"Das ist genau die Arbeit, die mir liegt. Ich mache das leidenschaftlich gern", sagt Annika Koch. Sie ist ausgebildete Familienkinderkrankenschwester und betreut über den Kinderschutzbund Coburg Familien mit Neugeborenen, aber auch Schwangere. "Häufig sind es psychisch belastete Mütter, die ich schon während der Schwangerschaft begleite. So kann ich Vertrauen aufbauen, und anfängliche Skepsis legt sich schnell."

Zusammen mit Birgit Thäringer von der Koordinierenden Kinderschutzstelle KoKi, Netzwerk frühe Kindheit, entscheidet Annika Koch, welche Art von Hilfe notwendig ist. "Bei der Übergabe der Willkommenstaschen führen wir Gespräche mit den Eltern und stellen mitunter fest, dass in einigen Fällen Unterstützung gebraucht wird", erzählt Birgit Thäringer. Frauen- und Kinderärzte, die Schwangerenberatungsstellen, die Asyl- und Sozialberatung sowie andere soziale Einrichtungen weisen immer wieder auf die Möglichkeit hin, frühe Hilfe in Anspruch nehmen zu können - alles auf freiwilliger Basis, versteht sich. Es kommen aber auch Mütter und Väter von sich aus zu KoKi oder nehmen über das Internet Kontakt auf.

13 Familien hat Annika Koch im Jahr 2017 betreut, in der Regel zwischen vier und sechs paralleI. In der Mehrzahl sind es alleinerziehende Mütter, denen sie zum Beispiel bei Ernährungsproblemen zur Seite steht. "Vor allem geflüchtete Frauen kennen sich oft mit der Art und Dosierung der Babynahrung nicht aus", erläutert Annika Koch. Es treten in jungen Familien mitunter aber auch Eheprobleme auf oder es gibt finanzielle Schwierigkeiten. Selbst darüber reden die Betroffenen mit ihrer Betreuerin. "Nicht selten bin ich ihre einzige Ansprechpartnerin. Ich weise dann auf entsprechende Beratungsstellen in der Stadt hin."


"Eine Fügung"

Wie aber kommt eine Kinderkrankenschwester dazu, junge Familien zu beraten und zu begleiten? "Für mich war das wie eine Fügung", stellt Annika Koch fest. Bevor sie selbst Mutter wurde, hat sie in ihrem Beruf an der Uni-Klinik Erlangen gearbeitet. Als dann ihre Kinder, die heute fünf und sieben Jahre alt sind, geboren wurden, kam sie zurück nach Coburg und wünschte sich einen Job ohne unregelmäßige Dienste. In der Eltern-Kind-Gruppe des Kinderschutzbundes erfuhr sie vom Netzwerk frühe Kindheit und dass dort eine Kinderkrankenschwester gesucht wird. "Das war ideal für mich." Die junge Frau absolvierte eine Zusatzqualifikation als Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und arbeitet seitdem zwölf Stunden in der Woche in ihrem Traumjob.

Und der bekommt im neuen Jahr sogar noch mehr Anerkennung und Förderung: Die Bundesstiftung Frühe Hilfen, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen wurde, stellt vom Januar 2018 an sicher, dass Strukturen und Angebote, die sich bewährt haben, weiter bestehen können. Vor allem Angebote zur psychosozialen Unterstützung von Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr sollen dabei weiter ausgebaut werden. Für Annika Koch bedeutet das, die wöchentliche Stundenzahl, die sie für die frühe Hilfe zur Verfügung hat, erhöht sich auf 15. Das ist nicht viel, aber nach Ansicht von Birgit Thäringer ein Schritt in die richtige Richtung. "Die ersten drei Lebensjahre eines Kindes sind prägend, die Bindung an die Eltern ist wichtig. Wir können präventiv tätig werden, Mütter und Väter vor Überforderung schützen", ergänzt sie.