieg in der Ukraine geprägte Zeit passt. Sebastian Köpcke und Volker Weinhold haben dazu eine ganz klare Meinung: "Ja, auf jeden Fall, denn die Ausstellung zeigt Spielzeugtiere aus der Sowjetunion, also Spielzeug, mit dem Kinder in allen Teilen des weiten Landes vertraut waren, das man heute noch in allen Nachfolgestaaten der Sowjetunion finden kann. Alle, die ihre Kindheit in der Sowjetunion erlebten, teilen es als elementare, verbindende, kulturelle Erinnerung miteinander. Spielzeug wurde in allen Teilen der Sowjetunion produziert, im heutigen Russland ebenso wie in der Ukraine. Im Spielzeug bewahrt sich die Unschuld des Kindes, das an jedem Ort der Welt das gleiche Recht auf ein Leben in Frieden haben sollte. Als Thema politischer Indoktrination und kultureller Ausgrenzung ist es deshalb vollkommen ungeeignet."

Die Sonderausstellung ist bis zum Sonntag, 03.07.2022, täglich von 09.00 bis 17.00 Uhr, im Naturkunde-Museum Coburg zu sehen.