Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen Kultur-Veranstalter auch in der Region zu kreativen Lösungen. Die Organisatoren des Festivals "Coburg liest" haben sich deshalb für dieses Jahr eine in jedem Fall Corona-kompatible Variante überlegt. Nachdem "Coburg liest" im vergangenen Jahr kurzfristig komplett absagt werden musste, setzen die Veranstalter für die 17. Auflage der Coburger Literaturtage auf ein völlig neues Format.

"Coburg liest! Ein Buch" lautet das Motto für 2021. Dahinter steht die Idee, die Coburger Literatur-Fans in Literatur-Wähler zu verwandeln. Zur Wahl stehen, so die "Coburg liest"-Macher, "fünf bemerkenswerte aktuelle Romane", vom Organisationsteam im Vorfeld aus einem literarischen Strauß von 15 Romanen ausgesucht.

"Im Herbst ging es los mit der Planung für Coburg liest 2021", erinnert sich Martina Riegert vom Organisationsteam: "Am Anfang waren wir sehr, sehr optimistisch, dass das mit Präsenzveranstaltungen klappen könnte. Denis Scheck hatte sein Kommen erneut zugesagt. Aber im Januar wurde uns klar, dass es Präsenzveranstaltungen in der geplanten Form nicht geben würde."

Nach "hitzigen Diskussionen haben wir entscheiden, keine Autoren einzuladen, den Coburgern mithin nicht vorlesen zu lassen, sondern die Coburger selbst lesen lassen."

Martina Riegert ist überzeugt: "Viele haben wieder mehr Zeit zum Lesen. Deshalb passt unser neues Format in die Zeit".

Mit dieser Einschätzung findet sie Unterstützung auch bei Oliver Heß vom Organisationsteam: "Es ist zeitgemäß, die Leute mit einzubinden. Die Idee ist ganz einfach: Alle lesen das gleiche Buch, um darüber zu sprechen." Unterstützung gibt es auch von Christian Holtorf, der die Hochschule Coburg im Organisationsteam vertritt: "Ich finde es gut, dass wir uns von Corona nicht nur einschränken lassen."

Bestätigt sieht sich Holtorf in der Wahl dieses partizipativen Formats auch durch seine Erfahrungen mit den Studierenden der Hochschule: "Man muss die jungen Leute aktiv beteiligen, nicht nur als Zuschauer oder Zuhörer auffassen."

Erinnerung an Irmgard Clausen

Die 17. Auflage des Festivals wird in diesem Jahr auch im Zeichen der Erinnerung an Irmgard Clausen stehen. Anfang Februar war die Initiatorin von "Coburg liest" gestorben, nachdem sie die Literaturtage eineinhalb Jahrzehnte geprägt hatte.

Das Roman-Quintett, über das Coburgs Lese-Fans abstimmen können, steht ab dem 8. März ganz offiziell zur Wahl. Per Facebook-Votum, per Mail oder per Stimmkugel, die in der Buchhandlung Riemann abzugeben ist, können sich Literaturfreunde direkt beteiligen.

Der Roman, der die meisten Stimmen erhält, wird bei der für Samstag, 8. Mai, im Haus Contakt geplanten Abschlussveranstaltung präsentiert und zur Diskussion gestellt. Auch für den Fall, dass zu diesem Zeitpunkt noch Lockdown-Einschränkungen im Kulturbereich gelten sollten, haben die Organisatoren vorgebaut. Dann wird die geplante Lesung samt Diskussion zur Videoveranstaltung.

Diese Romane stehen zur Auswahl für "Coburg liest"

Weit gespannt ist der Bogen der Romane, der bei "Coburg liest" der zur Wahl stehenden Romane und ihrer Themen.

"Brüder" So schildert Jackie Thomae in "Brüder" die Geschichte der beiden Halbbrüder Mick und Gabriel, die als Söhne eines senegalesischen Studenten 1970 in der damaligen DDR geboren werden.

"Lanny" Max Porters zweiter Roman "Lanny" erzählt dagegen die Geschichte eines Außenseiters, der in einem von schrulligen Menschen bewohnten Dorf bei London am liebsten im Wald mit Rehen herumstreunt.

"Drehtür" hat Katja Lange-Müller ihren Roman genannt, der die Geschichte einer Berliner Krankenschwester erzählt. Zurückgekehrt von ihrem letzten Arbeitsplatz in Nicaragua, erinnert sich die an der Schwelle zum Rentenalter stehende Protagonistin an Begegnungen aus ihrem Leben.

Herkunft In seinem autobiografischen Roman "Herkunft" erkundet Sasa Stanisic seine bosnisch-serbische Familiengeschichte und stellt Fragen nach Identität und Heimat.

"Kindeswohl" Mit einem heiklen Thema befasst sich Ian McEwan in seinem Roman "Kindeswohl". Darin soll eine Richterin über das Schicksal eines leukämiekranken Jungen entscheiden, der eigentlich dringend Bluttransfusionen benötigt, diese jedoch aus religiösen Gründen nicht erhalten soll. Denn seine Familie gehört zu den Zeugen Jehovas, die den Erhalt von fremdem Blut ablehnen.

Beginn der Abstimmung 8. März (in der Buchhandlung Riemann, auf Facebook@coburgliest und per Mail an info@riemann.de) - Ende der Abstimmung: 8. April

Abschlussveranstaltung 8. Mai, 19.30 Uhr, Haus Contakt (bei Bedarf virtuell)red