Als die Schützengesellschaft Coburg im Jahr 1354 gegründet wurde, war der Schießsport ausschließlich Männern gestattet. Fast 600 Jahre sollte das auch so bleiben, denn bis in die 1950er Jahre hinein war die Schützengesellschaft ein reiner Männerverein - und als damals bei einigen Frauen der Wunsch aufkeimte, sich auch einmal am Schießstand zu versuchen, wurde das von den Herren eher kritisch beäugt. Es ist also kaum verwunderlich, dass der Schießsport auch heute noch als ein Männersport verschrien ist und die Schützengesellschaft mit einem eingestaubten Image zu kämpfen hat.

Regenbogen am Eingang montiert

"Das Bild eines elitären Männervereins wird der Schützengesellschaft Coburg aber schon lange nicht mehr gerecht", findet Oberschützenmeister Stefan Stahl und hat deshalb das erste Zusammentreffen der Schützen nach der sechsmonatigen Corona-Zwangspause genutzt, um ein Zeichen für Toleranz und Offenheit zu setzen: Nach dem Wettbewerb um den Manfred-Jenke-Pokal Ende Juni wurde ein Regenbogen im Eingangsbereich des Schützenhauses angebracht, der jedem Besucher schon beim Betreten des Schützenhauses zeigen soll, dass im Verein Vielfalt gelebt wird.

Der Zeitpunkt für diese Geste könnte kaum passender sein: Schließlich gilt der Juni als so genannter "Pride Month", in dem Toleranz im Mittelpunkt steht. Die Regenbogenflagge ist den ganzen Monat über allgegenwärtig, wenn Institutionen und Unternehmen Solidarität mit der LGBTQ-Community zeigen. Die aus dem Englischen übernommene Abkürzung steht für die Orientierungen lesbisch, schwul, bisexuell, Transgender und "queer" (alle, die sich keiner der anderen Kategorien zugehörig fühlen).

Dauerhaftes Zeichen

Im Juli werden die meisten Regenbogenfahnen allerdings wieder abgenommen. Bei der Schützengesellschaft Coburg ist das anders: Der Regenbogen ist nicht nur ein vorübergehendes Zeichen für Vielfalt, sondern er wird von nun an dauerhaft die Mitglieder im Eingangsbereich begrüßen. "Toleranz ist ja auch ein Thema, das den Verein ständig begleitet", erklärt Stefan Stahl. Der Schießsport an sich sei mit seinen verschiedenen Disziplinen immerhin auch sehr vielfältig: "Und mir ist es wichtig, dass sich unsere Mitglieder über diese Grenzen hinaus respektieren - egal, ob nun mit der Luftpistole oder dem Repetiergewehr geschossen wird."

Neben der Harmonie unter den Vereinsmitgliedern sei es ihm aber auch wichtig, dass die Hierarchie im Verein flacher wird. "Als ich Jungschütze war, hatte ich nur sehr selten Kontakt zum damaligen Oberschützenmeister - ich möchte aber für jeden ein Ansprechpartner sein, unabhängig vom Rang." Der Regenbogen soll aber nicht nur die interne Offenheit und Toleranz zeigen. "Er ist auch Symbol dafür, dass der Verein nach außen jedem offen steht - egal ob männlich, weiblich oder divers", erklärt Stefan Stahl.

Können entscheidend

Das Können sei schlussendlich entscheidend, nicht etwa das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung. Mittlerweile engagieren sich sehr viele Frauen im Schützenverein, eines der Mitglieder ist Teil der LGBTQ-Community - für Stefan Stahl und den Rest des Vereins selbstverständlich. Seit Ende Juni ist am Schützenhaus der Regenbogen jedenfalls ein gut sichtbares Zeichen, dass die Schützen nicht nur in ihrer langjährigen Tradition und der Liebe zum Schießsport, sondern auch in Toleranz geeint sind.