Katastrophen sensibilisieren. Nach der Brandkatastrophe in London und Evakuierungen in Deutschland sorgt daher die Meldung über einen Brand in einem Hochhaus in Coburg für besonderes Aufsehen. Zum Glück erwies sich der Brand Am Ölberg am Montag als Schadereignis deutlich unter der Katastrophenschwelle.
Dennoch, es ging um ein Hochhaus. "Das geht einem schon bei der Anfahrt durch den Kopf", sagt Stadtbrandrat Ingolf Stökl, der am Montag mit seinen Leuten ausrückte. Hochhaus - das heißt, es können viele Menschen im Gebäude sein, die in Sicherheit gebracht werden müssen. Es werden vielleicht besondere Einsatzmittel benötigt. Doch, dass die Coburger Wehr jetzt mit mehr oder anderem Gerät ausrückt, seit es den Fassadenbrand in London gegeben hat, das ist nicht so.
"Das ist in Bayern einheitlich nach der Alarmierungsbekanntmachung, der ABek, geregelt, da können wir nicht einfach dran drehen", erklärt Ingolf Stökl. Die vom Innenministerium herausgegebene ABek kennt eine große Zahl an Einsatzstichworten. Beispiele sind "Brand Dachstuhl, Brand - Rauch aus Wohnung" oder eben "Brand Hochhaus und Brand Keller - Personen in Gefahr", wie bei dem Einsatz am Montag. Zu den Einsatzstichwörtern gibt es so genannte Schlagwörter. Jedem Einsatzstichwort ist eine bestimmte Anzahl von Schlagwörtern zugeordnet. Die Schlagwörter sollen dem Disponenten in der Integrierten Leitstelle (ILS)
dabei helfen, das Ergebnis seiner
Notrufabfrage dem zutreffenden Einsatzstichwort zuzuordnen. So kann präzise eingeteilt werden, was an Einsatzkräften und Gerät losgeschickt wird.
Im konkreten Fall hatte im Keller des siebenstöckigen Gebäudes offenbar ein Jugendlicher gezündelt und Gegenstände in Brand gesetzt. Ein Anwohner bemerkte Rauch aus dem Keller und rief die Feuerwehr. Das war um 17.20 Uhr. Die Wehr der Kernstadt und die aus Wüstenahorn wurden alarmiert. "Wir waren dann mit 19 Leuten vor Ort, das ist nicht sehr viel", erklärt Stökl. Dazu kamen Rettungsdienst und Polizei.


50 Leute evakuiert

Immerhin mussten rund 50 Bewohner des Hauses ihre Wohnungen verlassen. Noch ehe die Feuerwehr eintraf, holten Polizei und der Anwohner, der den Brand gemeldet hatte, Leute aus dem Haus. Dabei erlitten eine Beamtin und der Anwohner leichte Rauchvergiftungen und mussten behandelt werden.
Die Feuerwehr lokalisierte den Brand in einem sonst leeren Kellerabteil. Dort wurden brennende Gegenstände gefunden und gelöscht. Der Schaden wird von der Polizei auf etwa 1000 Euro geschätzt, blieb also überschaubar.
"Aufgrund des Einsatzstichworts ist klar, dass bestimmte Dinge, wie eben schwerer Atemschutz, Lüfter und so weiter gebraucht werden", erklärt Ingolf Stökl. All das wird dann entsprechend mitgeführt.
Ein Brand wie der in London, sollte in Deutschland kaum möglich sein, sagt der Feuerwehrmann. "Die Vorschriften dazu sind bei uns gar nicht so schlecht", lobt er. Die Bauordnung in Bayern erlaube beispielsweise gar keine brennbaren Dämmmaterialien an Hochhäusern. Für deren Bau gibt es sogar eine eigene Richtlinie mit strengeren Auflagen als im normalen Wohnungsbau.