Soll die B4 zwischen Frankenbrücke und südlicher Stadtgrenze vierspurig ausgebaut werden? Das soll am Donnerstag (20. Februar 2020) Thema im Coburger Stadtrat werden. Die SPD-Fraktion will erreichen, dass der Stadtrat einen derartigen Ausbau ablehnt - und das will der Coburger Fahrzeugteilehersteller Brose verhindern. In einem offenen Brief wandte sich am Mittwoch Regina Wiechens-Schwake, Leiterin Kommunikation und Marketing Brose Gruppe, an die Stadtratsmitglieder.

Eingangs verweist Wiechens-Schwake darauf, dass der Ausbau des 1,5 Kilometer langen Straßenstücks vom Bund getragen werde. Die Stadt sei dadurch nicht belastet. Der Ausbau sei im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen und werde seit Jahrzehnten gefordert. Im Sommer hat das Staatliche Bauamt einen Entwurf für den Ausbau vorgelegt und klargestellt, dass nicht gegen den Willen der Stadt gebaut werde. Seitens der Anwohner kam deutlicher Protest gegen die Pläne; auch einige Stadtratsfraktionen und -Mitglieder sind dagegen.

Baut Brose ein Logistikzentrum an der Dieselstraße?

Brose ist für den Ausbau, macht Wiechens-Schwake deutlich: "Die Firma Brose verursacht den größten Lkw-Verkehr im Süden Coburgs durch die Zu- und Anfahrt von Lastzügen zur Ver- und Entsorgung unserer Produktion im Werk 1 und Werk 2. Im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums in der Dieselstraße wollen wir den südlichen Stadteingang nicht nur wie bisher äußerlich aufwerten, sondern auch verkehrstechnisch verbessern." Laster sollen das Werksgelände dann nicht mehr über die Bamberger Straße anfahren, sondern über das Weichengereuth und die Uferstraße. Wann und wo genau das Logistikzentrum entstehen soll, beantwortete die Brose-Pressestelle am Mittwoch nicht: "Details zum Vorhaben geben wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt."

Aber schon jetzt hält Brose Ampeln an den Einmündungen Wassergasse und Ahorner Berg für unverzichtbar, weil es sich um "extreme Unfallschwerpunkte" handele. "Durch die Rotlichtphasen würde sich allerdings der Verkehr im Weichengereuth, vor allem in den Morgen- und Nachmittagsstunden bis zur Frankenbrücke aufstauen. Man konnte dies beobachten, als vor kurzem wenige Tage auf Höhe des Klärwerks eine Baustellenampel installiert wurde."

Eine vierspurige Straße lasse den Verkehr besser fließen, und auch bei Ampelstopps würden keine Stauungen entstehen, argumentiert Wiechens-Schwake. Das zeige das Beispiel des Berliner Rings in Bamberg. Auch sei die B4 die Ausweichroute, sollte die A73 durch Unfall oder Baustelle blockiert sein. Dann sei "ein möglichst guter Verkehrsfluss unabdingbar, wenn die Anwohner des Weichengereuths nicht durch die Geräusche und Abgase der stehenden Fahrzeuge belästigt werden sollen".

Regina Wiechens-Schwake bezeichnet den vierspurigen Ausbau der B4 im Weichengereuth als eine der "wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen am Wirtschaftsstandort Coburg". Ihr Appell: Gegen den Antrag der SPD-Fraktion zu stimmen, den deren Vorsitzende Petra Schneider in der heutigen Sitzung einbringen will - als Änderungsantrag zu einem der CSU-Fraktion, wo es um weitere Informationen vom Staatlichen Bauamt geht.

Thema dem neuen Stadtrat überlassen

Wiechens-Schwake bittet darum, dieses Thema "nicht während der aktuellen Wahlkampfauseinandersetzungen zu behandeln". Im Weichengereuth führe der Ausbau zu einem besseren Verkehrsfluss und weniger Belastung für Umwelt und Anwohner, argumentiert die Brose-Kommunikationsleiterin.

Wiechens-Schwake zufolge sollte "der neue Stadtrat", der am 15. März gewählt und ab 1. Mai im Amt sein wird, "dieses Thema noch einmal mit allen Betroffenen sachlich und in Ruhe in der neuen Legislaturperiode diskutieren und dann eine Entscheidung treffen".